Frühling im Anmarsch: Spaziergang zum Müllner Bründl

Erwähnte ich es schon?
Sicher. Mehrfach sogar.
Ich mag den Wald hinter unserem Haus und auch den Wald hinter den Häusern auf der anderen Straßenseite. Folgerichtig schrieb ich 2016 für eine Blogparade über die Lieblingsplätze einen Beitrag Daheim im Wald. Und nicht ohne Grund habe ich gerade erst Torbjørn Eklunds Im Wald als Lesetipp vorgeschlagen?
Mitte Februar lag der Wald, der sich östlich unserem Dorf anschließt, tief unter einer Schneedecke, jetzt ist alles anders. Der Frühling hat mittlerweile Einzug genommen. 13° C verspricht das Thermometer am Sonntag, dazu verheißt der Wetterbericht blauen Himmel und ein laues Lüftchen. Perfekt, einen ausgiebigen Spaziergang zu machen und erst danach erst ins Schwimmbad zu fahren. Morgens, wenn das träge Volk am Frühstückstisch hockt, ist man im Wald ziemlich allein, nachmittags, wenn die Spaziergänger ausrücken ist es im Schwimmbad recht leer. Zumindest bei diesem Wetter.
Ziel ist das Müllnerbründl, ein Ort der Kraft, wie es 2016 mal in der Süddeutschen Zeitung stand. Das Müllnerbründl, wahlweise auch Müllner Bründl geschrieben oder auch Müller Bründl genannt, liegt an der Ortsgrenze zu unserer Nachbargemeinde Isen. Der Brunnen ist gar nicht weit weg von uns und daher ein nettes, gelegentliches Ziel für einen Spaziergang oder eine erste Etappe bei einer Runde mit dem Mountainbike.

Es ist noch kalt in Wald, als wir uns direkt nach dem Frühstück aufmachen. Schneereste flankieren den Weg, bisweilen ist der Weg steinhart und noch gefroren, an anderen Stellen ein einziger Matsch.Das macht aber nichts, da müssen wir eben durch. Schweres Gerät, mit denen die Waldarbeiter im Winter die vom Sturm umgeknickten Bäume herausgezogen haben, hat tiefe Furchen auf dem Boden hinterlassen. Aufgeschichtet liegen Berge von Stämmen am Wegrand und warten auf ihren Abtransport.
Vögel zwitschern, ein paar Krähen schreien, in der Ferne gurrt eine Taube. Die Sonne bricht sich den Weg durch die hohen Bäume. Sie wärmt spürbar, so dass der Spaziergang ein fortwährender Wechsel zwischen Jacke auf/Jacke zu und Schal um/Schal ab wird.
Bergab geht es und vorbei am Gedenkstein für den 1991 verstorbenen Forstwirt Peter Mitter. Der Stein ist relativ neu, früher war es eine knorrige Wurzel. Noch immer stehen regelmäßig frische Blumen unter dem Stein. Man gedenkt der Toten.
Der Weg zum Bründl ist nicht leicht zu finden, man muss sich schon ein wenig auskennen, den kleinen Schildchen B5 folgen, selbst wenn man meint, dass es nicht mehr weiter geht. Aber das tut es…

Der Boden wird sumpfiger, kleine Rinnsale und Bäche schlängeln sich durch den noch blätterlosen Wald. Viel Grün ist auch auf dem Boden noch nicht zu sehen.


Und irgendwann stehen wir dann am Müllner Bründl, dem Ort der Kraft.
So wie einst, Anfang Dezember 1800 ein unbekannter, berittener Soldat. Damals tobte die blutige Schlacht von Hohenlinden, die napoleonische Truppen auf der einen, die kaiserlich-österreichisch-baierischen Truppen auf der anderen.
Die Legende erzählt, dass ein Reiter hier durch den Wald kam und mit seinem Pferd immer tiefer im morastigen Untergrund einsank. Je heftiger das Pferd in seiner Panik austrat, um Halt zu finden, umso verstrickter wurde die Lage. Wie durch ein Wunder schaffte es das Tier am Ende doch, festen Boden unter die Hufe zu bekommen. Dort aber, wo das Pferd in den Boden getreten hatte, trat eine Quelle hervor. Der Reiter dankte Gott, notierte seine wundersame Rettung, deponierte diesen Bericht in einem hohlen Baumstamm und ritt davon.
Später wurde an der Stelle ein Brunnen errichtet, daneben eine kleine Kapelle, das Wasser gilt als heilend. Grund genug für viele, sich einen der bereit stehenden Porzellanbecher zu nehmen, und das Brunnenwasser zu trinken:
Natürlich muss man auch ein wenig dran glauben, aber das tun viele. Auch heute noch. Und wenn es nicht so ist, dann schadet es zumindest nicht, einen Becher frisches Quellwasser zu trinken. Noch immer finden sporadisch Wallfahrten zum Bründl statt. Am Platz vor der kleinen, hölzernen Kapelle werden gelegentlich Gottesdienste abgehalten. Votivtafeln in dem Gebäude zeugen davon, dass Menschen von der Heilwirkung des Wassers und den Wundern überzeugt waren.
Kindergärten und Grundschulklassen machen regelmäßig Ausflüge zum Müllner Bründl, im Wald stehen Reste kleiner Mooshäuschen. Sie sind Spuren emsiger Bautätigkeit der Kinder.

Unermüdlich sprudelt Wasser aus einem kleinen Rohr, kalt ist es und frisch. Ob es wirklich heilende Wirkung hat, sei dahin gestellt. Wäre dem wirklich so, ich bin sicher, hätte es längst ein Institut untersucht und wir wären ein anerkannter Kurort.
Aber das sind wir nicht, und das ist gut so. Der Wald und die Gegend sind viel zu schön, als sie wir das mit Karawanen erholungsuchender oder wellnessverwöhnter Kurgäste überfüllt haben wollen. Zu viel Mensch erträgt so ein Ort der Kraft nicht.
Auch an Heilungswundern oder Marienerscheinungen herrscht ebenfalls Mangelware, auch das ein Segen. So steht eben nicht alle paar Meter ein Souvenirstand mit Rosenkränzen, Kerzen, Postkarten und Plastikfläschchen in Madonnenform mit Wasser aus der Quelle.
Keine Händler, kein Tempel, keine Devotionalien – keine Reisebusse voller Pilger, keine Wundergläubige, die auf Heilung hoffen, keine Kathedrale im Wald, nur eine simple Holzkappelle mit einer kleinen Bank drum herum.
Wir sind nicht Lourdes. Gottseidank. Und wer so etwas braucht, kann ja ins etwas mehr als 60km entfernte Altötting pilgern. Zu Fuß. In etwa 12 Stunden. Oder in nur einer mit dem Auto.

Ab und zu trifft man einen Wanderer, einen Spaziergänger, Mountainbiker oder Jogger, kaum ein halbes Dutzend Menschen. Mehr trifft man sonntags selten in unseren Wäldern. Das reicht auch.

Viel mehr treffe ich nachmittags im Schwimmbad in der Kreisstadt auch nicht im Becken an. Frühling wird’s. Endlich.


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1 Antwort

  1. Frida sagt:

    Danke fürs Bloggen ich werde gemäß Deiner Erlaubnis den Artikel verlinken. 👍

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