Ein Berg, ein Weiher, ein Fluss, ein Wasserfall

Der Poschinger Weiher gehört definitiv für mich zu den unattraktivsten Schwimmrevieren im Großraum München. Das ist kein Geheimnis. In meinem Ranking hat er die rote Laterne, vielleicht wird er, wenn ich doch mal wieder einen Fuß dort hinein setze, ein wenig nach oben rutschen. Aber viel kann es nicht sein.
Landschaftlich aber ist dieser kleine See nördlich von Unterföhring mitsamt seiner Umgebung wirklich sehr schön.

Poschinger Weiher

Poschinger Weiher

Nördlich befindet sich dem Weiher angrenzend ein kleines Naturschutzgebiet, Wege führen hindurch und hinunter zur Isar und mitten in diesem Gebiet gibt es einen ein kleinen Berg. „Hypoberg“ wird er gern genannt, hat aber mit der Hypo nicht wirklich etwas zu tun. Dieser Berg wie auch der benachbarte etwas kleinere Hügel sind künstlich angelegt. Anders aber als der etwa 3km entfernte Fröttmaninger Berg handelt es sich hier aber nicht um einen Müll- oder Schlammberg sondern um einen Monte Scherbelino, einen Schuttberg aus dem Zweiten Weltkrieg. Längst ist er bewachsen und bietet Spaziergängern, Joggern und Mountainbikern gleichermaßen ein attraktives Ziel.

Isarsteg Unterföhring nahe dem Wasserfall

Ich habe mir vorgenommen, viel öfter nach der Arbeit solche Flecken zu erkunden – zumindest, wenn ich nicht in einen See oder Weiher hüpfen kann oder will. Als ich ein wenig vorab recherchiere, was es hier zu sehen gibt, lese ich zu allererst von einer phantastischen Aussicht. Na also. Schon bin ich überzeugt, fahre nach Feierabend zum Poschinger Weiher und stapfe hinüber ins Grün.
Schmale Pfade führen vom Parkplatz hinein in das kleine Naturschutzgebiet.
Trampelpfad durch den Wald

Zu Füßen des Hypobergs liegt nicht nur der Poschinger Weiher, auch zwei Teiche, die von Wald umgeben sind. Alles sehr idyllisch, fast ursprünglich, naturbelassen und charmant. Fast zu schön, um echt zu sein, wenn man toleriert, auf dem Weg von einem freilaufenden Hund, der gerade baden war, beschnüffelt zu werden und anschließend ein relativ nasses Hosenbein zu haben. Muss man nicht mögen, ist aber auch kein Drama. Allein ist man hier nämlich mitnichten.

Weiher im Wald

Oben auf dem Hypoberg angekommen erweist sich, dass der Ausblick nur durch eine Schneise nach Süden möglich ist, alles andere ist komplett zugewachsen. Das ist nun weniger toll. Phantastisch ist dann doch zärtlich übertrieben.

Auf dem Hypoberg

Hier, was es nun von dort oben aus zu sehen gibt.
Als erstes fällt das  SW/M-Heizkraftwerk Nord in knapp drei3 Kilometern Entfernung auf: Ein mächtiger Klotz, in dem Restmüll und Steinkohle verbrannt werden. Laut Bürgerentscheid  von 2017 soll es Ende 2022 stillgelegt werden, höchst unwahrscheinlich, dass das wirklich passieren wird. Man rechnet mit dem Veto der Bundesnetzagentur, dass die Versorgung Münchens mit Fernwärme  nicht mehr störungsfrei sichergestellt ist. Warten wir’s ab, was passiert.Heizkraftwerk Unterföhring

Etwas weiter westlich sind der Isarkanal, der Kirchtürme von Unter- und Oberföhring zu sehen; dahinter München-Bogenhausen. Markant und gut zu erkennen sind der Hypo-Tower und das Sheraton-Hochhaus, das Westin-Grand München auch die Stahlskulptur Mae West am Effnerplatz. Ganz im Osten lugt das Riesenrad hervor. Blick auf Unterföhring und Bogenhausen

Noch etwas weiter geschwenkt rückt der Sendemast des BR, der vor ziemlich einem Jahr in Brand geriet, in den Blick. Er ist mein „Rank und schlank“ Motiv im Twitter-Fotoprojekt #JedeWocheeinFoto. Dahinter mache ich das Grün des Englischen Gartens und die Türme von St. Peter, dem Rathaus, der Theatiner- und der Frauenkirche aus. Ganz rechts sind die beiden Türme von St. Ludwig zu erkennen.

Rank und schlank - der Sendemast des BR

Die Aussicht ist beeindruckend, auch wenn vom Fröttmaninger Berg aus noch viel mehr zu sehen ist, was aber auch der Tatsache geschuldet ist, dass eben nicht Dreiviertel des möglichen Blicks zugewachsen ist.
Von dem Hypoberg geht es hinunter zum Fluss und über den Isarsteg Unterföhring.
Direkt auf der anderen Seite der Brücke steht ein paar Schritte abseits im Gebüsch ein Gedenkstein aus Muschelkalk, einer von vielen: „Zum Andenken an die am 18. Juni 1924 beim Bau des Isardückers durch Fährunglück ertrunkenen Bauarbeiter.“ 12 Männer starben damals. Oft wird der Stein verwechselt mit dem Gedenkstein zum Isar Düker Unglück von 1907, das aber steht sechs Kilometer weiter flussabwärts.

Gedenkstein für die Toten von 1924

Mein Ziel an diesem Tag sind die Kiesbank nördlich davon und der Wasserfall.
„Wasserfall“ ist etwas hochtrabend für ein paar Stromschnellen in der Isar, aber ein Strom ist die Isar nun auch nicht wirklich. Also bleibt es beim Wasserfall.
Direkt davor steht die Skulptur eines von 13 Isarwächtern am Ufer, ein Informationssystem des Wasserwirtschaftsamts München. 13 Skulpturen zwischen Unterföhring und Moosburg klärten interessierte Spaziergänger über wasserbauliche Maßnahmen an der mittleren Isar auf. Hier ist es „Damit alles fließt“.

Flußwächter "Damit alles fließt" direkt am Wasserfall

Dort verlasse ich den offiziellen Weg und folge einem Trampelpfad hinunter direkt an die Stromschnellen in der Isar. Ich kann mich weder satt sehen noch glaube ich, dass ich jemals genug Fotos von solchen Motiven machen werde. Es ist wild und hemmungslos wie die Isar selbst.

Stromschnellen - Wasserfall

Stamm im Wasserfall

Bald ist auch die Kiesbank erreicht. Sie liegt direkt unter der Brücke der A99, dem östlichen Teil des Münchner Autobahnrings. Ich werde allerdings dieses Mal nicht darüber räsonieren, wie nervig die Autobahn ist, ich benutze diesen Abschnitt schließlich selbst mehrmals in der Woche auf meiner Fahrt zur Arbeit oder nach Hause.
Zwei Menschen scheinen auf der Kiesbank herumzuschlendern. Erst als ich näher komme, bemerke ich, dass sie Müll aufsammeln. Vor allem Plastikbecher und -tüten und Glasflaschen packen sie sie in ihre großen Beutel. Es ist bewundernswert und zugleich traurig (weil es notwendig ist), dass es Leute gibt, die anderen Mitmenschen ihren Dreck hinterherräumen.

 

Autobahnbrücke über der Isar. Kiesbank Wasserfall

Denn die Sandbank ist natürlich bei schönem Wetter ein beliebter Ort, um „Party“ zu machen. Leider tragen diese Party-People extrem zur Vermüllung der Landschaft bei. Das ist per se ein Unding, an solchen Orten aber besonders schade, weil sie einfach wunderschön sind. Ich frage mich, ob, wenn der Müll mal nicht mehr weggeräumt wird, es nicht den Party People nicht selbst irgendwann dort mal zu dreckig wird und sie woanders hingehen.

Kiesbank mit Holzbank
Von der Kiesbank aus  hat man einen tollen Blick auf den Wasserfall, noch einmal entsteht ein Schwung Bilder.

Stromschnellen oder Wasserfall

Nicht weit entfernt spannt sich der Steg über die Isar. Das war mein Hinweg…

und es wird auch mein Rückweg sein. Schon bald. Aber ich war ganz sicher nicht das letzte Mal dort.

PS: Weitere Bilder vom Wasserfall werden demnächst in einem anderen Beitrag zu sehen sein.


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