Swimmer’s Ear – Scheiß drauf!

Und da ist sie wieder, die geliebte gehasste Otitis externa, die Außenohrentzündung. Ich hasse sie. Es ist die dritte innerhalb von zweieinhalb Jahren. Früher hatte ich nie Probleme damit. Und wenn ich hier von früher spreche, dann meine ich nicht früher im Sinne von längst vergangenen Zeiten, also denen, in denen wir nichts hatten. Ich meine damit durchaus auch die Vergangenheit, die nur ein paar Jahre zurück liegt.

Die erste Außenohrentzündung fing ich mir kurz vor unserem Urlaub auf Madeira ein – im November 2016, die zweite 2017 auf Euböa. Jetzt also Nummer drei.

Erst ein Jucken im Ohr, das einen dermaßen narrisch macht, dass man am liebsten permanent mit den Finger in dem Gehörgang herumstochern möchte. Dann die eigentliche Entzündung, die etwas schmerzhaft ist (gibt Schlimmeres) und einen leichten Schmerz bis in den Kiefer herunterstrahlen lässt, was mich veranlasst, auf der anderen Mundseite zu kauen. Der Gehörgang ist eingeengt, das nervt. Es bildet sich ein dumpfes Gefühl im Kopf, etwa wie, wenn man erkältet ist oder Wasser im Ohr hat. Man hört alles sehr gedämpft, vor allem im Gespräch, wobei hingegen die Umgebungsgeräusche unerträglich laut werden.

Also ab zum Ohrenarzt. Mal wieder.

Wartezimmer - ich hasse auch das

Schon beim Anruf mit der Bitte nach einem Termin liefere ich die vermutliche Diagnose mit. „Außenohrentzündung. Wie beim letzten Mal. Die Symptome sind die gleichen.“

Der Ohrenarzt empfängt mich von seiner Mitarbeiterin bestens informiert mit der Frage, ob denn die Schmerzen im entzündeten Ohr sehr groß seien. Ich verneine. „Das Ganze ist eher lästig!“

Er dirigiert mich zum Behandlungsstuhl, schaut kurz auf seinen Computer-Bildschirm und meint, dass das ja wohl auch nicht die erste Otitis externa sei.

„Nein!“, zucke ich mit den Schultern. „Swimmer’s ear halt. Ich hasse sowas.“ Er nickt und bestätigt: „Ja, kommt häufig vor. Das Chlorwasser…“

Während er mir im Ohr herumfuhrwerkt, bemerkt er: „Darum vermeide ich es!“ Das war zwar als Ratschlag gemeint, aber er weiß selbst, dass das keine Option ist. Welcher Orthopäde kann einen Fußballer oder Skifahrer davon abhalten, seinen Sport auszuüben – warum sollte also mein Ohrenarzt mich vom Wasser fernhalten?

„Das kann und wird vermutlich wieder passieren“, informiert er mich, während er das Ohr durchspült und von abgeschilfertem Gewebe, etwas Sekret und Ohrenschmalz befreit, ein fieser Pfropfen, der sich im Gehörgang angesammelt hat. Empfehlungen, wie man das vermeiden kann, hat er allerdings nicht. Außer eben: Nicht schwimmen gehen. Sehr witzig!
Also frage ich ihn, ob man sich mit Earplugs wenigstens einigermaßen schützen kann.
„Nicht wirklich, die verhindern zwar, dass viel Wasser ins Ohr eindringt, wenn man damit Probleme hat. Aber gegen die Aufweichung des Gewebes und das Eindringen bakterieller Erreger nützt das nichts. Außerdem schiebt man damit alles aus dem Außenohr nur weiter und tiefer ins Ohr hinein.“

Er rollt mit seinem Hocker auf die andere Seite des Behandlungsstuhls und – „plopp“ – holt einen weiteren Pfropfen aus dem rechten Ohr. „Sehen Sie!“
Nein. Sehe ich nicht. Will ich auch gar nicht. Ich bin dankbar, dass er mir den nicht noch unter die Nase hält.

Ein Rezept kommt aus dem Drucker, er reicht es mir. „Na ja, bis zum nächsten Mal“, verabschiedet er sich. Dann entlässt mich aus der Sprechstunde und rät mir, vor anstehenden Urlauben gegebenenfalls wieder vorbeizukommen, um die Ohren auszuspülen, damit sich die Gewebereste nicht wieder ansammeln und eine Entzündung verursachen. Und vielleicht solle ich jetzt ein paar Tage mit dem Schwimmen aussetzen. Unbedingt nötig wäre es nicht, aber halt besser.

Ohrentropfen - soll helfen

Was lerne ich aus der dritten Otitis externa? Man kann ins Wasser gehen, so oft man will, der Mensch ist letztlich doch ein Landlebewesen.

Beim Netto entdecke ich ein Gerät zur Reinigung der Ohren. Fast bin ich versucht, es zu kaufen, dann erinnere ich mich, dass diese Produkte auf den Sonderverkaufsflächen meist nicht annähernd halten, was die Verpackung verspricht. Am Ende ist das auch wieder nur weiteres Glump, was ungenutzt herumliegt und irgendwann in der Müllonne landet. Dann kann ich das auch gleich lassen und mir das Geld sparen.

Einige Tage später aber stehe ich schon wieder am Beckenrand. Und nicht nur das. Zack drin im Schwimmbecken.
Otitis externa? Scheiß drauf!


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4 Antworten

  1. Peter sagt:

    Auch, wenn ich eher am „anderen Ende“ tätig bin, lass Dir von mir raten: Keinesfalls(!!) selbst mit irgendwelchen Instrumenten, weder mit solchen völlig untauglichen Trash-Apparaturen, noch mit Wattestäbchen, selbst in den Ohren herumprockeln. Damit richtest Du garantiert mehr Schaden als Nutzen an! Im gehörgang sollte ausschließlich der HNO-Arzt unter Sicht(!) tätig werden. Mein Rat: Auch ohne akute Becshwerden regelmäßg den Gehörgang vom HNO-Arzt reinigen und Cerumenpfröpfe entfernen lassen, z.B. alle 3 bis 6 Monate. Als (leider) Nichtschwimmer kenne ich die Eraplugs nicht, kann mir aber kaum vorstellen, dass sie sehr nutzen. Ich fürchte auch, dass man damit das Material nur tiefer ins Ohr presst, andereseits aber keine wirklich wasserdichte Abdichtung (was ja ihr eigentlicher Sinn wäre) erfolgt, wenn der Kopf beim Schwimmen richtig untertaucht (und nicht – wie bei der Oma mit röschenbedeckter Gummibadekappe – immer über der Oberfläche bleibt und allenfalls mal einen Spritzer mitbekommt). Ob die abdichten, müsstest Du ja besser wissen als ich. Aber nochmal: Lass bitte die Finger von diesem Asien-Schund.

  2. Jule sagt:

    Mich haben Ohrenstöpsel gerettet. Bevor ich angefangen habe konsequent mit Stöpsel im Ohr zu schwimmen hatte ich alles Nase lang eine Gehörgangsentzündung. Mit Stöpsel seit 4 Jahren keine einzige mehr.
    Die von Zoggs dichten gut ab ohne sehr ins Ohr zu ragen, da drückt man nichts ins Ohr rein.

    Frohes Schwimmen 🙂
    Jule

  3. steelmastersswimmer sagt:

    Ich weiß genau was du meinst. Man kann es nicht verhindern. Und es geht auch nicht schneller oder langsamer, wenn man dabei nicht ins Wasser geht. Bei mir ist es immer die leidige Nasenenebenhöhlenentzündung. Nervig hoch 3 . Zieht sich in der Regel über gute 6 Wochen, wovon ich, aufgrund des Allgemeinzustandes, zumeist für 3 Wochen das Wasser meiden muss. In dieser Zeit bin ich aber kein Mensch. Aber selbst wenn die geringste Chance besteht, dass sich das Auftreten dieser Sporteinschränkung verringern lässt, indem man weniger Chlorwasser kontaktiert, würde ich mich nicht dran halten ;)
    Wie sagtest du? – Scheiß drauf ^^

  4. kraulquappe sagt:

    Oh(r) Gott, oh(r) Gott, das kann ich dir zutiefst nachfühlen, Lutz, dass a) das absolut nervt und b) du trotzdem schwimmst. Ich hatte das bislang 1x (übrigens nach der Verwendung von Schwimmer-Earplugs) und hab es auch nicht durchgehalten, dem Becken eine Woche fernzubleiben. Sogar mit Kalkschulter war ich viel zu früh wieder im Wasser, denn – und ich vermute mal, so geht’s dir auch: wenn ich länger als eine Woche nicht ins Wasser kann, werde ich ungenießbar und stürze beinahe in eine Lebenskrise…
    In diesem Sinne: gute und v.a. schnelle Besserung für dich!

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