Blogparade #Novemberglück: November, Nebel, Nächte

Ich gebe zu: November, Nebel und Nebelnächte sind nicht jedermanns Geschmack. Für Autofahrer können sie nicht nur nervig werden sondern auch ganz schön gefährlich. Und bei eher ängstlichen Menschen befinden sich Nebelnächte wohl auch nicht sehr weit oben auf der Beliebtheitsskala. Ich aber mag sie. Creepy, spooky…

Zum dritten Mal veröffentliche ich in meiner eigenen Blogparade #Novemberglück einen Beitrag – gewissermaßen auch als kleinen Kontrapunkt zu den vielen, wunderbaren Herbstbeiträgen mit strahlend blauem Himmel, die in dieser Parade bisher zusammengekommen sind.
Nicht, dass ich das nicht auch Sonnenschein, blauen Himmel und Herbstlaub mag aber mir gefällt eben auch die dunkle Seite:
Wabernde Nebelschwaden, die sich in der Abenddämmerung von den feuchten Feldern links und rechts der Straße erheben, Nebelfetzen im Scheinwerferlicht auf der Fahrt nach Hause, die zerreißen, wenn man hindurchfährt, Nebelschleier in der Ferne oder dieser, kurze Fußweg vom Schwimmbad durch den aufsteigenden Nebel zum Auto auf dem Parkplatz gegenüber vom Eingang:

In der Ferne leuchten die Lampen, direkt vor dem Schwimmbad ist alles hell erleuchtet, Laub liegt auf den Pflastersteinen, kein Mensch ist weit und breit zu sehen, ferne Geräusche dringen nur noch gedämpft an mein Ohr. Nur die Blätter auf dem Weg rascheln bei jedem Schritt, aber sie rascheln auch, wenn ich mich nicht bewege, wenn ich – noch immer vom Dampfbadbesuch erhitzt, stehen bleibe und die feuchte, kalte Nachtluft einatme.
November, Nebel, Nächte - hinein ins wohlige GruselnWarum?
Hat sich da nicht was bewegt?
Ist da nicht wer?
Eine aufgeschreckte Amsel? Eine Maus?
Oder steckt mehr dahinter?

Hinter dem Baum, hinter der Hecke, im Schatten, im Dunkel im Nebel… Lauert da nicht etwas?

So fangen unzählige Thriller und Horrorfilme an. Nebel, besonders nachts, ist dort ein gern genutztes Attribut, um Spannung aufzubauen, dem Zuschauer eine Gänsehaut zu verursachen, denn Nebel – das kennt wohl jeder. Und vermutlich auch den Gedanken, dass irgendwer oder irgendetwas im Verborgenen wartet. Lauert.
Gleich, gleich…
Den Filmzuschauer durchzieht ein wohliger Schauer, dann ein plötzlicher Schreck. Springt kreischend eine Katze hervor oder saust ein scharfes Messer durch die Luft. Egal. Es kommt auf diese Schrecksekunde an, in der man die Finger in die Sitzlehnen krallt und sich durchspannt. Hundertmal gesehen – und es funktioniert (fast) immer wieder neu. Craven, Carpenter, King, Raimi, Scott, Cronenberg… alle machen das.

Nebelnächte speisen aber auch im realen Leben die Phantasie. Das Kopfkino liefert die im Kino gelernten, passenden Bilder, die bedrohliche Musik, die immer leiser wird und verstummt. Der Adrenalinspiegel steigt, Stresshormone werden ausgeschüttet, der Kreislauf zieht an, das Herz schlägt schneller.
Gleich, gleich…

Ich verstehe das Unbehagen vieler Mitmenschen, sich hinaus in den nächtlichen Nebel begeben zu müssen. Es passiert zu viel, als das man das wegdiskutieren könnte. Trotzdem – ich mag diese besondere Stimmung der Novembernebelnächte. Auch ein #Novemberglück, wenn auch ein ganz spezielles. Der wohlige Schauer über dem Rücken…
November, Nebel, Nächte - lauert irgendwer irgendwo?
Verlassen und menschenleer liegt der Parkplatz vor mir. Nur noch über kleine Straße, dem fahlen, kalten Licht der Laterne entgegen, das gebrochen ist, der Nebel nimmt allem die Konturen und auch die Farben.

November, Nebel, Nächte - fahles Licht der LaternenEin Auto, das plötzlich auftaucht, zerreißt für einen kurzen Moment die Stille. Die Lichtkegel seiner Scheinwerfer schneiden sich durch den Nebel. Dann ist es verschwunden. Ich gehe weiter. Raschelt da nicht schon wieder etwas?
Hinter mir höre ich Stimmen.
Gelächter. Eine Gruppe Jugendlicher verlässt lärmend das Hallenbad. Unbeschwert, laut, fröhlich. Auch ein unerlässliches Attribut dutzender Horrorfilme. So fängt es immer an. Das Ende solcher Filme „erlebt“ kaum die Hälfte dieser Gruppe. So will es das ungeschriebene Gesetz, dem alle Drehbuchschreiber folgen. Man kann Wetten darauf abschließen, wen es zuerst trifft.

Die Jugendlichen folgen mir nicht, sie wählen den  Weg zu dem anderen Parkplatz vor der Eishalle.

Ich bin wieder allein.
Vor mir steht mein Auto. Nur noch ein paar Schritte.
Ein Klick auf die fernsteuernde Türentriegelung. Ein Zweiter.
Fröhlich blinkt mich mein Auto an – unbeschwert. Ein paar Schritte noch.

Der Blick nach oben. Eine Laterne, die in der Krone eines Baumes verschwindet, sendet ihr Licht durch die letzten herbstlichen Blätter herab. Unwirklich.
November, Nebel, Nächte - unwirklich, das Licht der Laterne

INovember, Nebel, Nächte - ab nach Hausech öffne die Beifahrertür, werfe meine Sporttasche auf den Sitz. Nachdem ich die Tür wieder geschlossen habe, umrunde ich das Auto.
Wenn etwa passiert, dann jetzt. Das ist die letzte Gelegenheit für Freddy Krueger, Michael Myers, für alle Vampire, Werwölfe, Aliens, Geister Verstorbener, Dämonen und wer/was sich immer im Nebel verborgen halten könnte.
Sie verstreicht.
Ungenutzt.

Ich steige in mein Auto, schließe die Tür, die sich automatisch verriegelt. Durchatmen.
In den einschlägigen Filmen würde jetzt die Zündung versagen. Zehnmal starten, dann aussteigen, die Motorhaube öffnen, sich weit hinein beugen, die Taschenlampe zwischen den Zähnen, plötzlich einen kalten Hauch hinter sich spüren…

So etwas passiert aber nicht mit meinem Wagen. Natürlich nicht.
Der Motor startet, die Katze schnurrt, die Musik schaltet ich ein.

Tubular Bells von Mike Oldfield. Wie passend. Jetzt müsste nur noch Father Damian aus dem Nebel treten und an die Scheibe klopfen.

Ich liebe Novembernebelnächte. Aber man muss es ja nicht betreiben.
Jetzt ab nach Hause, aber schnell…

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade #Novemberglück, die ich zur Zeit veranstalte.
Alle veröffentlichten Beiträge finden Sie hier.


Vielen Dank fürs Lesen.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, dann freue ich mich, wenn Sie ihn Ihren Freunden weiterempfehlen – z.B. über Facebook, Twitter, in Internetforen, Facebookgruppen o.ä.
Gern dürfen Sie den Artikel auch verlinken.

1 Antwort

  1. Ulrike sagt:

    Herrlich! Ich liebe den Nebel auch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wenn Sie einen Kommentar hinterlassen, speichert das System automatisch folgende Daten: Ihren Namen oder Ihr Pseudonym (Pflichtangabe / wird veröffentlicht)

1. Ihre E-Mail-Adresse (Pflichtangabe / wird nicht veröffentlicht)
2. Ihre IP (Die IP wird nach 60 Tagen automatisch gelöscht)
3. Datum und Uhrzeit des abgegebenen Kommentars
4. Eine Website (freiwillige Angabe)
5. Ihren Kommentartext und dort enthaltene personenbezogene Daten

Achtung: Mit Absenden des Kommentars erklären Sie sich damit einverstanden, dass alle eingegebenen Daten und die IP-Adresse nur zum Zweck der Spamvermeidung durch das Programm Akismet in den USA überprüft und gespeichert werden. Weitere Informationen zu Akismet und Widerrufsmöglichkeiten.