Das Pickerl-Prinzip

Pickerl kennen Sie.
Das sind die Vignetten, die die Österreicher und Schweizer mit großer Freude den Autofahrern verkaufen, damit diese die bunten Dingerchen von innen an ihre Windschutzscheiben kleben. Picken ist dabei der österreichische Terminus technicus, um irgendetwas an irgendetwas anderem anzubringen.
Das gilt zur Not auch bei Hammer und Nagel. Ein Brett auf eine Tür zu nageln darf der Wiener ebenso anpicken nennen, wie eben einen Aufkleber auf eine Scheibe. Das aber macht man nicht mit Hammer und Nagel, sondern mit der selbstklebenden Beschichtung. Selbige kann man auch Adhäsionsfolien nennen – aber picken ist eben viel schöner. Damit eines der größten Ärgernisse deutschter Autofahrers bei der Fahrt in oder durch die Berge nach Süden zumindest sprachlich so wunderbar kaschiert.

Nun zeigt sich der rebellische deutsche Autofahrer so verärgert, dass er als Zeichen ausgleichender Gerechtigkeit von den durchfahrenden Autofahrern ebenfalls Maut abkassiert wissen will, was ja der Bundesverkehrsminister bisher nicht auf die Reihe gebracht hat – was aber ein anderes Thema.
Der Autofahrer also, der sich ebenso standhaft jeder Geschwindigkeitsbegrenzung widersetzt wie der Amerikaner drohenden Waffenverboten, macht gerade an der Grenze bei Bregenz besonders deutlich seinem Ärger Luft und bedient sich damit des Mittels einer mutwilligen Sachbeschädigung – und das gleich hundertfach. Nicht nur einer: Alle machen das. Und niemand stört sich daran. Skandal!
Nicht selten muss er für den lächerlich kurzen Transfer durch den Pfändertunnel nicht nur ein Pickerl bezahlen, sondern für die Weiterfahrt in der Schweiz gleich noch ein weiteres erwerben. Und seinen Unmt lässt er gleich an Ort und Stelle aus. Indem er nämlich nicht nur das Pickerl auf seine Scheibe klebt, sondern mit dem ebenfalls klebigen Gegenstück ein Statement abgibt, das mehr als deutlich macht, was er von dem Pickerl-Prinzip hält.

 

pickerl

Pickerl – wir finden Dich Scheiße. Echt jetzt!

PS: Während der deutsche Autofahrer kein Problem damit hat, alles mit den Rückseiten der Pickerl zuzukleben, war früher das Geschrei riesengroß, wenn es ein anderer gewagt hat, an das geheiligte Automobil einen Kleber anzubringen.
Erinnern Sie sich? So manches Gericht wurde bemüht, weil die Betreiber diverser Freizeitparks einfach auf die Heckfront aller Autos auf dem Besucherparkplatz  ihre „Phantasialand“-Pickerl (o.ä) angebracht hatten. So etwas gibt’s heute auch nicht mehr – Von den Fähren nach Korsika und Sardinien einal abgesehen.

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