Nein ich kaufe das nicht (4): Weihnachtsfirlefanz

gerumpel2Heute ist Allerheiligen, zumindest die Restkatholiken in unserem Land gedenken heute ihrer Toten, die Restprotestanten folgen ihnen dann in einigen Wochen am Totensonntag.
Allerheiligen heißt aber auch: Der Advent naht. Und Weihnachten. Und das in Riesenschritten…
Vorboten weihnachtlichen Wahns drängten bereits vor Wochen in die Regale der Supermärkte: Dominosteine, Spekulatius, Lebkuchen, Marzipankartoffeln.
Spätestens im Oktober rüsteten die Baumärkte, Möbelhäuser, Gartencenter und Unnützitätenfachgeschäfte (also Geschenkwaren etc.) gewaltig auf: Advents- und Weihnachtsdeko in Hülle und Fülle, wohin das Auge blickt.
Da bekommt man besonders vorfestliche Stimmung, wenn man Ende Oktober bei Föhnwetter und Außerntemperaturen von über 20 Grad in den Baumarkt fährt, Fliegengitter holt, weil die Mücken noch einmal das Schlafzimmer erobern und dann quer durch die Weihnachtsabteilung stapft.
Fliegengitter gibt’s nur noch wenig. „Wissen Sie, das ist Saisonware“, klärt mich die freundliche Verkäuferin auf, die ich fragen muss, denn der Verkaufsständer, den ich angesteuert habe, ist wie leergefegt.
Statt dessen Nikoläuse, Rentiere, Lichterketten und -schlangen, Plastikbäume, Kunstschnee und mehr oder weniger geschmackvoller anderer Dekofirlefanz. Das hat jetzt alles Saison. Aha.
Nein, ich kaufe das nicht. Es ist ja nicht so, als hätten wir nicht schon mehrere Curver-Boxen mit ähnlichem Dekoschnickschnack auf dem Dachspeicher. Zwei dickbäuchige Nikoläuse stehen allerdings schon im Wohnzimmer. Bzw. noch, denn sie haben es einfach verpasst, sich beim Abdekorieren zu melden und haben standhaft den ganzen Sommer über um die Wette gegrinst. Jetzt lohnt es auch nicht mehr, sie schamvoll verschwinden zu lassen. Bald kommen Engelchen, Kugeln und allerlei anderes angesammeltes Dekozeugs wieder dazu. Nur eben nichts Neues: Wir müssen nicht jedes Jahr dem neuesten Trend hinterher rennen. Es reicht, wenn das genug andere tun. Ein Dorf weiter rüstet ein Hausbesitzer auf – jedes Jahr mehr. ZU Halloween steht ein Galgen im Garten und pünktlich zum ersten Advent schaltet er auf weihnachtlich, dass sich EON die Hände reibt und die bayerische Staatsregierung am liebsten wieder das Kernkraftwerk Isar 1 anwerfen würde. Ein Lichtermeer in Oberbayern. Noch doller treiben es die Bewohner einer Sackgasse im nahegelegenen Ottenhofen. Dort haben sich die Nachbarn dermaßen hochgeschaukelt, dass selbst Google keine Mühe mehr hat, haufenweise Fotos vom Ottenhofener Christmas Hill zu finden. Es gibt auch ein wunderbar wackeliges Youtube-Video und auf der offiziellen Seite der kleinen Gemeinde wird das Ganze als Sehenswürdigkeit und Großereignis abgehandelt. Darüber zu spotten wäre allerdings unfair, denn immerhin kommen jährliche mehrere tausend Euro Spendengelder, die dort gesammelt und mit Glühweinverkauf eingenommen werden, für gemeinnützige Zwecke in unserem Landkreis zusammen.
Zurück zum alltäglichen Dekofimmel der Durchschnittsbürger. Ein jeder darf natürlich nach seiner Fasson glücklich werden, aber mir bleibe man vom Leib mit diesem Kleister. (Und ja, liebe Intellektuelle, das ist ein Brecht-Zitat). Ich frage mich sowieso, was dieser ganze Krempel noch mit Weihnachten zu tun hat. gerumpel1Ich kann mich jedenfalls an keine weihnachtliche Legende erinnern, in denen Pinguine eine Rolle spielen.
Während also die Dekoabteilungen aus vollen Rohren gegen den guten Geschmack zielen, muss sich der Lebensmittelhandel was einfallen lassen. Er kontert mit Nikoläusen, Weihnachsmännern und Adventskalendern. Und hier heißt es: Tiefer geht’s immer: Verangene Woche habe ich im Kaufland zwei Pin-Up-Kalender gesehen, die so viel mit Advent und Weihnachten zu tun haben, wie illuminierte Pinguine – nämlich gar nichts. Nur sind sie noch idiotischer.
Klar: Gleiches Recht für alle. Für die Kleinen gibt es Playmobil- oder Lego im Adventskalender. Für die Borussen den schwarz-gelben, für die Esoteriker die Edelsteinvariante mit heilenden Steinchen  und jetzt eben für die Mutti die fast nackten Kerls. Vati ist etwas benachteiligt. Denn der ja in der Garage oder Werkstatt sowieso schon das ganze Jahr den Pirelli-Kalender mit halbnackten Halbschönheiten hängen. Da können die drei Bikini-Grazien auf dem Adventskalender auch nichts Aufregend-Neues mehr liefern. Und hinter den Türchen ist auch nichts anderes als Schokolade… Hoffe ich jedenfalls. Erfahren werde ich es wohl nicht, denn natürlich kaufe ich auch das nicht.

2,49 €uro investiere ich lieber in eine richtige Tafel Schokolade. Oder zwei. Das ist wenigstens was Reelles.

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