Writer’s Life – Ghostwriter’s Pain

Gelegentlich erfreut der Schriftsteller Leonhard Seidl, dessen Buch Fronten ich von meinem Bruder zu Weihnachten geschenkt bekommen habe und es gerade mit wachsender Spannung  lese, seine Facebook-Gefolgschaft mit launigen Bildern. Er versieht sie mit dem Hashtag Writer’s Life und gibt so visuelle Eindrücke in das Leben eines Literaten. Bilder von Zugfahrten, Lesungen, Interviews.
Leonhard, der aus dem Nachbardorf stammt, ist Neufranke mit Migrationshintergrund, so wie ich auch nur ein Zugroasta in seiner alten Heimat bin. Er zog weg, ich hin – oder so ähnlich. Alles eine Frage der Perspektive.
Neben unserer Migration gibt es sicher einige weitere Gemeinsamkeiten zwischen uns, letztlich aber trennt uns auch Manches. Nach seinen FB-Einträgen zu urteilen nimmt Leonhard die Schriftstellerei sehr ernst, was richtig ist. Ich nicht-  was auch richtig ist.
Für mich ist Schreiben und Bloggen ein vergnüglicher Nebenerwerb. Ein Spaß, ein Zeitvertreib. Ich mache das, damit ich verräumt bin und nicht tagsüber auf der Straße gesehen werde. Das würde die Nachbarn nur zu Spekulationen befeuern, ob der Kerl denn nun gar nicht mehr arbeitet, sein Erbe verprasst oder gar dem Staat und seiner Frau auf der Tasche liegt. Einer ordentlichen Arbeit geht der ja wohl nicht mehr nach. Schon allein, wann der morgens aufsteht. Unerhört. Wenn der aus dem Haus geht, hab ich schon eineinhalb Stunden Arbeit hinter mir…

Noch etwas trennt mich vom Kollegen Seidl. Als gebürtiger Isener und profunder Kenner der Region zwischen Mühldorf, Dorfen und Erding haben seine Bücher nicht nur einen lokalen Bezug, sondern glänzen auch durch eine bestechende Authentizität. Der Leonard kennt sich halt aus in Kopfsburg und am Dorfener ‚Schwammerl‘. Er ist ehrlich. Das macht in sympathisch und glaubwürdig.
Ich bin das nicht, womit ich ehrlich meine. Ob ich glaubwürdig und sympathisch bin, maße ich mich nicht an zu beurteilen. Das müssen Sie, werte Leserinnen und Leser schon selbst tun.
Versichern kann ich Ihnen aber, dass ich nicht ehrlich bin, ehrlich jetzt. Kein Witz!
Glauben Sie bloß nicht, was Sie in diesem Blog lesen. Vieles entstammt der puren Phantasie, ist so nie passiert, nicht mal annähernd. Während in einer Satire ja immer noch ein Körnchen Wahrheit enthalten sein sollte, ist hier so mancher Beitrag von vorne bis hinten erstunken und erlogen. Das geht sogar soweit, dass der Text gar nicht von mir stammt. Während ich mich auf der Liege am Schwimmbecken herumfläze, schreiben hier längst andere meine Texte. Oder glauben Sie etwa im Ernst, ich würde mir den ganzen Mist alleine aus den Fingern saugen, denn ich täglich bei Facebook, Twitter und in meinen Blogs unters Volk blase?

Weit gefehlt.
Ein Heer an Ghostwritern, Zeilenhuren, Sklaven und Leiharbeitern zu Hungerlöhnen müht sich redlich. Ich schrecke vor nichts zurück. Wenn es hochkommt spendiere ich ne Kerze und einen Kaffee für die gute Stimmung. Ich bin ja kein Unmensch. Es reicht, wenn ich die Likes, Huldigungen und Buchverträge entgegennehme.

So geht #Writer’s Life.

Writer's Life

Jeder, der nur halbwegs den Anschein macht, dass er sitzen über die Tischkante schauen und eine Tastatur bedienen kann, wird eingespannt. Und wer nicht spurt, der fliegt raus.
Hieß es nicht schon bei den Lateinern so treffend: SCRIBENS MANET!

Merkt Euch, Gesindel: (Nur) WER SCHREIBT DER BLEIBT!

Und das wird nächstes Jahr nicht besser. So viel ist schon mal gewiss.
Also Schergen, haut in die Tasten.

Und wir liebe Leserinnen und Leser hören voneinander wieder 2018.

Ehrlich jetzt – großes Schreiberlings-Ehrenwort!
Und jetzt wird weiter gelesen.


 

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