Wasser – einfach nur Wasser

Ein Mensch, der nur Wasser trinkt,
hat ein Geheimnis,
das er vor seinesgleichen verbergen muss.
Charles Baudelaire

Lange hielt sich das Gerücht, dass Spinat besonders gesund sei, weil er besonders viel Eisen enthalte. Längst hat sich herausgestellt, dass diese Behauptung in Wahrheit nur einem verrutschten Komma bei einer Analyse gefolgt ist. Das hat Generationen von Eltern (meinen eingeschlossen) nicht abgehalten, ihre Kinder mit Spinat vollzustopfen. Nicht weiter schlimm: Ich mag ihn heute noch. Aber darum geht es hier nicht.
Hartnäckig hält sich auch die Behauptung, erwachsene Menschen müssten täglich zwei bis drei Liter Wasser zu sich nehmen, je nach Körpergewicht – und das täglich.

Viele Online-Gesundheitsratgeber beschäftigen sich mit dieser Frage, geben Tipps und Hilfestellung, wie ein normaler Büromensch diese Massen an Flüssigkeit in sich hinein bringt. Wassertrinken kann man lernen propagiert der esoterisch durchtränkte Lichtkreis. Und das Feine: Wasser hat ein Gedächtnis und das kannst du für dich nutzen. Wasser kann Schwingungen und Informationen aufnehmen und diese speichern. Dies können Schwingungen von Materialien wie z.B. Edelsteinen sein, aber auch Schwingungen geistiger Natur. Wird solch ein informiertes und energetisiertes Wasser getrunken, können diese Schwingungen direkt in unseren Körper und somit auch in jede Zelle, aufgenommen werden. So erklärt es der Betreiber der Seiten. Und damit steht der Lichtkreis nicht etwa allein da, doch davon später…
Auch Plattformen, die sich in erster Linie dem erfolgreichen Abnehmen verschrieben haben, wie Gesunde Pfunde geben umfangreiche Ratschläge zum gleichen Thema. Wasser rein, Fett raus, Pfunde runter. Eine wunderbare Formel, die es mir besonders in den vergangenen Wochen angetan hat.
Nun sei einmal dahin gestellt, ob es wirklich sinnvoll ist, drei Liter Wasser pro Tag in sich hineinzukippen. Die Frage hat sich ohnehin relativiert, seit 2007 – immerhin vor mittlerweile über fünf Jahren – das British Medical Journal nachgewiesen hat, dass es für diese weit verbreitete Meinung keinerlei Beweise gibt. Die nötige Flüssigkeitsaufnahme würde durch den normalen Verzehr von Saft, Milch oder auch Kaffee ebenso erreicht werden. Zudem sei es auch riskant, zuviel Wasser zu trinken, was zu Hyperhydration (Wasservergiftung), Hyponatriämie (Natriummangel) und gar zum Tod führen könne… Das griffen die Medien interessiert auf.
Zärtliche vier Jahre später thematisierte es dann die allzeit topaktuelle BILD erneut, auf neueste Studien verweisend, natürlich ohne Quellenangabe, dafür aber kompetent beraten vom Fachbuchautor Dr. Hans Otzen, der immerhin einen allumfassenden Wasser-Ratgeber veröffentlich hat.
Warum erwähne ich das jetzt?

In einem heroischen Selbstversuch habe ich mich mehrere Wochen mit mehreren Litern Wasser pro Tag abgekämpft. Die Waage zeigte ein Übermaß an Fülle an, da war guter Rat schnell gefunden. Wie bereits erwähnt: Wasser rein – Fett raus – Kilos runter. Und?

Und? Hat es genutzt?

Subjektiv gesehen Ja – das gebe ich unumwunden zu. Allerdings kann auch der Wunsch Vater des Gefühls sein. Die enorme Wassersauferei fiel zusammen mit aggressiver Gewichtsabnahme durch Enährungsumstellung und Bewegungssucht. Also kann ich nicht sicher sagen, ob sich mein körperliches Befinden tatsächlich gesteigert hat oder ich das nur annehme. Das macht aber nichts. Das Wasser hat seine Wirkung nicht verfehlt – allerdings wird es wohl mehr das Nass  im Trainings-Schwimmbad gewesen sein, dass ich mehrmals wöchentlich frequentiere. Das Getrunkene trug aber auch zur vermehrten Bewegung bei. Ich sage nur „Klo-Gerenne“.  Und bekanntlich macht ja jeder Gang schlank.

Nach wenigen Tagen kam mir aber das vulkanstein-mineralisierte Wasser aus der Auvergne aus den Ohren wieder raus. Das brachte mich auf die Idee, nach weiteren Wegen der Wasserveredelung zu suchen. Natürlich scheidet Grander von vorneherein aus, wissen wir doch seit einem bemerkenswerten Urteil des Wiener Oberlandesgerichts vom 17. August 2006, dass Grander-Wasser als aus dem Esoterik-Millieau stammender, pseudowissenschaftlicher Unfug bezeichnet werden darf. Nichts anderes ist es denn auch, wie es Biologe Erich Eder sehr deutlich auf seiner Internetseite formuliert hat. Womit wir übrigens schon wieder ganz nah bei den Engels- und Lichtanbetern vom Anfang sind.
Mir allerdings will irgendwie nicht einleuchten, dass es Informationswasser gibt, dass anderes Wasser auf Linie bringt, damit es bekömmlicher und gesünder sein soll als vorher. Für micht speichert nicht das Wasser Informationen, das machen Festplatten, Chips und USB-Sticks wesentlich sinnvoller.
Da ich also nicht an diesen – ja ich sage es auch gern – esoterischen Unfug glaube, funktioniert es bei mir sowieso nicht – den Versuch also kann ich mir sparen.
Neben Granders Wasserveredelung lässt sich eine Veredelung auch durch Edelsteine beleben, energetisieren und aufladen. Dazu werden die natureigenen Schwingungen der Steine auf das Wasser übertragen – wenn man diese Variante glauben will.
Will ich aber nicht. Ich brauche keinen klirrenden Klunker in der Karaffe.  Mit diesem Firlefanz ist bei mir kein Geschäft zu machen. Mein Wasser muss übrigens auch nicht bei Vollmond geerntet und abgefüllt worden sein, um seine Wirkung zu entfalten. Ich wüsste auch gar nicht, ob man solche sündteuren Flaschen einfach profan aufschrauben darf oder ob man sie nicht zuvor gen Mond ausrichten oder bestimmte keltische Gesänge anstimmen muss.
Mein Selbstversuch drohte schließlich zu scheitern. Geschmacksverstärker mussten her, ein Tröpfchen Aroma, ein paar Blätter Tee, eben alles, was Wasser nicht nur nach Wasser schmecken lässt. Ich will kein belebtes Wasser, ich will Geschmack.
Aber Rettung ist da: Hopfen und Malz. Tatsächlich lässt sich Wasser, das auf diese Art herrlich würzig aromatisiert und wunderbar belebt wurde, deutlich schneller und besser herunterkippen. Egal, ob man es dann Bier nennt oder nicht…

Prost!

1 Antwort

  1. Ein sehr guter Freund von mir war etwas beunruhigt über sein Trinkverhalten und fragte seine Großmutter: „Gell Oma, du trinkst auch nie was anderes als Morgens einen Kaffee und Abends Bier?“ Die 95-Jährige schüttelte den Kopf und meinte: „Was anderes habe ich noch nie mögen!“

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