Was für die Lauscher


Wenn einem nach vier Kilometern plötzlich auf der Bahn die Lust absäuft, wird es Zeit, Land zu gewinnen. Und das meine ich wörtlich. Also: Ab auf die Liege, Füße hochstellen und die Knie bei ihrer Bewegungslosigkeit beobachten. Das nennt man Moveless Knee Watching – eine Sportart, die ich nicht müde werde zu praktizieren, zu variieren und zu verfeinern.
Neueste Variante ist, das Ganze mit passender Musikuntermalung zu tun. Das ist nicht ganz risikolos, steht man doch in der permanenten Bedrohung, dass einem sein Wishphone geklaut wird, sofern man es während des Schwimmens unbeaufsichtigt irgendwo herumliegen lässt. Nun weckt mein altertümliches Gerät mit der abgegriffenen Hülle eher Mitleid als Begeisterung und Neid, bei denen, die es zu Gesicht bekommt – will sagen: Wer das klaut, kann es höchstens an ein Museum für Kommunikationstechnologie verhökern. Aber das Teil tut seinen Dienst, langsam und beständig, ein Neugerät stände zwar mal an, aber irgendwie fehlt mir die Muße, mich damit eingehender zu beschäftigen. Denn ein Wishphone, das meine gesamte digitale Existenz in sich tragen soll, muss mit Bedacht ausgewählt werden.
Zur digitalen Existenz (und damit zurück zum Thema) gehört mein Spotify-Account, in dem ich für allerlei herausfordernde Momente meines Lebens die geeigneten Playlists verberge. Da wäre zum Beispiel The ultimate Baumarktplaylist, um mich von dem permanenten Gedröhne des In-House-Radios und der gefühlten drölfzigtausend Monitore mit verkaufsunterstützenden Clips in Dauerschleife zu schützen. Dann schon lieber irgendwas zwischen Country und Hard Rock.
Seit kurzem gibt es eine neue Playlist. Die trägt den Titel After-Swim und vereinigt Songs, die in der Erholungsphase nach absolvierten Kilometern das richtige musikalische Begleitprogramm liefern sollen. Voll auf die Lauscher eben.
Zusammengestellt hat diese Liste allerdings nicht meine Wenigkeit mit der begrenzten musikalischen Kompetenz. Ich habe mir tatkräftige Unterstützung geholt. Sprich: Ich habe in den hier vielfach erwähnten Gruppen Bist Du heute schon geschwommen und Schwimmzone auf Facebook gefragt, ob vielleicht jemand ein paar Empfehlungen aussprechen möchte.
Und ausnahmslos jeden Song habe ich in die Liste aufgenommen. Weil Schwimmer Schwimmern eben nur Gutes empfehlen. Einschränkend hatte ich erwähnt, dass es bitte Songs sein sollen, die Menschen Ü50 nicht an den Rand des Nervenzusammenbruchs treiben.
Und schwupps war sie geboren, die After-Swim-Playlist: Alte Klassiker vereinen sich mit Songs, von denen ich noch nie etwas gehört hatte. Zwischen Joe Cocker, Pink Floyd, R.E.M. und AC/DC finden sich Tom Grennan, Scooter, Tom Waits, Led Zepplin, Chaka Khan und Coldplay. Eine wüste Mischung. Und eine Spannende. Mit vielen Unbekannten: Wer immer Evanescene ist, wer immer Def Leppard – ich werde es schon herausfinden. Bisher war s nur ein einziger Song, den ich nicht hinzufügen konnte, weil es diesen in der Spotify-Library nicht gab. Nun gut – hab ich halt stattdessen die Version von Johnny Cash genommen.
Die 20 ersten Songs sind drin. Eine Stunde und 44 Minuten kann ich also jetzt am Beckenrand liegen und dem Nichtstun frönen. Und dabei meine Knie bei vollkommener Bewegungslosigkeit beobachten.
Was besonders hart wird – weil ich mir gut vorstellen kann, sie rhythmisch mitschaukeln zu lassen, wenn ich die After-Swim-Liste wieder auf den Ohren habe.
Wen die Playlist interessiert und wer selbst einen Spotify-Account hat, kann den Link hier über die App oder einen Webbrowser öffnen und sich selbst mal die After-Swim Liste auf die Lauscher geben.
Und wenn jemand, diese Playlist gerne ergänzen möchte: Einfach einen Kommentar unten abgeben. So lange ich nicht das Gefühl habe, verschaukelt zu werden, weil mir jemand Helene Fischer, Xavier Naidoo, Unheilig, Nickleback oder ähnliche No-Go-Interpreten empfiehlt, nehme ich alles auf. Sogar Max Richard Leßmann ist drin. (Wer ist das denn? – kenn ich nicht. Wurde mir von jemandem in die Liste reingedrückt…). Und wenn es gar zu grottig wird, habe ich zur Not eine Skip Funktion, ich bin ja Premium-Kunde. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Und ab dafür…


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