Dramen im Hotel… alles eine Frage der richtigen Temperatur

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Spülmaschinenwarme Kaffeebecher sind ja noch ok…
Peter ist betrübt. Sein Arbeitgber hat ihn mal wieder auf eine Fortbildung geschickt. Ein verlängertes Wochenende mus er im nächsten Monat irgendwo in der Provinz in einem Hotel verbringen. Bevor er mir jedoch sein Leid bei seinem Feierabendbier und meiner Apfelschorle (Sie haben richtig gelesen: Apfelschorle. Es ist schließlich Fastenzeit) klagt, ergreife ich den Stier bei den Hörnern. Dieses Mal nicht.
Kaum hebt er an und seufzt, unterbreche ich ihn: „Frag mich mal“ noch bevor er mir wieder erzählt, dass auf dem Hotelflur Schnipselchen herumliegen oder der Duschvorhang angeschimmelt ist und auf seinem iPhone die Beweifotos hervorzaubert.
Ich selbst mag ja diese Erwiderung Frag mich mal… nicht. Das ist auch so eine Unart, sich mit dem Elend zu übertrumpfen. Wie hat man nicht gelitten, geschuftet, gekämpft. Frag mich mal.. leitet ein, dass der Gesprächspartner das soeben Erzählte jetzt toppen wird. Er hat mehr gelitten, mehr geschuftet, mehr gekämpft. Es fehlt das vorangestellte Das ist ja noch gar nichts. Was es nicht besser macht.
Dieses Mal aber bleibt mir nur der Notstecker. Und so möchte ich Peter von meinem Hotelaufenthalt in Berlin erzählen und mein Leid klagen:
Nicht nur, dass eine Steuerberaterkonferenz im gleichen Hotel ungebracht war… Es sind die kleinen, ganz alltäglichen Dinge, die einem die Sehnsucht nach zu Hause empfinden lassen. Da kann ein Haus noch so gastlich und bemüht sein. Reichen tut es nie…

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Aber Joghurtschüsseln dürfen nicht vorgewärmt sein?

Nehmen wir  zum Beispiel das Hotelfrühstück. Ok, ich gebe zu, es war reichlich, sehr schmackhaft und gut: Allerlei Brot und Aufschnitt, Joghurt, Müsli, Früchte, Marmeladen und Gebäck. Rührei, Bohnen, Speck, Spiegeleier… Für jeden also etwas.
Und alles in frisch gespültem Geschirr.
Aber genau hier liegt das Problem. Zu frisch gespült. Wenn ich nämlich eines hasse, dann ist das, kühle Säfte in spülmaschinenheiße Gläser laufen zu lassen. Der Saft wird warm – pfui Spinne. Wer soll denn sowas trinken?
Mindestens genauso schlimm ist es, das frisch geschnittene Obst zusammen mit dem Joghurt in eine Schale zu füllen, die noch spülmaschinenwarm ist.
Warmer Joghurt? Das geht ja gar nicht. Der muss kühl sein, wenn nicht kalt. Ist er aber nicht. Eine Woche lang würge ich mir jeden Morgen mein Frühstück aus gewärmtem Geschirr herunter. So traurig.

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Wie soll man kalte Butter auf warmen Tellern transportieren…

Die größte Herausforderung aber ist in dem Hotel, das so viel Wert auf Nachhaltigkeit legt, die Butter schadensfrei zum Platz zu bringen. Halbierte Butterstücke liegen am Buffet, man schneidet sich seinen Bedarf ab, legt ihn auf den Teller und geht zum Platz. Soweit die Theorie.
Dort angekommen aber ist die Butter zerlaufen. Der viel zu warme Teller lässt sie schmelzen wie die Polkappen unter dem Ozonloch. Das Butterstück rutscht und flitscht auf dem Teller hin und her. Selbst Eisläuferin Katharina Witt war in ihren besten Jahren ein grazilloser, langsamer Furz im Vergleich zu der Butter. Als krönender Abschluss saust das verbliebene Butterstückchen über die git gefettete Tellerkante, touchiert noch kurz den Käse und klatscht auf den Boden.
Wenigstens bleibt die Hose sauber und die Schuhe gehören sowieso mal wieder eingecremt. Zu Not eben mit guter Butter.
So peinlich! Gut, dass die tagenden Steuerberater nichts davon mitbekommen haben. Denn die einen verschanzen sich hinter der „Welt“, andere donnern wie wild auf ihrem iPhone herum. Und die drei am Nebentisch erzählen sich, wieso in Köln sowieso alles besser ist als in Berlin.

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ohne, dass es ein Unglück gibt?

So trolle ich mich zu meinem Platz und stelle den Fettteller ab, verbunden mit der Hoffnung, hier ein Kunstwerk im Beuys’schem Sinne geschaffen zu haben, bevor ich noch mal losgehe und frische Butter hole. „Nein, das ist keine Kunst, aber deshalb kann es noch lange nicht weg!“ höre ich mich schon zu den Abräumern sagen, aber dazu kommt es nicht.
Zurück am Buffet fülle ich etwas Butter in eines dieser lustigen Waffelhörnchen, in denen man in nachhaltigen Häusern sein Marmeladeportiönchen zum  Tisch trägt. Natürlich ist die Butter kalt und hart, das Hörnchen brüchig und zerbröselt mir unter den Fingern. Wieder versagt. Halbwegs die Würde bewahrend schleiche ich mich zu meiner Fettecke. Das alles will ich Peter erzählen, und ja: Ich habe mit dem Handy Fotos gemacht. Was er kann, kann ich schon lange.
„Frag mich doch mal…“ hebe ich also an.
„Tue ich aber nicht!“ Zack. Das sitzt. 1:0 für Peter.

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