Sonntagsspaziergang am Spatzenberg

Der Spatzenberg ist kein Berg – gerade mal ein Hügel. Irgendwas um 550m über NN, aber Isen, auf dessen Gemeindegrund der Berg liegt selbst liegt ja schon zwischen 490 und rund 520m NN.
Also ist das Ganze kein Berg. Trotzdem warnt das Onlineportal Outdooractive Konditionsschwache vor einer langen Tour mit vielen Anstiegen, sofern man die ganze Runde des Isener Wanderwegs Nr. 4 ablaufen und nicht einfach nur ein wenig spazieren gehen will.
Letzteres wollen wir. Das Wetter ist einfach prächtig, es ist Sonntag, auf Hallenbad habe ich absolut keine Lust.
Draußen stirbt der Wintert einen schnellen Tod und wir wollen ihm dabei zusehen. Vor drei Tagen hatte es noch -12 °C, es war einfach nur kalt.
Jetzt ist es 10° C warm. Über 20° Temperaturanstieg in nur drei Tagen. Der Schnee schmilzt in rasender Geschwindigkeit, überall taut es. Fast könnte man sagen, dass es schon zu warm für die Winterjacke ist.
Alles andere als Sofawetter. Also raus. Ab in die Botanik.
Auf Outdooractive steht speziell für diese Tour noch ein wichtiger Hinweis: Fotoapparat nicht vergessen. Also werfe ich schnell noch die Spiegelreflexkamera ins Auto, dann geht es in den Nachbarort, um im Wald in der Nähe der ehemaligen Mülldeponie und jetztigen -umladestation den Weg zu beginnen. Das klingt nicht gerade verführerisch, aber nur wenige Schritte hinter der Station ist man in dem, was Städter unberührte Natur nennen würden.
Ich versichere mich, dass in der Kamera eine Speicherkarte ist (es war keine drin, ich habe eine eingelegt), nachdem ich bei einem Besuch in Frankfurt vor einigen Tagen speicherkartenlos in einem Museum stand und Fotos machen wollte. Deshalb war ich extra an den Main gefahren, das passiert mir kein weiteres Mal.
Was ich natürlich nicht überprüft hatte, war der Kameraakku. Der zeigt „battery empty“, ich hatte die Kamera in Frankfurt nicht ausgeschaltet, selbst Schuld, wenn ich jetzt im Wald stehe und wieder nur Handy-Fotos machen kann. Ich werde es eben nie lernen.

Noch liegt Schnee auf den Waldwegen, noch sind die kleinen Rinnsale zugefroren, aber die Sonne beweist, was sie kann. Sie wärmt auf den freien Wegstrecken so sehr, dass Mütze, Schal und Handschuhe unnötig werden.
Dann aber ist es wieder unter dem Schnee eisig und glatt. Trügerisch das Ganze.
Ein Blick nach links. Oben, am Waldrand steht die kleine Hubertuskapelle. Wenn man von Westen nach Isen fährt, ist sie weithin sichtbar.

Ein malerischer, idyllischer und heimeliger Ort. Schön muss es sein, in der Sonne auf der Bank neben der Kapelle zu sitzen, und hinab ins Isental zu schauen. Ob diese Idylle nach dem Oktober 2019 allerdings noch anhält, wenn wenige Kilometer entfernt die A94, die derzeit  mit brutaler und brachialer Gewalt durch die Landschaft getrieben wird, eröffnet ist? Ich habe da so meine Zweifel.
Auch wenn man die Autobahn von hier aus nicht sehen kann, ihren Lärm wird man später sicher hören können. Fast schon mutet es als Treppenwitz an, dass  ausgerechnet einer der Wortführer dieser Autobahn und dieser idiotischen Trassenführung, der damit enorm viel Heimat hat zerstören lassen, in Kürze ausgerechnet zum Heimatminister ernannt werden soll…

In den Bäumen zwitschern die Vögel. Spatzen sind das wohl nicht. Die machen viel mehr Radau. Zumindest bei uns, wenn sie durch den Garten toben.

Der Weg führt uns im weiten Bogen zurück zum Auto – ein schöner Sonntagsspaziergang, der Lust darauf macht, irgendwann mal den ganzen Wanderweg 4 abzulaufen. Im Sommer vielleicht. Aber hatten wir das nicht auch gesagt, nachdem wir im Schwabener Moos waren? „Hierher kommen wir ganz sicher noch mal…“
Passiert ist es allerdings bis jetzt noch nicht.
Kann aber noch werden.
Zwei Tage später ist der Winter tot. Der letzte Schnee geschmolzen, die letzten Eiszapfen im heimischen Garten vom Spindelstrauch gestürzt.
War’s das?
Oder kehrt er noch mal zurück?


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