Peter ist sauer – zu Recht

Peter – treuer Blogleser kennen meinen Spezl, diesen Zeitgenossen mit ausgeprägtem Hang zur Überllaunigkeit, Menschenfeindlichkeit und begrenzter Kommunikation – ist wirklich sauer. Und wenn er sauer ist, dann kann er richtig ausfallend werden. Gut, dass mich sein heiliger Zorn nicht trifft und ich auch sonst nur Zeuge der Wiederbelebung seines Ärgers werde. Unflätige Worte sprudeln nur so aus seinem Mund.
„Arschlöcher, alles Arschlöcher,“ ist da wirklich noch das Harmloseste. „Rücksichtsloses Dreckspack. Da denkt keiner auch nur einen Funken an den anderen. Alles im höchsten Maße asozial.“
Die, von denen Peter sich bei Bier und Grillfleisch in seinem Garten Luft macht, sind die lieben Kollegen. Genauso nennt Peter sie auch. Doch legt er das Maximum an möglicher Verachtung in seinen Tonfall.
Sicher ist sein Zorn gerechtfertigt. Peters Zorn ist immer gerechtfertigt.
Doch muss er nicht alle über einen Kamm scheren. Denn eigentlich hat seine Wut nur einer verursacht. Wer, das weiß Peter nicht. Wie so oft ist der Übeltäter im Dunkel der Anoynmität verschwunden. Untergetaucht im Schwarm der rund 50 Mitarbeiter in Peters Firma.
„So nen richtiges Kollegenschwein, weißt Du?“ schnaubt Peter. „Eigentlich reicht es ja, wenn nur ein einziges Arschloch dabei ist, das Dir den Tag versaut. Alle anderen können ja ok sein. Aber das Arschloch, das erwisch immer ich.“
Das kenne ich, das geht mir genauso. Wenn nur ein Idiot im Bus ist, dann sitzt der immer neben mir. Das einzige Arschloch im Frühstückraum eines Hotels sitzt garantiert am Nebentisch und brüllt so laut, das man sich seiner Auslasungen nicht entziehen kann.
Was Peter aber so in Rage bringt, ist weitaus dramatischer. Es geht – wie immer – um Alles.
Zum Beweis zückt Peter sein iPhone und zeigt mir ein Foto:

klorolle Das ist in der Tat eine Unverschämtheit. Da hat doch tatsächlich jemand die leere Klorolle hängen gelassen und die Kabine verlassen. Und wen trifft es?
Peter.
„Wenn man das letzte Blatt abgerissen hat, was in Henkers Namen ist dabei, ’ne neue Rolle hinzuhängen? Ist das so schwer, oder was? Ich mein: Andere müssen sich doch auch mal den Arsch abwischen. Und der nächste, der benutzt dann vielleicht die Bürste auch nicht mehr. Oder zieht nicht mehr ab.“
Ich vermute, Peter sieht sein Firma auf dem Weg in heilloses Chaos und totale Anarchie. Jeder macht nur noch, was er will. „Warum machst Du jetzt so ein Drama? Warum hast Du nicht einfach die nächste Rolle hingehängt, statt die leere zu fotografieren?“
„Natürlich hab ich ’ne Neue hingehängt, was denkst Du denn? Sebstverständlich. Und zwar richtig rum. Es gibt ja auch Idionten, die sie falsch rum auf den Halter stecken. Die Leute sind ja so dämlich.“

„Ach, Peter“, seufze ich.

Er nestelt an seiner Jackentasche und zückt sein iPhone. „Aber erst mal hab ich ein Foto gemacht.“

„Sicher hast Du das Bild ausgeddruckt und mit Tesa an die Klotür gehängt. Nebst allen Flüchen und Verwünschungen“ murmle ich.

Natürlich hat er.

War ja klar.

„Und weißt Du, was ich daneben geschrieben habe?“

Das weiß ich natürlich nicht. Ich will das auch nicht wissen. Aber Peter sagt es mir trotzdem.

Der Blitz soll Dich beim Scheißen treffen!

Also Geschmack hat er, der Peter. Er kennt die richtig guten Filme.

1 Kommentar


  1. Wie schon Häuptling Sitting Bull immer sagte:

    Erst wenn das letzte Blatt an der letzten Klorolle abgerissen ist, werdet ihr feststellen, dass man sich auch mit Geld den Arsch abwischen kann!

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