Peter solle‘ Rose kaufe’…

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Das Alptraumland für Peter?

Rosen kaufen ist ja nicht so Peters Ding. Hin und wieder allerdings kommt es vor, dass er seiner Frau welche besorgt. „Dann“, so erzählt er mir bei einer Autofahrt, „erkundige ich mich natürlich vorher ganz genau nach dem richtigen Standort, wie sie zurückgeschnitten wird, wie oft man sie gießen muss und nach der Anfälligkeit für Blattläuse“.
Sehr klug ist das, wie ich finde. „Die Blattläuse kannst Du lassen, die hole ich mir und verfüttere sie an meine Frösche. Du weißt doch, wie gern die die Läuse fressen.“
Das weiß Peter. Aber diese Bemerkung lenkt von dem, was er eigentlich erzählen wollte, ab. Mit einer reflexartigen angedeuteten Handbewegung wischt er die Bemerkung beiseite. Eigentlich will er etwas anderes erzählen. Das kenne ich ja mittlerweile. Peter erzählt gern, und ich erzähl’s gern weiter…
„Aber Schnittblumen kaufen? Nee, das kann ich nicht“.
Da geht es mir wie ihm. Seiner Frau bringt er normalerweise keine Blumen mit, auch nicht zum Geburtstag oder Hochzeitstag. Da schenkt er lieber praktischer. „Oder gehen wir schön zusammen abends aus. Das ist teuer genug.“
Letztens aber sollte Peter doch vom Einkauf einen Strauß mitbringen. „Wir waren abends zum Essen eingeladen. Da ist ein Strauß Blumen für die Gastgeberin nie verkehrt.“
Wo er recht hat, hat er recht.
Vor meinem geistigen Auge erscheint Peter in einem Blumenladen. Hoffnungslos überfordert steht er zwischen all den Sträußen und kann sich nicht entscheiden.
Doch das Bild ist falsch.
„Wenn so was mal vorkommt, nehme ich immer einen fertig gebundenen Strauß. Ist ja nicht so schwer, einen auszusuchen, der mir gefällt und preislich im Rahmen ist.“
Dieses Mal aber ist – so berichtet er – alles anders. Es gibt nämlich keine gebundenen Sträuße und so rutscht Peter hinein in eines der größten Dramen seines Einkaufs.
„Ich warte also geduldig, bis die Kundin, die vor mir dran ist, bedient wird. Da geht die Tür auf und unser Bezirkskaminkehrermeister kommt rein. Du kennst ihn?“
„Ja, den kenn ich, der kommt auch zu uns.“
„Der soll auch einen Strauß Blumen mitbringen.“
Aha! Gemeinsames Leid verbindet, denke ich im Stillen.
„Und der ist natürlich genauso aufgeschmissen, wie ich. Als ich endlich dran bin, fragt mich die Verkäuferin, was ich gern hätte. Ich antworte: ‚Nen Blumenstrauß, so für 20 bis 25 Euro. Schön bunt, zum Verschenken. Ist für ne Abendeinladung. Damit sollte doch alles gesagt sein, oder?“
Die Erklärung und die Aufgabenstellung ist für mich klar. Aber offensichtlich für die Floristin weniger.
„Statt einfach loszulegen wirft sie mir hunderte von Blumennamen an den Kopf, die ich noch nie gehört habe. Gerbera, Fresien, Amaryllis, Chrysanthemen, Strelitzien und was weiß ich nicht alles. Ich bin doch froh, wenn ich Rosen, Nelken und Tulpen auseinanderhalten kann.“
Peter ist sichtlich überfordert. Und den Kaminkehrer amüsiert’s.
„Ich kenn mich da auch nicht aus. Normalerweise kauft so was meine Frau. Aber die hat mich heute losgeschickt“, pflichtet er Peter bei. Und schon tauschen sich die beiden Männer über Blumensträuße aus, während die Verkäuferin verzweifelt versucht, an eine Information zu kommen, was sie denn nun zusammenbinden soll.
Das wiederum ist das Stichwort für eine weitere Kundin, die den Laden betreten hat.
„Typisch Mann“, ruft sie dazwischen. Das sollte wohl, so kommentiert es Peter, witzig gemeint sein, kommt aber so nicht an. „Ich frage Dich: Was geht die das an?“
Das frage ich mich allerdings auch.
Die Floristin hält derweil Peter immer neue Blumen unter die Nase, macht Vorschläge ohne Ende. Peter wird ganz bunt und dann schwarz vor Augen vor lauter Blühzeugs.
Die Kundin gibt nun ebenfalls gute Ratschläge, damit es endlich mal voran geht und sie bedient wird. Schließlich ist noch ein weiterer Mann vor ihr dran, und wenn das bei dem auch so lange dauert… Nicht auszudenken.
Der Kaminkehrermeister wiederum meint zu den Vorschlägen, dass das Eine zu offiziell, das andere zu sehr nach Beerdigung ausschaue. Rosen kämen seiner Meinung nach schon mal gar nicht in Frage: „Zu teuer und außerdem zu zweideutig.“
„Und Tulpen?“ fragt Peter. „Die gehen doch eigentlich immer, oder?“
„Von wegen,“ meint der Kaminkehrer während sich die Floristin langsam verzweifelt. „Das schaut ja aus, als habe man für 2 Euro einen Strauß bei Aldi gekauft“.
Das streichelt ihr Seelchen nun nicht gerade, aber die arme Floristin ist mittlerweile zu erschöpft, um einen Kommentar dazu abzugeben.
„Wie wäre es mit einem Strauß mit Nelken? Wir hätten da…“
Doch Peter winkt ab. Nelken will er nicht, die hat schon seine Mutter nicht gemocht. Strelitzien und Calla sind ihm zu protzig, Anturien wiederum zu retro.
Die Lage ist verzwickt.
Da kommt Peter die rettende die Idee.
„Wissen Sie was,“ meint er zur Floristin. „Binden Sie einfach einen schönen bunten Strauß. Ich geh derweil zum Metzger gegenüber und hol den dann ab, wenn der fertig ist. Sie werden das schon schaffen. Ich vertraue ganz auf ihren guten Geschmack. Wozu geht man denn schließlich in ein Fachgeschäft? Sonst könnt ich ja gleich einen Strauß bei Aldi holen.“

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„Und Tulpen?“ fragt Peter.

„Machen Sie gleich zwei Sträuße,“ wirft der Schornsteinfeger ein. „Ich geh auch kurz rüber. Am besten zwei gleiche, dann müssen wir uns nicht streiten.“
Wie Schulbuben nach einem gelingenen Streich kichern Peter und der Kaminkehrer und verlassen gemeinsam den Blumenladen. Zurück bleibt die Floristin mit der alleinigen Entscheidungsgewalt. Und der Verantwortung.

„Clever,“ sage ich zu Peter, während ich das Auto einparke. „Ein wirklich kluger Schachzug.“
„Warum auch nicht? Und der Strauß sah wirklich klasse aus. Warum soll ich mich da einmischen.  Kam übrigens auch gut an. Auch bei meiner Frau. Sagt die doch glatt, so was könne ich ihr auch öfter mal mirbringen…“
„Tja, hättste gleich mal zwei gekauft.“
„Ging ja nicht, der andere war ja für den Kaminkehrer.“
Ach und noch etwas hat Peter mir gesagt: „Wenn Du das bloggst, dann sieh zu, wo Du die Bilder dafür herbekommst. Ich habe nämlich keine Fotos gemacht.“
Ok – das habe ich dann nachgeholt…

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