Ozapft is… und das im März

Eiszapfen hängen am Spindelstrauch im Garten.
Fragt sich nur, wie lange noch…

Keine zwei Tage gebe ich ihnen mehr. Unbarmherzig brennt die Märzsonne auf sie ein. Von -12°C auf +10°C hat es auch nur drei Tage gedauert. Die Eizapfen werden zusammenschmelzen. Unangetastet. Das hätte es früher nicht gegeben.


Früher, in meiner Kinderzeit, haben wir die Zapfen abgebrochen und wie ein Stangerl-Eis gelutscht. Nicht, dass sie geschmeckt hätten, nicht das das besonders cool war. Alle haben das gemacht. Wir also auch.
Warum auch nicht?
Mag sein, dass es unsere Eltern etwas eklig oder unappetitlich fanden, aber sie haben uns nicht daran gehindert. Sie haben uns weder Magenschmerzen noch Durchfall angekündigt, geschweige denn, dass sie einen Notarzt und einen Rettungswagen gerufen hätten, weil wir einen Eiszapfen in den Mund gesteckt haben. Wenn ich mir vorstelle, welch Geschiss Eltern heute wegen allem möglichen machen…

„Dreck reinigt den Magen!“ Das war alles, was wir dazu zu hören bekamen. Und ein Achselzucken. „Was soll’s?“
Wir haben Schnee gegessen (nur den weißen) und Eiszapfen geleckt, wir haben es überlebt – ohne Kolliken, ohne Durchfälle, Infektionen.
Noch heute lutsche und zerbeiße ich gerne Eiswürfel, die ich aus den Gläsern langsam in den Mund rutschen lasse, wenn das erfrischende Kaltgetränk ausgetrunken ist. Das macht auch nicht jeder, und nicht jeder mag das Geräusch, wenn die Zähne das Eis zertrümmern (irgendwann wird es vermutlich allerdings andersherum sein).
Und wehe, ein Kellner räumt die Gläser ab, so lange sich noch Eiswürfel darin befinden.
In Gesellschaft ist der Eiswürfel im Mund immer eine große Herausforderung. Diskretion ist angesagt, bloß nicht auffallen mit diesem schlechen Benehmen. Dumm nur, wenn man unterm Lutschen und Schmelzen lassen in einen Small Talk verwickelt wird. Reden mit vollem Mund geht gar nicht – und mit einem Eiswürfel auf der Zunge schon zweimal nicht.
Andererseits, so ein riesiger Eiszapfen, den man in die Hand nimmt und sich genüßlich zwischen die gestülpten Lippen schiebt… das hat auch etwas Obzönes, vielleicht Verstörendes.
Ozapft, Eiszapfen, Eis
Wie man es macht, macht man es falsch. Es wird Zeit, wieder ein „richtiges“ Eis zu verdrücken. Das ist zumindest unverfänglich. Selbst, wenn es Flutschfinger heißt und sich selbst als Kult anpreist.


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3 Antworten

  1. Bei dir haben sich ja auch so herrliche Eiszapfen gebildet! Tolle und richtig lange Gebilde! Sehr schöne Aufnahmen vom Lutscheis in deinem Spindelstrauch. ^^
    (So attraktiv es aussieht, ich bin dennoch froh, wenn es jetzt langsam milder wird.)

    LG Michèle

  2. Marie sagt:

    Würde man beispielsweise ein Glas Wasser aus einem geschlossenen Heizungssystem ohne chemische Zusätze trinken oder aus einer häuslichen Badewanne nach der Benutzung, kann man vielleicht Magenschmerzen oder Durchfall bekommen, es besteht jedoch keine unmittelbare Lebensgefahr.

  3. Linsenfutter sagt:

    Der Titel ist COOL !!!!

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