Ein Becken bitte. Nur für mich

Schon mehrfach habe ich dieses Blog genutzt und vielleicht auch ein wenig die Geduld meiner Leser damit strapaziert, dass ich micht über die anderen Badegäste in meinem Schwimmbad ausgelassen habe: die Moderlieschen, das Dienstagsarschloch, die Kampfkrauler. Über all die Individuen, die mich daran hindern, in der mir bevorzugten Geschwindigkeit auf der von mir bevorzugten Bahn meine Kilometer abzuspulen habe ich schon mehr als genug geschrieben.
Ich weiß. Das nervt auf Dauer: Immer dieses Gemecker, immer dieses Genörgel.
pool2Daher möchte ich auch mal erwähnen, wie schön es ist, ein Schwimmbecken für mich und nur für mich zu haben. Das kommt nicht gerade oft vor, allerhöchstens mal Samstags in aller Herrgottsfrühe. Da zähle ich in meinem „Heimatbecken“ die fünf bis zehn Rentner nicht mit, die sich im Wasser im „neutralen Gebiet“ aufhalten. Überrascht bin ich allerdings immer, wie schnell die Senioren es schaffen, wenn um punkt neun Uhr, der Bademeister die Tür aufsperrt, im Wasser zu sein. Und wenn sie sonst noch so langsam sind: Im Schwimmbad stürmen durch Umkleide und Dusche wie weiland beim Sommerschlußsverkauf die gierigen Kundenhorden auf die Verkaufstische der C&A-Filialen. Dann aber, kaum im Becken,  entschleunigen sie und lassen sich im Wasser treiben, wie eben auch im Supermarkt an der Wurttheke oder Kasse: Kaum eine Bewegung, dafür umso mehr Gerede. Sollen sie, hier stört mich das nicht.
Denn die Sportschwimmerbahn gehört mir, mir ganz allein. Zumindest manchmal ist das so die erste halbe bis dreiviertel Stunde. Dann kommen andere: Triathleten, die einen Kilometer unter 16 Minuten schaffen wollen. Es wird ungemütlich. Denn Zeit- und Ausdauerschwimmen passen nicht wirklich zusammen.
Einmal, vor einigen Wochen, hatte ich das Vergnügen, ein ganzes Becken über fast eineinhalb Stunden für mich zu haben, morgens um sieben Uhr, da ist eben die Welt noch in Ordnung.
Das war in einem Kongresshotel in Baden-Baden. Da sind die Tage lang und die Nächte noch länger, da wühlt sich morgens kaum einer auch nur eine Minute eher als nötig aus den Federn. Und wenn, dann höchstens für die obligatorische Schlacht am Frühstücksbuffet. Da wird dann um Rührei gefochten, um gegrillten Speck und frische Brötchen.
Eine Etage tiefer im Fitness- und Spabereich schwingt ein einsamer Mensch ein Fensterleder und reinigt die Spiegelflächen vor den Trimmgeräten. Und ein anderer zieht ebenso einsam im Pool seine Bahnen – ich. Das ist Genuß pur und fängt schon beim Sprung ins Wasser an.
pool1 Mal ehrlich: Gibt es etwas schöneres, als in einen Pool mit spiegelglatter Wasseroberfläche zu springen? Das darf man ja eigentlich nicht, denn springen ist – wie fast überall – vom Beckenrand verboten. Aber wo kein Kläger ist, ist nun mal auch kein Richter. Und den freundlichen Mann mit dem Feudel interessiert nur, wie er die Spiegel streifenfrei sauber bekommt.
Die 12,5 Meter im Hotelschwimmbad sind jetzt nicht wirklich lang. Da werden 3km, die ich abspulen will, zu 240 Bahnen. Man schwimmt sich nicht… man zählt und rechnet sich wach. Und es dauert, bis man den richtigen Atem- und Zugrhythmus für diese Minidistanz gefunden hat. Ein kräftiger Abstoß mit den Beinen, und man hat schon fast die halbe Bahn geschafft. Andererseits kosten diese schnell aufeinanderfolgenden Wenden einiges mehr an Kraft, als ich gedacht habe.
Aber irgendwann sind auch hier die 3 Kilometer geschafft. Jetzt schnell duschen, zurück ins Zimmer und anziehen, dann zum Frühstück.
Während sich die anderen Hotelgäste und Kongressbesucher direkt aus dem Bett ans Buffet geplumst sind und ihre verkaterten Schädel kaum gerade halten können, weiß ich, was ich heute schon geschafft habe. Das macht mit ein wenig stolz. Ich habe es genossen, vor allem, dass ich das Becken für mich hatte. Nur für mich. Etwas, was ich mir schon immer gewünscht habe und viel zu selten bekomme. In meiner vertrauten Schwimmhalle habe ich abends diesen Luxus höchstens mal die letzten 10 Minuten bevor das Bad schließt.

Duschen, Abtrocknen, Anziehen, Fühnen, Frühstück  – und ab auf den Kongress.

1 Antwort

  1. 29. Mai 2013

    […] Erste Aktion noch vor dem Kofferauspacken. Das Zimmer fotografieren. Es sieht fast so aus wie im Prospekt. Abgesehen davon, dass ich das größenverzerrende Weitwinkel mit dem Handy nicht nachstellen konnte. Auch der Blumenstrauß fehlt. Das ist verschmerzbar. Und natürlich ist die spärlich bekleidete Dame nirgends im Zimmer zu finden, nicht, dass Sie jetzt meinen, ich hätte sie für die Dauer des Fotos im Bad versteckt. Es gibt sie einfach nicht. Aber wenigstens den Bademantel hat sie da gelassen. An der Rezeption beschwere ich mich nicht, denn ich bin fast sicher, die stets freundliche Hotelmitarbeiterin (das sind die, die am Telefon sagen: “Schönen guten Tag, das ist das Hotel…., mein Name ist …., was kann ich für Sie tun?”) würde es wohl auch nicht witzig finden. Zu Recht. Sie würde lächeln, eine bemüht freundlich charmante Antwort suchen und finden. Aber sie fände den Scherz vermutlich ebenso geschmacklos wie ich den wildgemusterten Teppichboden im Hotel. Immerhin haben sie ein sehr schönes Schwimmbad im Hotel. Jetzt weiß ich auch, wofür der Bademantel eigentlich gedacht ist. Damit darf ich vom Zimmer zum  Schwimmbad und zurück eilen. Das Schwimmbad suche ich natürlich auf, allerdings nicht im Bademantel, kein Thema, sich für den Weg ordentlich anzuziehen.  Und ich habe – das versöhnt mich sofort – das Schwimmbad ganz alleine für mich . Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte. […]

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