Nachtrag: Die Silvester-Weiherrunde

22. Januar 2017 – genau vor einem Jahr.
Kronthaler Weiher.

Es war ein Sonntag. Ein in alter Mann sprach mit den Schwänen, die er gefüttert hatte. Währenddessen stand er auf dem Eis. Die Vögel aber würdigten ihn kaum eines Blickes…
Vor einem Jahr besuchte ich den Kronthaler Weiher, in dem ich im Sommer zahlreiche Runden schwimme bin. Das Thermometer zeigte damals -12°C an, die Wasseroberfläche war zugefroren. Ein alter Mann stand an einem Wasserloch und sprach mit den Tieren. Es war ein seltsamer, ein berührender Moment – tröstlich und zugleich traurig. Und ein wenig peinlich, denn ich wollte um jeden Preis verhindern, dass der Mann mich bemerkte, wie ich ihn beobachtete und aus dem Handgelenk ein Foto machte.
Auch in diesem Winter zog es meine Frau und mich am Silvestermittag an den Kronthaler Weiher – eine Runde spazieren gehen, wenn man das, was ich veranstalte, so nennen darf. Denn wie üblich bleibe ich immer wieder stehen, fotografiere, schaue, fotografiere wieder, lasse, was ich sehe, auf mich wirken. Es ist – wie so oft – die Suche nach dem Detail, nach der Perspektive, dem Besonderen im vermeintlich Banalen, die mich stehen bleiben lässt. Es wird nie ein großes Vergnügen sein, mit mir spazieren zu gehen. Einer trödelt eben immer hinterher.
Alles ist anders als vor einem Jahr. Statt -12°C zeigt das Thermometer +14°C, wir haben Föhnwetter, es ist ungewöhnlich mild, fast frühlinghaft. Kaum vorstellbar, dass der Weiher vor einem Jahr eine dicke Eisschicht hatte, auf der sich Völkerscharen bewegten. Selbige halten sich jetzt lieber in der Freizeitanlage am Ufer, auf der kleinen Insel und auf dem Spielplatz auf. Kaum vorstellbar auch, dass es vor einem halben Jahr, also im Sommer 2017 auch 14° hatte, genauer gesagt: Am 6. Juni 2017. Das weiß ich so genau, weil ich an diesem Tag im Erdinger Freibad war und mir mehr oder weniger den Arsch abgefroren hatte. 14°C ist eben auch ein relativer Wert.

Am Silvestertag geht ein starker Wind, der die Wolken vor sich her treibt.
Hier im Weiher also bin ich im Sommer Dutzende Male schwimmen gewesen. Ich könnte behaupten, ich kenne jeden Meter am Ufer, so oft, wie ich da entlang geschwommen bin. Bei schönstem Sonnenwetter, im Regen, im Herbstföhn, bei Vollmond, unter Selfie-Beschuss oder abends in der goldenen Stunde.
Aber so ist es nicht. Vom Weg, vom Rand und vor allem von oben betrachtet sieht alles ganz anders aus als aus der Froschperspektive.
Ein halbes Dutzend Surfer nutzt das Wetter und den Wind. Sie sausen mit ihren Brettern immer wieder hart am Wind am Kieswerk vorbei. Ein wenig schaue ich ihnen zu, dann werde ich wieder mal gebeten, doch nun endlich weiterzugehen. Wir seien schließlich zum Spazierengehen hier und der Wind ganz schön kalt. Ich weiß: Es ist schon ein Kreuz mit mir.

Gelegentlich haut es einen der Surfer ins Wasser, ich stelle mir vor, dass es trotz Neoprenanzug arschkalt ist, aber ob das stimmt, weiß ich natürlich nicht. Ich habe keine Ahnung vom Surfen und weiß nicht, wie gut diese Anzüge die Kälte draußen und die Wärme drin halten können. Ich weiß auch nicht, wie kalt das Wasser ist. Mehr als 4°C werden es aber schwerlich sein, am Vortag hat es schließlich noch kräftig geschneit. Das Wetter spielt völlig verrückt. Es ist wie im April. Schnee, Regen, Sonnenschein, Temperatursprünge von 15° innerhalb von drei Tagen…
Vom alten Mann, der am Jahresanfang mit den Schwänen sprach, ist nichts zu sehen. Die Vögel werden wohl ohne ihn und sein Brot auskommen müssen. Aber es sind ja genug Familien mit kleinen Kindern da, die eifrig die Wasservögel füttern… allen Verboten oder Empfehlungen, das nicht zu tun, zum Trotz.
Auch sie reden auf die Schwäne ein – und selbige strafen auch die Kinder mit arroganter Ignoranz, kaum, dass ihnen kein Brot mehr zugeworfen wird. Mistviecher, verfressene und heuchlerische.


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