Na, wer war’s?

You got mail… Das kennen Sie.

Mails, die an alle Mitarbeiter eines Unternehmens verschickt werden, sind entweder von maßloser Belanglosigkeit (Heizungsableser im Haus) oder kolossaler Relevanz (Achten Sie darauf, dass Resturlaubstage verfallen, wenn sie nicht bis zum 31.03. des Folgejahres genommen werden…). Auch das kennen Sie.

Von ebensolcher Relevanz – also der kolossalen – ist eine Rundmail, die heute all meinen Kolleginnen und Kollegen zugestellt wurde. DHL war da, ein Päckchen wurde am Empfang abgegeben – kein Empfängername auf dem Adressfeld, nur eine Firma: Unsere. Und der Absender. Und damit fängt ein spannendes Spiel an.
Na wer wars
Diejenigen von Ihnen, die sich in in ähnlicher Arbeitssituation befinden, können sich sicher ausmalen, welch lustiges innerbetriebliches Rätselraten das zur Folge hat – und welche unzweifelhaft brillant-originellen Bemerkungen von Büro zu Büro zirkulieren.
Der eine Kollege rät dem anderen, jetzt bloß nicht aufzuspringen, die Treppe herunter zum Empfang zu rennen und seine blauen Pillen abzuholen.
„Das merkt doch sofort jeder!“ rät man sich augenzwinkerisch und empfiehlt, diskret nach Feierabend beim Weg nach Hause das Päckchen mitzunehmen. „Das wäre doch zuuu peinlich! Aber vergiss die nicht. Deine Frau wartet sicher schon sehnsüchtig auf…“ Ho! Ho! Ho! Der Brüller.
Zumindest weiß man jetzt, wer heute alles einen Clown gefrühstückt hat. Derweil versucht vermutlich einer im Team, nur ja keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Schweißnasse Hände dirigieren die Computermaus über irgendwelche Zahlenkolonnen – jetzt ja nichts Verdächtiges tun und möglichst unbeteiligt wirken. Dass man sich so erst Recht verdächtig macht, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Also? wer war’s?

Gewieftere Kollegen, die Sherlock Holmes kennen, beweisen sich als hochfunktionale Soziopathen. Sie googlen erst einmal, wer oder was die Mibe GmbH Arzneimittel überhaupt ist und was sie anbietet.
Oh Wunder: Das ist ja gar keine der berühmten Online-Apotheken, die nicht müde werden, ihre erregungserhaltenden Wunderpräparate feilzubieten. Keine blauen Pillen, keine Potenzprobleme, der männliche Teil der Belegschaft kann entspannt aufatmen. Er gehört nur noch zum erweiterten Kreis der gesuchten Person. Niemand ist der erektilen Dysfunktion verdächtigt.
Der Blick auf die Internetseite des Unternehmens lässt allerlei Rückschlüsse zu und öffnet Spekulationen über den potentiellen Kunden erst recht Tür und Tor. Es gibt dort – um es kurz zusammenzufassen – überwiegend Präparate zur Frauen- und Knochengesundheit: Milchsäure-Vaginalzäpfchen, Präparate für den Knochenaufbau und gegen Scheidenpilz. Gäbe es nicht auch ganz herkömmliche Schmerzmittel, Mittel gegen Hauterkrankungen, Wund- und Desinfektionsmittel – die Zahl der in Frage kommenden Personen könnte sich auf die Kolleginnen reduzieren lassen. Aber so einfach ist es eben nicht. Wenigstens ist es peinlich.mibe

Also weiter spekulieren und tuscheln:
Wer hat sich in letzter Zeit auffällig oft gekratzt? Und wo? Bei wem klappern die Knochen gewaltig  osteoporös und wer hat ggf. neue Kosmetika nötig?
Alle begeben sich auf die Suche – es ist ein heiteres Gesellschaftsspiel der ganz besonderen gruppendynamischen Art. Die war’s, die war’s…

Aber ergebnisorientiert ist das Ganze nicht. Im Gegenteil. Zudem verwirrend ist, dass die Seite des Pharmaunternehmens aus Brehna gar keinen Onlineshop bietet. Man kann also dort gar nichts einkaufen. Wieso schicken die dann Päckchen hierher.
Es sei denn, eine Kollegin bekommt Produktmuster, ist Teil einer Testreihe oder… oder… oder…
Theoretiker laufen jetzt zu Topform auf. Aber zufriedenstellende Antworten findet keiner. Wären es doch die blauen Pillen, dann wäre der Fall längst gelöst.
Derweil liegt das Päckchen unten und niemand meldet sich, dass es das seinige ist. Sehr mysteriös das Ganze, längt ist Feierabend. Aber es bleiben so viele ungeklärte Fragen:

Liegt die Sendung morgen früh noch immer dort am Emfang?
Wenn nicht: Wer hat nach Feierabend als letzter das Gebäude verlassen, das Päckchen unterm Mantel?
Und was war da drin?
Und wo ist überhaupt Brehna?

Sherlock – ermitteln Sie! John Watson holt schon mal den Wagen. Derweil kann ich nämlich an seiner Stelle darüber bloggen…

PS: Vorsorglich weise ich darauf hin, dass der Screenshot der Mibe-Seite mit einem Hyperlink zur selbigen unterlegt ist. Wer darauf klickt, wird weitergeleitet und natürlich dabei registriert. Man weiß ja vorher nie, was man so in Erfahrung bringen kann.

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