Lesetipp (Teil 8): „Weit – Die Geschichte von einem Weg um die Welt“ – ein besonderer Film

Es gibt Geschichten, die will ich nicht lesen, die will ich mir erzählen lassen, Bilder, die ich nicht beschrieben haben sondern selbst sehen will. Das führt zwangsläufig dazu, dass ich die Reiseschilderungen von Patrick Allgeier und Gwendolin Weisser, die auch als Buch vorliegen, lieber als Film empfehle: Als Blu-Ray oder DVD.

2017 lief ihre sehenswerte Dokumentation Weit – die Geschichte von einem Weg um die Welt in den deutschen Kinos, irgendwann sogar bei uns in der Provinz in einem Programmkino. Immer wieder und oft ausverkauft. Der Film war ein Erfolg, mit dem die Branche nicht so wirklich gerechnet hatte. Und die Produzenten, Weltreisenden und Filmemacher  wohl auch nicht. Denn er kam ganz ohne den großen Tamtam, ohne viel Werbung und Marketing daher. Gute Presse und noch bessere Mundpropaganda bescherten Weit einen erstaunlichen Erfolg über Monate.
Weil das Produkt eben gut ist. Und sehenswert. Und sympathisch.

Mir ist ein außerordentlich angenehmer Kinoabend in Erinnerung – trotz der Plätze in der ersten Reihe. Der Film ist deshalb so schön, weil Patrick Allgeier und Gwendolin Weisser auf vieles verzichtet und damit all die kapitalen Fehler vermieden haben, die man oft in ähnlichen Dokumentationen im Fernsehen sieht. Der Film ist nicht reißerisch, es wird keine künstliche Spannung aufgebaut, nicht dauernd davon schwadroniert, wie kurz das ganze Unternehmen davor steht, zu scheitern. Als die beiden in Schwaben aufbrechen, immer nach Osten reisen, um dann wieder vom Westen her nach Hause zu kommen, weiß man bereits, dass das Ganze klappen wird – und wird nicht ständig mit all den Widrigkeiten konfrontiert. Das gibt es zwar auch, aber wohl dosiert und nicht als künstlich dramaturgisches Moment. Kein hektisches, permanentes Geschwafel aus dem Off, das künstlich Spannung erzeugen soll, weil immer wieder das ganze Projekt in Frage gestellt wird: „Wird es klappen?… Wird es klappen?“
Wie angenehm.


Patrick Allgeier und Gwendolin Weisser verzichten auch darauf, die Menschen, die sie auf der vierjährigen Reise kennengelernt haben, vorzuführen, sich kulturell überlegen darzustellen oder gar die Menschen in anderen Ländern der Lächerlichkeit preis zu geben. Sie schauen nicht herab auf die Bevölkerung, deren Länder sie durchqueren. Und auch nicht auf deren Kulturen.  Im Gegenteil. Achtung und Neugier prägen ihren Umgang mit den Menschen.
Man mag schmunzeln, wenn sie per Anhalter im uralten, klapprigen Autos unterwegs sind. Man mag sich wundern, manches mag einem fremd vorkommen, wenn die beiden mit Schamanen aufbrechen und uralten Ritualen beiwohnen dürfen, die sie aber aus Respekt nicht gefilmt haben.

Sie erzählen einfach, wie es ist, daheim aufzubrechen, so lange nach Osten zu wandern, zu trampen, gelegentlich einen Zug oder ein Schiff zu nehmen, bis man vom Westen her wieder zu Hause ist. Sie erzählen von den Wegen, die sie genutzt haben, den Menschen, die sie getroffen haben. Mag sein, dass es bei einem Teil der Zuschauer Sehnsüchte und Fernweh weckt, mag sein, dass andere sich mit dem Zuschauen und Zuhören begnügen. Man muss eben nicht alles selbst ausprobiert haben, also ich zumindest nicht.

 

Ein vier Jahre andauerndes Experiment. Aufbrechen, einfach losgehen, vieles hinter sich lassen. Weitergehen. Immer weiter. Und irgendwann wieder ankommen. Zuhause.
Weit – Die Geschichte von einem Weg um die Welt ist einfach ein Film, der einem gut tut.

Fotos: Szenenbilder/Pressebilder. (c): Weit GbR


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Patrick Allgaier & Gwendolin Weisser: Weit – Die Geschichte von einem Weg um die Welt

DVD 127 Min plus 15 Minuten Bonus-Material / Weit GbR / Erschienen im Februar 2018 / Sprache: Deutsch

DVD: 18,00 € / Blu-Ray: 20,00 €


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