Herr P.s Pein im provinziellen Peine – Teil 2

Sie erinnern sich? (Wenn nicht, dann hier nachlesen)

Mit wenig Strom, aber mit umso größerer Pein und höherem Druck auf der Blase geht es per Taxi zum Hotel in Peine. Das Ziel ist nah: Und das gliedert sich hierarchisch nach Dringlichkeit geordnet in Klo, Steckdose, Zimmer (endlich die Schuhe aus).
Kurz vor 16.30 Uhr erreicht Herr P. das Hotel, ein kleines, inhabergeführtes Familienhaus, das er sich zuvor nach Studein im Internet ausgesucht hatte. Das fünfhundert Meter weiter gelegene Größere einer Hotelkette verschmähter, was sich jetzt als Fehler erweist. Vielleicht wollte Herr P. auch nur etwas das Geld zusammenhalten, man weiß ja schließlich nie, wie oft man vor Ort genötigt wird, irgendwelches, vergessenes Geraffel nachzukaufen. Handy-Charger zum Beispiel.
Herr P. zahlt das Taxi, die Fahrerin rauscht davon und Herr P. erklimmt die wenigen Stufen zur Glastür empor, die sich gleich durch einen Bewegungsmelder ausgelöst öffnen wird.
Von wegen. Die Tür bleibt zu.
Ein Schild informiert ihn, dass er die Tür mit meinem Zimmerschlüssel öffnen könne. Was einigermaßen brillant ist, wenn man noch nicht eingecheckt und demzufolge keinen Schlüssel hat. Noch zaubert ihm die englische Übersetzung ein Lächeln ins Gesicht, Schloss mit Castle zu übersetzen zeigt, dass man sich vielleicht doch nicht auf Google verlassen sollte…Schilder, die Pein verursachen

So etwas gibt es auch nur in der Provinz.

„Gleich, oh Kobold…“ zischt er mit Goethe und zückt, den nahenden Triumph sicher, das Handy. Schnell ist die Buchungsbestätigung geöffnet und die angegebene Telefonnummer gewählt. Ist ja kein Zauberwerk heutzutage. Es kommt sicher in Blitzesschnell ein dienstbarer Geselle, der, sobald er gerufen wurde, die Tür öffnet. Ein schneller Blick auf die Buchungsbestätigung macht klar: Ab 16.00 Uhr kann man die Zimmer beziehen. Also müsste ja wohl jemand da sein und zumindest ans Telefon gehen.
Von wegen.
Nach fünfmaligem Klingeln erfährt Herr P. in korrektem Englisch, dass „The person you have called temporary not available“ ist. A ha. Telefon auf Handy umgestellt und selbiges ausgeschaltet. Hochprofessionell. Da hat sich wohl jemand wegbegeben von seinem Posten und will nicht weiter gestört werden.
Herr P. flucht.
„Warum bin ich nicht im anderen Hotel? Ich Idiot“, beschimpft er sich. „Sparen am falschen Ende.“ Und die Not ist groß.
Herr P. muss an Otto Waalkes denken: „Und da waren sie wieder, meine drei Probleme…“, wie es 1985 Otto in seinem Film formuliert hatte. „Wie komme ich in das Hotel? Wie lade ich mein Handy auf (nur noch 11% Strom) und wo ist ein Klo?“

Jeder weiß, dass es klug ist, das dringendste Problem seiner Pein zuerst zu lösen, also das letztgenannte. Auch ist die Gefahr, an Würde zu verlieren, hier mit Abstand am Größten.
Die Gaststätte neben dem Hotel öffnet erst in einer knappen halben Stunde – so lange überlebt Herr P. das nicht. Und das es nass und Nässer auf den Stufen wird, will er sich definitiv ersparen. Und den damit verbundenen Verlust jeglicher Würde.
Lösung verspricht die Tankstelle gegenüber. Dort gibt es ein Minibistro, also auch ein Klo und mit viel Glück einen Kaffee und eine Steckdose.
Pustekuchen. Das Klo ist „out of order“ – heißt es auf einem Schild, wenigstens in korrektem Englisch.
Keinen Schritt zur Lösung seiner drei Probleme weiter, kehrt Herr P. unverrichteter Dinge wie Notdurft zum Hotel zurück und startet einen zweiten Anruf (9% Akku). Doch der Ruf „Die Not ist groß“ verhallt ungehört. Suchend lässt Herr P. seinen Blick schweifen: Kein Laden, kein Restaurant, nichts, wo man ein Klo vermuten könnte, und bei irgendwelchen Anwohnern klingeln und um die Benutzung der Toilette zu bitten, erscheint ihm doch als zu abstrus.

Im Gewaltmarsch tigert Herr P. in den Folgeminuten vor dem Hotel auf und ab. So lange er siuch bewegt, geht es; so gerade noch. Tiefe Spuren treten sich ins Gehwegpflaster. In 15 Minuten macht das Restaurant auf – das verheißt wenigstens ein Klo, vielleicht einen Mokka und eine Steckdose.

Die Zeit, die ja theoretisch immer gleich schnell verfliegt, zieht sich. Ein Blick aufs Handy für die Uhrzeit. 14 Minuten, 9% Akku. Spannend, wer zuerst auf dem Ground Zero ankommt.
Doch so weit kommt es nicht: Um 17.20 Uhr – also zehn Minuten zu früh, sperrt der Gastronom auf, sieht Herrn P., erkennt die Dramatik der Situation (zumindest was den Hotelschlüssel betrifft) und bittet den Gestrandeten herein. Er hat Zugang zum Hotel, weiß, wo die Schlüssel für die reservierten Zimmer deponiert sind und bietet an, diesen zu holen.

Derweil stürmt Herr P. auf die Herrentoilette. Dort aber gibt es nur eine Kabine und aus selbiger ruft eine dumpfe Männerstimme ein nicht verstehbares Wort zu – vermutlich auf Griechisch Herr P. interpretiert diesen Ruf aus der Situation heraus als „Besetzt“. Was anders kann es gar nicht heißen. Ein „Ich bin gleich fertig, komm doch schon mal rein“, schließt er jedenfalls kategorisch aus. Also macht er auf dem Absatz kehrt, fahndet nach der Damentoilette – Not ist Not, und mittlerweile ist Herrn P. alles Recht.
Was muss, das muss. Ob Männlein oder Weiblein. Und Klo ist Klo. Zumindest im Notfall.
Aber da kommt der Wirt mit dem Schlüssel. Herr P. verspricht seinem Retter, später zum Abendessen wiederzukommen, hetzt durch die unbesetzte Rezeption in Richtung Zimmer. Kaum, dass er den Schlüssel ins Schloss bekommt, so dramatisch ist die Lage.
Und da war sie, die Lösung seiner drei Probleme:
Klo
Schuhe aus, Sessel
Handy anschließen (1%).

Alles wird gut.


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2 Kommentare


  1. Um die erste Frage zu beantworten: Aber sicher!!

    Alles perfekt gelaufen – zumindest für mich als Leserin! 😉

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  2. Glücklicherweise Bucht unsere Firma immer bei dem Hotel, dass 500 m die Straße hinunter liegt. Obwohl mit Einstieg von BW die Übernachtung gleich mal 30 € mehr kostet. Ansonsten, Peine …? Das Cyrano kann ich empfehlen … 😉

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