Hach, wo wären wir nur ohne Facebook

Nach vollbrachter Tat habe ich es mir angewöhnt, in den beiden Facebookgruppen Bist Du heute schon geschwommen und SchwimmZone… warst du noch zu strunzen. Will sagen: Anzugeben.
Wozu, wenn nicht dazu ist diese soziale Netzwerkplattform schließlich da, sieht man mal vom Cat-Content-Bombardement, Kalenderweisheiten, missionarischem Getue („Bloß nicht böllern“, „Immer schön vegan bleiben“…) und Hassreden ab.
Ach ja: Man kann auch Bilder hochladen, wobei man immer darauf achten muss, dass möglichst viele Follower im Moment des Betrachtens der Bilder mindestens eine Spur von Neid empfinden: Mein Auto, mein Urlaub, mein Haus, mein Abendessen, mein Stadionbesuch, meine neue Frisur, mein leeres Schwimmbad, mein schönes Wetter…
Sie kennen das. Darum vertiefe ich das nicht weiter.
In den beiden erwähnten Gruppen gibt es zwar auch gelegentlich Anflüge dieses digitalen Posings, letztlich aber zählt hier das, was man eben tut bzw. getan hat: Schwimmen gewesen sein. Egal, ob viel oder wenig, egal, ob mit fett gelabelter Badekappe, Bordcomputer am Handgelenk oder einfach nur so. Man beklatscht sich, ermutigt sich, motiviert sich und quittiert diverse Einträge mit launigen Bemerkungen, die einfach zu lesen Spaß machen.
Denn nicht wenige Gruppenmitglieder schreiben keineswegs nur, dass sie schwimmen waren und wie viel, sondern liefern immer wieder nette kleine Geschichtchen zum Schmunzeln, zum Aufregen, zum Mitfühlen – und zum Wiedererkennen.
Oft sind die Beiträge mit Fotos garniert, wobei das Spektrum der Bilder naturgegeben überschaubar ist: Schwimmbad von außen oder innen, Selfie auf der Liege oder am Beckenrand, Equipment… erweitert um Trainingsbilder, Garmin-Statistiken und vor allem im Sommer durch zahlreiche Freiwasserbilder. Viele meiner Fotos, die dieses Blog füllt und illustriert, sind zunächst für die Einträge in den beiden Gruppen entstanden.
So heute auch dieses vom Erdinger Hallenbad:

Kaum geht das Bild online, kommen die ersten Likes und auch ein paar sehr nette Kommentare.
So schreibt mir Heike B.: „Euer Schwimmbad steht schief.“ Lachender Emoji inklusive.
Ein Kontrollblick auf das Bild bestätigt das. Heike hat recht. Normalerweise versuche ich, durch Horizontbegradigungen schiefe Bilder zu vermeiden, in diesem Fall war das gar nicht mal nötig, denn die Zaunpfähle und Baumanpflanzungen stehen senkrecht. Das Schwimmbad steht wirklich schief. Endlich macht mich mal einer darauf aufmerksam.
Zunächst dachte ich, das sei Kunst am Bau, immerhin ist diese neue Schwimmhalle erst vor einigen Jahren an das bestehende Schwimmbad angebaut worden – architektonisch besonders pfiffig.
Je länger ich aber darüber nachdenke, umso mehr komme ich dahinter, wie raffiniert das Ganze wirklich ist. Endlich. Wie Schuppen fällt es mir von den Augen.
HEUREKA! Ich hab’s gefunden.
Weil nämlich das Schwimmbad schief steht, läuft das Wasser im Becken auf der einen Seite zusammen. Das erklärt, warum das Becken auf der einen Seite tiefer ist als auf der anderen.
Ungemein clever.
Ungemein praktisch.
Finden Sie nicht?

Danke Facebook. Was wäre ich nur ohne Dich?


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4 Antworten

  1. southpark sagt:

    Danke auf jeden Fall für den Tipp mit den Facebookgruppen. Bin gerade mal beigetreten. Wobei ich nie im Schwimmbad fotografieren würde. Als mittelalter Mann alleine erscheint mir das ein sicheres Rezept zu sein entweder selbst in Teufels Küche zu kommen oder zuminest anderen Anwesenden den Tag unentspannter zu gestalten.

  2. Carrie Shawl sagt:

    Ohne Facebook (aber eher ohne Smartphone) wäre ich deutlich entspannter in Schwimmbädern, weil ich keine Angst haben müsste, dass mich irgendeiner im Badeanzug ablichtet.
    Die Geschichte mit dem schiefen Schwimmbad ist aber lustig :D

    • Lutz Prauser sagt:

      Hey , danke für den Kommentar. Ist übrigens ein ehr guter Impuls für ein Thema, über das ich auch mal was schreiben könnte. Fotografieren in Schwimmbädern ist immer etwas „heikel“. Dazu könnte ich mal ein paar Gedanken absondern.

      • Carrie Shawl sagt:

        Fände ich gut.
        Mir ist ja aufgefallen, dass du nie Menschen fotografierst, das bekommst du immer ganz gut hin. Mir ist es nur mal passiert, dass welche am Beckenrand standen und fotografierten und ich fühlte mich deutlich unwohl dabei. Sicher ging nachher einer aus meiner Gruppe hin und die versicherten nur sich gegenseitig fotografiert zu haben, aber es hinterlässt ein komisches Gefühl und man fühlt sich deutlich unfreier, wenn alleine die Möglichkeit besteht, dass man irgendwo im Socialmedia in Badebekleidung erscheint und wenn es nur im Hintergrund ist. Im richtigen Zusammenhang wird man doch erkannt.

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