Man muss auch Gönnen können

Gönen können kann ich. Auch mit SchalMan muss auch gönnen können.
Klar.
Das kann ich.

Vor allem dem Spitzbuben, der am vergangenen Freitag einen Schal in der Umkleidekabine im Erdinger Schwimmbad gefunden und nicht an der Kasse abgegeben sondern mit nach Hause genommen hat.

Klar gönne ich dem Menschen diesen langen, weichen, flauschigen Schal in dunkelblau und Türkis. Auch wenn es eigentlich meiner ist.
Ich habe ihn hängen gelassen, was zugegebenermaßen ziemlich blöd ist. Aber wenn einem beim Ankleiden die Hitze plötzlich flasht, wenn man nur noch raus will aus der Kabine, das Gefühl hat, dort wie in der Dampfsauna zu hocken und frische Luft braucht, dann kann man es schon mal schlagartig eilig haben.
Tasche greifen, Jacke über den Arm… raus.

Der Schal blieb zurück. Mein Lieblingsschal.
Nun schlingt er sich um den Hals eines anderen, denn der hat ihn – wie bereits erwähnt – nicht an der Kasse abgegeben und sich damit der Unterschlagung einer Fundsache schuldig gemacht, ein Eigentumsdelikt nach §246 StGB, das mit einer Geldstrafe geahndet wird; oder mit bis zu drei Jahren Haft.

Wer also wäre ich, würde ich dem schnöden Übeltäter nicht drei Jahre Haft gönnen?

Denn der Schal war am Sonntag, als ich danach fragte, natürlich nicht abgegeben worden. Er ist ja auch besonders elegant.

Und wenn der Ganove nicht für sein Verbrechen zur Rechenschaft gezogen wird?

Dann gönne ich ihm die Krätze an den Hals. Ein Kratzen und Jucken, das den Finder schnurstracks in den Wahnsinn treibt, verursacht durch einen hyperallergischen Schub, ausgelöst vom Schal. Ein asthmatischen Erstickungsanfall, ausgelöst vom Duft der sich im Schal verfangenen Rasierwasser-Reste, wäre auch was Feines. Am besten bei Tempo 140 auf der an ansonsten leeren Autobahn. Damit er dann so richtig was hat von seinem unterschlagenenen Fund.

Oder, falls der Dieb nicht Auto fährt könnte ich mir diese Varianten vorstellen: Dass sich der Schal in den Speichen seines Fahrrads verfängt oder der Tür der U-Bahn. In beiden Fällen könnte sich der mehrfach um den Hals gewickelte Schal strangulatorisch zuziehen. Schön langsam natürlich. Bis die Gesichtsfarbe des Spitzbuben die des Schals annimmt.
Da bin ich ganz großzügig.
Man muss eben Gönnen können.
Und das kann ich.

 


 

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