Gestern bei Obi: Ruhe bitte!

Genießen Sie auch diese himmlische Ruhe, wenn Sie beim Einkauf ganz allein unterwegs sind? Mal ehrlich: Es gibt doch wenig entspannenderes, als durch die Reihen von Super-, Garten- oder Baumärkten zu laufen, ohne dass jemand drängelt oder quengelt.
Von den wenigen samstagmorgendlichen Ausflügen zum Obi mit Freund und Gesinnungsgenossen Bert abgesehen, bin ich am liebsten allein dort. Zwar weiß ich immer genau, was ich kaufen will, zumindest meistens, aber ich lasse mich natürlich auch gern inspirieren.

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Lärm an allen…

Womit wir schon mitten im Thema sind. Denn an Inspiratoren mangelt es an Obi nicht. Damit meine ich jetzt nicht das stets freundliche Fachpersonal, dass den suchenden Kunden mit „Kann ich ihnen helfen“ beispringt. Das gibt es natürlich auch. Damit meine ich die Sonderverkaufsdisplays mit Monitoren, auf denen die Produkte beworben werden. Das heißt: Werbung ist das ja eigentlich nicht, oder will es nicht sein.
Informative Clips sollen erst unsere Aufmerksamkeit auf sich und dann unser Geld aus der Tasche ziehen.
Obi ist – das wissen Sie – voll gestellt davon. Aus allen Ecken und Enden dröhnt es auf die Käufer ein.
Wie früher die Marktschreier oder die fliegenden Händler in der Fußgängerzone.
Über all dem tönt das Einkaufsradio Gedudel, unterbrochen von Nachrichten zur halben und vollen Stunde. Brauch ich eigentlich auch nicht, um mein Einkaufsgefühl wohlig zu steigern. Aber man muss ja auch mal an die Mitarbeiter des Marktes denken. Die wollen ja sicher auch wissen, was den ganzen Tag über passiert und freuen sich, zigmal die gleichen Nachrichten zu hören…

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Ecken und Enden.

Ruhe hat man also nicht. Pfannen, Messer, Fußmatten. Farbe, Tapetenkleber, Pattex, Perlatoren und sonstiges Zeugs zum Trinkwassersparen…
Was wird nicht alles über diese störend-lästige Werbeform angeboten?
Und – ein Schelm, wer Böses dabei denkt – ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass die größte Dichte dieser Plärrer in den Abteilungen für Haushalswarten aufgebaut ist? Nicht ausschließlich aber doch überwiegend werden von Obi so Produkte beworben, die selten in den Einkaufswägen der Männer liegen.
Da fragt man(n) sich dann schon, was das zu bedeuten hat. Will Obi die ihre Männer begleitetenden Frauen mit Werbung unterhalten, während selbige sich in der Holzabteilung Bretter zuschneiden lassen? Oder will Obi Männer animieren, ihren Liebsten daheim schnell mal was Feines mitzubringen?
Nicht abwegig, mein Vater hat früher immer von den fliegenden Händlern in der Fußgängerzone Gurkenhobel, Spiegelputztücher und Pfannenschaber gekauft und meiner Mutter mitgebracht, die sich für selbiges pflichtbewusst begeistert zeigte, bevor sie all das Mitgebrachte heimlich im Mülleimer entsorgte.

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Jeder will was verkaufen…

Aber mal ehrlich: Haben Sie je einen Kunden gesehen, der vor diesen Monitoren stehen geblieben und sich entspannt das ganze Filmchen angesehen hat – so vom Anfang bis zum Ende?
Gibt es nur einen einzigen lebenden Beweis, dass diese Abverkaufshilfen wirklich funktionieren?
Wenn ja: Lassen Sie es mich wissen?
Ich jedenfalls habe das noch nie gesehen. Nicht mal kleine Kinder, die sich sonst von jedem Flimmerbild gefangennehmen lassen, interessiert, warum eine Messersetz oder ein ballförmiger, pickeliger Waschmaschinenzusatz so genial ist, dass man das Zeug einfach kaufen muss. Und so dudelt und plärrt es tagsaus tagein ins Leere. Und nervt.
Gewaltig.
Mich zumindest.
Und ich frage mich, ob es den orange-beleibten da nicht anders geht. Aber vielleicht nehmen sie es auch schon gar nicht mehr wahr. Begnadet, wer seine Ohren im rechten Moment komplett auf Durchzug stellen kann.

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seine Waren anpreisen…

Wenn Sie, liebe Leser, das genauso wenig können wie ich, dann sollten wir gemeinsam die Obi-Markteitung bitten, diese Dinger einfach ausszuchalten. Wenn es als Abverkaufshilfe sowieso nicht funktioniert (was erst noch zu klären wäre), dann reicht es doch, die Ware besonders attraktiv zu platzieren. Obi spart viel Strom und wir sparen uns das lästige Geplärre.
Mir wäre jedenfalls wohler dabei.
Also versuchenUnd Sie, liener Herr Obi wollen doch sicher, dass ich ein Wohlfühlkunde bleibe.
Ich komme doch schließlich öfter.
Ich bin Stammkunde und komme mindestens zwei Mal im Monat in einen Ihrer Märkte, auch wenn die Umsätze nicht immer besonders groß sind. Aber irgendwas kaufe ich eigentlich immer. Nicht nur Futtertiere, Katzengras oder Zimmerplfanzen.
Manchnmal ist auch eine Steckerleiste dabei, eine Leuchtstoffröhre, Glühbirne oder ein Päckchen neue Bohrer.
Das ist doch schon was.
Da kann man doch ein wenig Entgegenkommen erwarten.
Oder?
ODER?

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oder sonstwie stören.

Sonst komme ich demnächst vielleicht nur noch mit iPod im Ohr in den Markt.
Das ist zwar nicht ruhiger, aber wenigstens höre ich nur EIN Programm.
Meines.
Aber dann fragen Sie mich bitte auch nicht mehr:
„Kann ich Ihnen helfen?“
Falls doch, würde ich Ihnen sicher antworten: Stellen Sie erst mal ihr Gedudel aus, dann mach ich meins auch aus.
Und dann reden wir weiter.
So von Mensch zu Mensch.

1 Kommentar


  1. Für Filmschaffende ist das Baumarktvideo das Gulak der Cinematographie. Tiefer kann man nicht sinken, als wenn man vor Kollegen zugeben muss „Baumarktvideos“ zu drehen. Und ich muss das wissen, ich habe mal bei einem über Autopolitur als Kameraassistent mitgewirkt, aber das war wenigstens noch beim richtigen Film mit einer 16mm Kamera … aber das macht meine Schande wohl auch kaum geringer …

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