Gestern bei Obi (7): Nicht alles was glänzt, ist aus Gold

Das ist nun wahrlich keine hochtrabende Erkenntnis, dass nicht alles, was glänzt, tatsächlich auch aus  Gold ist. Das gilt natürlich auch in meinem heiß geliebten  Baumarkt – oder gerade dort.Und nicht nur bei den Metallwaren und in der Abteilung für Farben und Lacke.

Das gilt auch – wie ich im Frühsommer bemerkt habe – in der Gartenabteilung.
Gern streune ich zwischen den Verkaufstischen, schaue, was es Neues gibt, was ich brauchen könnte und was in unseren Garten passt. Und so manche Pflanze landet im Einkaufskorb.
Gartler wissen das: Es gibt immer etwas zu pflanzen. Beete wirken vor allem im Frühjahr so öd und leer. Da passt immer noch eine Staude dazwischen.
Ein leuchtend grüngoldenes Gewächs, das ich schon aus der Ferne erspähe,  hat es mir angetan: Eine Berberitze (Berberis), die zwischen all den Pflanzen optisch wunderbar heraussticht. Die wäre doch schön, so denke ich mir. Das Sträuchlein passt sicher irgendwo in eines der Beete. Nur: Wohin? Was braucht denn das gute Stück? Einen eher sonnigen oder einen eher schattigen Platz? Wie groß wird der Strauch – man will ja nicht, dass einem alles über den Kopf wächst.  Man weiß es nicht, man muss sich informieren.
Das mache ich dann auch. Gott sei Dank hängen an vielen – leider nicht an allen – Pflanzen entsprechende Hinweisettikette. Und da lese ich auch gleich, wie die wunderbare Pflanze heißt: Berberis thunbergii. Aha, die grüne Heckenberberitze. Nur ist sie eben alles andere als grün. Die Blätter haben einen wunderbar gelblichen Schimmer. Klar: Es ist ja auch nicht irgendeine popelige Heckenberberitze. Es ist ja die Berberis thunbergii GOLDEN TORCH® und damit ist auch schon alles gesagt. Die Fackelberberitze, die goldene – etwas ganz Besonderes. Eine Zierde für jede Rabatte.
Schaut schön aus, denke ich mir. Und was muss ich sonst noch über die Pflanze wissen? Das ® hinter dem GOLDEN TORCH hätte mich schon stutzig mmachen sollen, hat es aber nicht.
Als ich das Ettiket umdrehe, wird mir schlagartig klar, was hier zum Verkauf steht. Eine gezüchtete, registrierte und geschütztzte Pflanzen“art“. Das ist aber nicht etwa im Sinne des Pflanzenschutzes zu verstehen. Ich kenne geschützte Arten aus der Tierwelt: Tierarten, die nur sehr eingeschränkt gehalten und gehandelt werden müssen, weil sie auf der Artenschutzliste als stark bedroht aufgeführt sind. Aber nicht etwa darum geht es bei dem Büschlein. Die Fackelberberitze ist zwar auch eine geschützte „Art“ aber eigentlich ist es eine „Sorte“. So wie der Zuchtmais. Nicht aus biologischen Gründen geschützt, sondern aus markenrechtlichen… Und damit es auch ja jeder versteht: Die Vermehrung ist verboten. Noch drastischer sagt es der englische Text: Unlicensed propagation forbidden. Klar, man könnte ja sonst ohne eine Lizenz erworben zu haben, ein Markenplagiat im Garten heranwachsen lassen und eine schwerwiegende Markenrechtsverletzung begehen.
Nicht auszudenken, was da alles passieren kann. Was, wenn das Sträuchlein sich von ganz allein, ohne mein Zutun bermehrt, seinen Samen im Garten verteilt und plötzlich ein weiteres Fäckelchen entsteht? Bin ich dann auch so ein Krimineller wie die Nutzer von Fileshring-Plattformen, die sich gegenseitig illegal mit Filmen und Musik versorgen? Werden demnächst Heerscharen von Ermittlern ausschwärmen, nicht mehr auf der Suche nach illegalen Hanfplantagen im Gewächshaus, sondern sie spüren illegale Fackelberberitzen-Vermehrer auf? Und wehe, man hat nicht pro Pflanze einen Kaufbeleg – dann wird’s brenzlig.
Was also gegen die illegalen Nachzuchten tun? Sie mit Stumpf und Stil herausreißen? Ab in die Biotonne? Und wenn der Mitarbeiter am Wertstoffhoff mich verpfeift? „Hallo hören Sie, da hat heute einer eine GOLDEN TORCH ® in die Tonne geworfen…“ flüstert da nicht schon einer hinter vorgehaltener Hand in sein Mobiltelefon? Wen ruft er an?
Klar, der hat mich auf dem Kieker: Immerhin habe ich ja, wenn ich sie jetzt vernichte, den Tatbestand der illegalen Vermehrung bereits erfüllt. Wie kann ich beweisen, dass die Pflanze das ganz ohne mein Zutun gemacht hat; einfach so, aus Liebe zur Fortpflanzung? Oder, um den Sinn ihrer existenz zu entsprechen: Stoffwechsel zu betreiben und sich zu vermehren. Denn das allein qualifiizert ein Lebewesen als ein solches.  Oder vermehrt sich das Mistviech aus Heimtücke, ist es vielleicht sogar so „entwickelt“ worden, damit der Lizeninhaber Pandoras Box in die Gärten bringt und dann mal schnell der Rechteinhaber jemandem zum Abkassieren schickt. „Sie wussten doch, dass sie das nicht hätten tun dürfen. Und nun her mit der Strafe wegen Lizenzvergehens. Und erzählen Sie bloß nicht, die Pflanze hätte das von ganz allein getan…“
Ich glaube nicht, dass ich mir so ein Teufelskraut in den Garten holen sollte. Viel zu riskant, so goldig ist das Gestrüpp dann auch wieder nicht, dass ich mir den Ärger frei Haus mitliefern lasse. Wir leben schließlich in Bayern. Die Fackelberberitze bleibt im Baumarkt, zum Glück gefällt sie meiner Frau sowieso nicht…
Schade eigentlich, denn sie schaut schon gut aus.
Also die Berberitze.
Und meine Frau sowieso!

1 Kommentar


  1. ich meine mich daran zu erinnern, einmal ein paar Schwarze mit kleinen Stecklingen auf einer Decke nachts in einer südlichen Grossstadt gesehen zu haben. Als eine Polizeistreife auftauchte falteten sie die Decke schnell zusammen und rannten fort. Ein anderer bot sie aus einer Hermes-tasche feil … die waren bestimmt gefälscht, oder illegal nachgezogen. Ein Bekannter von mir kauft seine Rabatten immer in Tschechien, wenn er vom Tanken kommt …

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