Buxenparade (Teil 14): Die hat wohl jeder hier


Es gibt wohl keine Badehose in meiner Sammlung, die ich so oft im Einsatz sehe, wie die graue Jammer von Adidas. Egal, ob ich in Erding oder Taufkirchen im Schwimmbad bin oder an einem der Weiher – wenn ich andere Schwimmer sehe, die eine Hose tragen, die ich auch besitze, dann ist es genau diese. Zwar rennt mir nicht jedes Mal jemand mit der gleichen Buxe über den Weg, gelegentlich aber passiert es doch.
Das ist, so vermute ich, nicht dem einzigartigen Tragekomfort, der Passform oder dem ultra-eleganten Design geschuldet. Nichts davon nämlich besitzt die Hose. Sie trägt sich zwar gut, aber so herausragend, dass sie damit zum Verkaufsschlager hätte werden können, ist sie dann doch wieder nicht. Und ein wahrer Hingucker ist sie auch nicht. Da gibt es wahrlich auffälligere Blickfänger in meiner Buxenkollektion, was die Hose zum Textil meiner Wahl machte, als ich unlängst auf königlichen Pfaden wandelte bzw. schwamm und mich vor lauter Ergriffenheit am Todesort des bayerischen Monarchen kaum hinzustellen wagte – nur um herauszufinden, dass man hier kaum ertrinken kann, es sei denn mit Fremdeinwirkung oder unter aktivem Willen, selbiges zu tun, was aber eine andere Geschichte ist…

Zurück zum Thema:
Nun ist es nicht gerade so, dass ich ein intensiver Beobachter dessen bin, welche Badehosen die anderen Schwimmer tragen. Trotzdem meine ich, behaupten zu dürfen, dass es so dermaßen viele unterschiedliche Modelle gibt, dass man selten mehrere Leute mit der gleichen Buxe im Becken sieht – uniformierte Vereinsschwimmer und die großen zeitlosen Klassiker mal ausgenommen. Und selbst die dürften sich in Nuancen unterscheiden, eine schwarze Badehose in Slipform gleicht noch lange nicht einer anderen schwarzen Badehose in Slipform. Wobei ich zugeben muss, dass ich das noch nicht im Detail untersucht habe und selbiges auch nicht plane.
Die graue Jammer aber sehe ich dann doch in gewisser Regelmäßigkeit – und nicht nur an mir.
Der Grund dafür ist kolossal profan. Ein großer Sportartikel-Discounter, der im Gewerbegebiet von Erding eine Filiale hat, offerierte im vergangenen Jahr eine große Menge dieser Hosen zum Schnäppchenpreis. Und da war ich offensichtlich nicht der Einzige, der zugeschlagen hat. Bei solchen Angeboten kann ich nur schlecht nein sagen – und da geht es anderen wohl genauso.
Also graut es überall in Becken und Weihern, immer dezent abgesetzt mit drei blauen Streife auf der linken und rechten Flanke.
Lauter Füchse sind wir, die mit den grauen Buxen. Sparfüchse.
Und da gemeinsame Kleidung urplötzlich das Zugehörigkeitsgefühl zum Rudel weckt, grüßt man sich grinsend und wissend. Gemeinsamkeiten verbinden, ob man das nun gutheißt oder nicht.
Der unausgesprochene Dialog, der sich nur in einem kurzen Lächeln versteckt, kann kaum anders klingen als so:
„Da war wohl auch im vergangenen Sommer einer auf Schnäppchenmarkt und hat Beute gemacht.“
„Genau.“
„Und ich weiß auch wo.“
„Ja… ich auch.“
„Ist aber auch ne Superhose.“
„Ja, stimmt. Ich trag die total gerne.“
„Ich auch.“
„Und der Preis… echt super.“
„Stimmt, wenn man bedenkt, was die vorher gekostet hat.“
„Man muss ja bescheuert sein, immer die neuesten Modelle zu kaufen.“
„Jup.“
„Na dann, viel Spaß noch.“
„Ebenso.“
Und dann wird weitergekrault.
Männer können so herrlich unprätentiös sein. Ich möchte nicht wissen, zu welchen Dramen es am Pool im Ferienresort in Hurghada kommen kann, wenn zwei Frauen im gleichen Bikini dort aufschlagen…


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