Der Sommer ist am Ende und Yvonne ist es auch bald

Der Sommer 2011 geht zu Ende. Und wie jedes Jahr kommen mit dem Herbst die nachrichtenrelevanten Themen zurück. Will sagen: Auch das Sommerloch 2011 verschwindet nach und nach. Damit ist auch die Geschichte ihrer Hauptprotagonistin, der entlaufenen und mittlerweile wieder eingefangenen Kuh Yvonne zu Ende erzählt.
Sollte man meinen. Ist aber nicht so.
Heute zum Beispiel titelt eine Münchner Boulevard-Zeitung, sie habe die Kuh Yvonne in ihrem neuen Zuhause besucht. Sicher,, die Gattung der Home-Stories ist nicht gerade neu, und sicher hat der Boulevard schon so manches Rindviech in den eigenen vier Wänden portraitiert. Aber bei Vierbeinern ist es doch eher ungewöhnlich.
Wäre Yvonne nur halb so clever, wie ihr die oberbayerische Bevölkerung noch vor wenigen Tagen attestiert hat: Sie wäre wohl kaum freiwillig zurückgekehrt. Was sie nicht wissen konnte und was die Home-Story taktvoll verschweigt, ist das Grauen, das nun auf Yvonne wartet.

Glückliche Almkühe
Glückliche Almkühe

Wäre ich Yvonne, ich hätte mich in die Alpen durchgeschlagen und heimlich auf einer Alm zwischen die Kühe geschmuggelt. Die schauen glücklich aus. Wenn ich der Werbung Glaubens schenke, und warum sollte ich das nicht tun, ist das Wiesengras in den Bergen das Beste überhaupt. Dazu die frische Luft, das gesunde Wasser, Idylle pur…
Statt dessen hat Yvonne sich für das Los „Gnadenhof“ entschieden,

und das bedeutet sicher nicht Glückseligkeit a la „Golden Girls“ Man stelle sich bitte einmal vor: Altersschwache, debile, krüppelige Viecher, die männlichen gleich in Serie entmannt… Eine Gesellschaft, die man seinem ärgsten Feind nicht wünscht.
Schlimmer aber ist, dass sie durch ihre Popularität sicher der Star auf Gut Aiderbichl wird. Es steht zu befürchten an, das die vermeintlich-tierliebe Münchner Schickeria bei jedem erdenklichen Abstecher nach Aiderbichl Yvonne heimsuchen wird. Busladungen von Fotografen und Kamerateams werden dabei sein, wenn sich DJ Ötzi, Ralf Bauer, Carloin Reiber, Karl Moik und andere einfinden, um ihre Spendenschecks medienwirksam zu überreichen. Und immer wird es Yvonne sein, die in Szene gerückt werden wird.
Wenn das allein keine Albträume verursacht, dann wird es spätestens der Weihnachtsmarkt auf dem Gut. Es ist eine wage Prophezeiung, aber vielleicht wird dann Yvonne komplett durchvermarktet sein, von „Knut“ lernen heißt: Kasse machen.
Auf Tassen und T-Shirts, Kissen und Kugelschreibern – Yvonne ist allgegenwärtig, während das Kamerateam dem Gastgeber der gleichnamigen Volksmusik-Weihnachtsshow in den Stall folgt. Wer wird es sein? Carmen Nebel? Oder Hansi Hinterseer oder Maxi Arland? Hoffen wir, dass, sollte es ein männlicher Moderator sein, selbiger genug Taktgefühl aufbringt, nicht gerade in der Hirschledernen aufzuwarten.
Einen Vorschlag hätt ich aber noch: Warum nicht Yvonne formatfüllend auf einer Grillschürze? Das hätte wenigstens einigermaßen Witz. Vor der Kühlerschürze ist sie ja verschont geblieben.
Dabei stand es ja spitz auf knopf. Der Devise „Freie Fahrt für freie Bürger“ folgend war ihr Abschuss ja angekündigte und beschlossene Sache. Kann ja nicht sein, dass Yvonne am Ende noch in einen schmucken 7er BMW eines Landrats gerannt wäre. Ein Thema, das wir bereits hatten…

Korsische Kühe am Straßenrand
Korsische Kühe am Straßenrand

Bleibt das „Aber“: Wie schaffen es eigentlich Südländer, jahrelang unfallfrei durch ihre ländlichen Gebiete zu fahren, ohne mit den uneingezäunt am Straßenrand grasenden Rindern zu kollidieren? Weder Warnschild noch eine Geschwindigkeitsbegrenzung regelt den Verkehr auf einer Straße ins korsische Hinterland. Kühe stehen manchmal mitten auf der Fahrbahn. Einheimische wissen das wohl, Touristen müssen sich mit einem Warnhinweis im Reiseführer begnügen. Und es funktioniert trotzdem. Eine Erklärung hätte ich, aber sie ist so absurd und ungeheuerlich, dass ich es kaum wage, sie anzubieten:
Vielleicht sind die Südländer doch die besseren Autofahrer? Und vielleicht machen sie nicht ganz so viel Geschiss um eine Kuh und um ihre Karre…

Keine Kommentare


  1. Ich sage nur Indien…. dort funktioniert es auch Problemlos.
    Notiz am Rande – in Indien ist das Überfahren einer Kuh eine größere Straftat als das Überfahren von Menschen…. Sollte einem zu Denken geben.

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