Den geschenkten Wein schenke man sich selber ein

Als wenn es sonst keine dringenderen Probleme gibt als eine Flasche Wein unbekannter Herkunft…

Nein –im Moment nicht. Denn das dringendste Problem, davon ist Peter überzeugt, ist immer das nächste. Peter, der zum eher selten in diesem Blog erwähnten aber doch regelmäßig auftauchenden Personal gehört, erzählt mir, dass er für eines der größten Probleme der vergangenen Wochenendes nun eine perfekte Lösung gefunden hat. Und zwar eine Excel-Tabelle.
Allein das macht ihn sympathisch, denn auch ich bevorzuge die Anfertigung von Excel-Tabellen für alles und jedes, selbst dort, wo man sie eigentlich gar nicht braucht.

„Und was“, so frage ich Peter, „hast Du jetzt wieder mit Excel auf Deine ganz eigene und geniale Weise gelöst?“
Stolz drückt der Versicherungsmann sein Rückgrat durch, was in gleich ein paar Zentimeter größer macht.
„Kennst Du die Satire, ich glaube, die ist von Kishon, mit der Bonboniere?“
Noch bevor ich antworten kann, skizziert Peter die Geschichte. „Also, da bekommt einer eine Bonboniere geschenkt, die er nicht haben will und weiterverschenkt. Der Beschenkte aber möchte sie auch nicht und so wandert die Bonboniere als Geschenk immer weiter bis sie wieder dort angekommen ist, wo die Geschichte ihren Anfang genommen hat.“
Dumpf erinnere ich mich an die Geschichte. „Ja, die habe ich auch mal gelesen.“
„Ist das nicht peinlich?“
„In der Tat“, pflichte ich Peter bei und befürchte, dass er angefangen hat, in einer Excel-Tabelle einzutragen, was er von wem geschenkt bekommen hat. Und darauf läuft es dann auch hinaus:Geschenkter Wein, wie fein

„Letztlich waren wir spontan bei jemandem eingeladen – an einem Wochenende.“ Das wundert mich, denn Spontanität ist für Peter ebenso ein Fremdwort wie für mich.
„Wir standen also da und brauchten dringend noch eine Kleinigkeit, die wir mitbringen konnten. Und meine Frau meinte, eine Falsche Wein käme immer gut an.“
Da hat Peters Frau Recht. „Also hat sie zwei aus dem Keller geholt und mich entscheiden lassen, welche wir nun verschenken sollen. Das Blöde ist nur, ich wusste von beiden Flaschen nicht, von wem wir die geschenkt bekommen hatten. Denn gekauft waren die beide nicht.“
„Und jetzt hattest Du Angst, den Leuten die Flasche zurückzuschenken, die Du von ihnen mal bekommen hattest?“ frage ich vorschnell auf der Suche nach dem Ausgang dieser Geschichte. „Hättest doch einfach eine neue kaufen können.“
„Eine Flasche Wein aus dem Supermarkt verschenken? Dann kann ich ja gleich eine an der Tankstelle holen. Das kommt ja gar nicht in Frage“, antwortet Peter leicht ungeduldig. „Da nehme ich lieber eine richtige – eine von den guten. Aus meinem Keller.“
„Und damit warst Du in der Gefahr, ein Geschenk unabsichtlich zurückzuschenken“, kommentiere ich.
„Nicht ganz“, korrigiert mich Peter. „Aber es waren noch andere Gäste da. Leute, die auch bei jeder Gelegenheit Wein mitbringen. Und wie peinlich wäre es, wenn wir dem Gastgeber eine Flasche überreichen, die wir genau von denen bekommen haben, die auch eingeladen sind. Dann denken die bestimmt, wir würden deren Geschenk weiterverschenken.“
Ich sehe ein: Das ist ein Riesenproblem.
„Aber das machen doch alle…“ baue ich ihm eine Brücke, um aus der Problemzone heraustzukommen.
„Möglich…“, knurrt Peter nun etwas gereizt. „Aber das heißt nicht, dass ICH das mache.“
„… oder zumindest nicht dabei erwischt werden willst“, grinse ich ihn an. „Und jetzt hast Du das mit Excel gelöst?“

Wein im GlasPeter nickt. „Zuerst hatte ich überlegt, die Flaschen, die wir geschenkt bekommen haben, mit einem kleinen Etikett zu versehen, auf das ich schreibe, von wem wir die Falsche bekommen haben. Aber das war mir dann doch zu riskant. Stell Dir mal vor, wir verschenken die weiter und vergessen das zu entfernen.“
Das wäre allerdings hochnotpeinlich. Also grätsche ich in seine Ausführung und bestätige dies mit einer kleinen Erzählung: „Oh ja, das erinnert mich an eine Firmenweihnachtsfeier vor vielen Jahren, als ich noch woanders gearbeitet habe. Da überreichte unser Geschäftsführer einer Kollegin ein Buch, um sie besonders auszuzeichnen. Plötzlich hatte die Kollegin eine Weihnachtskarte in der Hand, die im Buch gelegen hatte. Der Geschäftsführer lief rot an, denn die Kollegin öffnete natürlich die Karte. Du weißt, wie das ausgegangen ist: Er hatte das Buch selbst geschenkt bekommen und gleich wieder eingepackt, um es weiterzuverschenken. Und das Ganze vor der versammelten Firma…“
„Genau – sowas kann man vermeiden. Ich habe also überlegt, ob ich die Weinflaschen alle fotografieren soll, aber dann sitze ich später ewig da und muss die Bilder durchsuchen. Also gibt es jetzt eine kaum merkbare Nummer auf der Flasche und ich habe eine Liste, in die ich eintrage, wann wir die Flasche geschenkt bekommen haben und von wem…“

So kenne ich Peter. Das ist seine Art, Probleme zu lösen.
Ich wüsste allerdings einen sehr viel einfacheren Weg: Den geschenkten Wein einfach selber trinken…


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