Blogparade: Weiß/Blau – Blau/Weiß – Eine erfolglose Spurensuche

Seit einigen Jahren veranstalten die Münchner Ironblogger Blogparaden. 2015 schrieben wir alle über München und ich widmete mich der Frage, dass der Münchner im Umland nicht autofahren kann. 2016 ging es um das Thema Leidenschaft und ich brachte schwarzgelbe Vereinsliebe zur Sprache
In diesem Jahr geht es für uns Iron Blogger um das Thema Weiß-Blau oder seine Umkehrung Blau-Weiß. Gestern plauderte Claudia über die bunte Vielfalt und eine Reise in die Kunst. Morgen wird sich Kommunikationsprofi Doris zu diesen Farben äußern.
Vor einer Woche griff ich das Thema bereits im Schwimmblog auf. Nachzulesen hier.

 

Blau-Weiß ist eine Farbkombination, mit der ich schwer tue. Das hat natürlich zuallererst etwas mit meiner schwarzgelben Seele zu tun, jeder Borusse entwickelt schnell eine ganz natürliche Aversion gegen alles Blau-Weiße. Nicht umsonst nennen wir die Kasper in Herne-West Schlümpfe. Die sind genauso blau-weiß, wie der Verein, dessen Name mir einfach nicht über die Tastatur kommt. Ich will nicht Gefahr laufen, sprichwörtlich wie die storchig braune Trixi mauszurutschen, falls ich es doch versuche und am Ende Schei.e 03+1 schreibe.
Die Umkehrung – also Weiß-Blau – ist der Himmel der Bayer und das hiesige Landeswappen. Als Nichtbayer und im Status des geduldeten Zugroastn kann ich über Weiß-Blau trotz Münchner Großmutter wenig sagen, soll es nicht anbiedernd an die bajuwarischen Nachbarn klingen. Will ich also nicht über schneebedeckte Berge unter blauem Himmel oder Schäfchenwolken schreiben, was ich den Outdoor-Bloggern unserer Parade überlasse, dann muss ich lange suchen.

Blau-weiß im benachbarten Tirol
Blau-weiß im benachbarten Tirol

Ich versuche eine biographische Annäherung, aber auch die bleibt recht dürftig. Diese Inspirations- und daraus resultierende Sprachlosigkeit mag vielleicht aber auch einen Grund tief in meiner kindlichen Sozialisation haben.
So hat zum Beispiel mein Vater nie – NIE! NIE! NIE! – bei Aral sondern immer nur bei Esso und später bei DEA getankt. Meine Mutter zog immer schon die orange Creme 21 der blau-weißen Nivea vor. Wie also soll blau-weiß funktionieren?
Natürlich ist es nicht so, dass nicht heute blau-weiße Produkte in unserem Haushalt in großer Zahl zu finden sind, aber eine besondere emotionale Beziehung gibt es dazu ebensowenig, wie eine verklärende Erinnerung oder erzählenswerte Anekdote von früher. Letzteres lasse ich sowieso lieber weg, sonst laufe ich Gefahr, die Behauptung, „Früher – wir hatten ja nicht…“ Lügen zu strafen.

Blau-weiß in den eigenen vier Wänden
Blau-weiß in den eigenen vier Wänden

Erwähnenswert wäre vielleicht das blau-weiße Kaffeegeschirr meiner Mutter im Design Indischblau , von dem sie immer behauptete, dass es Zwiebelmuster heißt. Das war das gute Geschirr und kam nur auf den Tisch, wenn wir Kinder uns zu verdünnisieren hatten: Also die Damen der Nachbarschaft zum Kaffeekränzen anrückten. Für diesen illustren Kreis hatte sie, obwohl ihr jegliche Form von Handarbeiten ein Graus waren, sogar eine tiefblaue Tischdecke mit einer weißen Spitzenborte versehen.
Bei Blogger Matthias Lange, der in der vergangenen Woche seinen Beitrag zur Parade geschrieben hat, lese ich von seinen blau-weißen Wellensittichen Lilly und Sinatra. Eine sehr originelle Idee. Mein Wellensittich wurde Pico genannt, obwohl er eigentlich hätte Hansi heißen sollen. Wie originell! Vor allem: Er war gelb grün. Wieder Fehlanzeige.

Auch ein Blick in den Kleiderschrank verrät: Blau-Weiß ist Mangelware, von einem karierten Hemd für die Oktoberfest-Zeit abgesehen. Keine blau-weiße Badehose (nur eine blaue mit weißem Kordelzug), kein blau weißes T-Shirt (nur ein weißes mit dem blauen Schriftzug „Just keep swimming“), keine blau-weiße Jacke (nur ein alte blaue Jeans-Jacke, aus der weiße Fäden heraushängen)… nicht mal ein blau-weißer Schlüppi.
Garderobe in weiß: Ja, auch in Blau. Reichlich. Aber die Kombination aus beidem in nur einem Textil scheint geradezu toxisch für mein Gemüt zu sein.
Einen blau-weißen Pullover aber hatte ich, früher. Sie wisssens schon – als wir nichts hatten.
DerPullover war von meiner damaligen Freundin selbst gestrickt, damals als alle Mädchen in der Oberstufe im Unterricht noch die Nadeln klappern ließen. Die Farben hatte ich ausgesucht: Ein tiefes, fast schwarzes Blau und ein Wollweiß, so dass nicht aus Versehen irgendwer hier eine Annäherung an die Königblauen aus der Herner Turnhalle hätte hinein deuten können. Der Pullover war von Anfang an zu klein – welch ein Symbol für eine knapp elfmonatige Teenager-Beziehung. Mit Ende der Freundschaft starb auch die Liebe zum Pullover, und nachdem er sich in den falschen Wäscheberg geschlichen hatte und kräftig geschleudert worden war, war er sowieso nur noch als Puppenkleidung zu gebrauchen. Oder ich hätte ihn meinem damals deutlich kleineren Cousin überstülpen können, aber der hatte selbst einen blau-weißen Pullover.

Bullover blau-weiß
Dreieinigkeit mit Cousin und Bruder

Bleibt eigentlich nur Eine:
Blue Jeans uns weiße T-Shirts. Das trug ich bisweilen auch gerne, heute eher seltener.
Daher bilde ich mir ein, dass mit den ersten Versen aus Lana del Rays Song Blue Jeans unbedingt ich gemeint war:

Blue jeans, white shirt
Walked into the room you know you made my eyes burn
It was like, James Dean, for sure
You’re so fresh to death and sick as ca-cancer

blau-weiß: Jeans uns TShirt
Blue Jeans – white Shirt.

Das war’s dann aber auch. Ich meine:

You were sorta punk rock, I grew up on hip hop
But you fit me better than my favourite sweater, and I know
That love is mean, and love hurts

… passt dann eher weniger.
Blau-Weiß?
Es bleibt schwierig.
Eine Liste der bei dieser Parade teilnehmenden Blogger finden Sie hier.


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