Blogparade: ‚Unsere Happy Places‘ – Die drei zwingend notwendigen Komponenten

Drei Komponenten sind zwingend notwendig, will ich über Happy Places sprechen. Und das will ich. In Hannah Dürrs Reiseblog Spirit of Travelling, auf den ich auf der Seite blogparaden.de gestoßen bin, las ich den Aufruf zur Blogparade Unsere Happy Places. Klingt spannend: Es geht um die Orte, die unsere Seele berühren. Die uns glücklich machen, wo wir uns leicht und unbeschwert fühlen und die uns mit einer seltsamen inneren Zufriedenheit erfüllen.

Und es klingt beruhigend, dass hier – auch wenn vermutlich viele Blogger, die dort mitmachen werden, besonders exotische Orte in postkartenidyllischer Schönheit benennen werden (wozu ist man schließlich Reiseblogger?) – ein Ort gemeint ist, der einem einfach besonders am Herzen liegt.
Wer nicht gerade viel und intensiv reist, wird einen solchen Ort wohl nicht in einer anderen Gegend oder gar einem anderen Land finden, noch viel weniger, wenn er jedes Mal woanders hin fährt. So wie ich.
Also kann mir zumindest im Urlaub gar kein Happy Place erwachsen, denn spontane Verliebtheit und hohe Emotionalität liegt mir nicht, zumindest nicht in dieser Frage.
Orte, die meine Seele berühren, müssen mir auf eine ganz eigene Art sehr vertraut sein, selbst wenn ich nicht sehr oft dort bin. Vertraut, behaglich, sicher. Orte, an denen ich ewig bleiben könnte, Orte, zu denen ich immer wieder gern hinkomme. Davon gibt es zugegebenerweise nicht viele. Vielleicht die Bank am Waldrand hinter dem Haus – schon einmal habe ich im Rahmen der Blogparade Eure schönsten Orte darüber geschrieben. Denn hier stimmt einfach alles. Vor allem die drei Komponenten:
Der Ort – die Ruhe – ich.

Happy Places - eine Bank

Es gibt eine unfassbar gute Szene in dem mittlerweile über 30 Jahre alten Film Diva, in dem Gorodish (Richard Bohringer) dem jungen Jules Zen und die Kunst, ein Baguette mit Butter zu bestreichen, erklärt. Am Ende nämlich ist alles eines: Er, das Messer, die Butter, das Baguette. Und genau das zeichnet meine Happy Places aus. Das mag ekelhaft esoterisch klingen, ist aber gar nicht so gemeint. Ein Happy Place kann für mich nur ein Ort sein, in den ich quasi hinein(ver)schmilze, was auch den Grund ausmacht, diesen Ort am liebsten nie wieder zu verlassen – denn er ist ein Teil von mir und ich ein Teil von ihm. Kaum mehr voneinander lösbar, ohne, dass etwas fehlt. Der Ort – die Ruhe – ich. Alles wird eins. Spätestens hier dürfte sich einem Hölderlin im Grab (das letzte aller Happy Places) der Magen ausstülpen.
Ein paar Bilder von aktuellen Happy Places mit Happy Moments aus diesem Sommer zeigen, was ich meine:

Die dritte, entscheidende Komponente – und das macht für mich das Auffinden dieser Happy Places enorm schwer – ist ihre Menschenleere, wobei ich bewusst das Attribut Einsamkeit vermeide. Menschenleere allerdings ist unabdingbar. Jede Äußerung eines anderen, die von irgendwoher an mein Ohr dringt, könnte in ihrer Banalität alles zunichtemachen. Der Ruf eines Kindes: „Ihhh, eine Spinne!“, die Aufforderung eines anderen Menschen zu einem Dritten „Lass uns gehen, mir ist kalt!“ oder das triviale „Wie spät ist das jetzt eigentlich!“ würde das Fragile des Augenblicks unweigerlich zerstören.
Man muss kein Misanthrop sein, um das nachzuvollziehen, auch kein Eremit. Man muss nur ein ausgeprägtes Grundbedürfnis, Zeit für sich allein haben zu wollen, mitbringen. Gilt es, den Unterschied zwischen alleine sein und einsam sein zu erklären, dann geht es am einfachsten so.

Das ist der Grund, warum ich Happy Places nur schwerlich in einer Stadt finden kann. Immer ist irgendwo irgendwer, der Stille nicht ertragen kann und einfach loslabert. Oder nach Achselschweiß oder schlechtem Parfum riecht, der Steine ins Wasser wirft, seinen Hund von der Leine lässt, seine Walking-Stöcke in mein Blickfeld stellt und sich selbst mit dazu. Es folgt diese quälend lange Zeit, bis diese ahnungslosen und sicherlich von keinerlei böser Absicht geprägten Mitmenschen dann endlich wieder verschwinden. Und der Ort wieder anfängt, die gerade „verwundete“ Seele zu umschließen.

Das Ganze hat nichts mit Verklärung oder Verkitschung der Natur oder mit hemmungsloser Romantik zu tun. Eher mit der Genügsamkeit gegenüber dem, was mich umgeben muss – bzw. was nicht. Und dem eher geringen Bedürfnis nach fortwährender sozialer Interaktion. Bei der Auswahl der Bilder fällt auf, wie symbolträchtig die Elemente wirken mögen, und wie klischeehaft sie Oasen der Stille illustrieren könnten. Aber auch das ist nicht der Punkt.

Wäre ich nicht schon ein leidenschaftlicher Freiwasserschwimmer, ich würde es werden. Denn zumindest in den größeren oder den weniger bekannten Seen finde ich alle drei Komponenten wieder: Den Ort – die Ruhe – mich. Mehr braucht es nicht.

 

 


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1 Kommentar


  1. Hallo Lutz!
    Ein toller, sehr schöner & ehrlicher Artikel über Happy Places! 🙂 Ja du hast recht – Ruhe zu finden, vor allem emotional, ist super wichtig – und so schön. Und das geht echt nicht, wenn ständig Menschen um einen herumrennen. Es gibt aber auch Menschen, mit denen man gut in der Stille sein kann, die einen ebenso erfüllen und ruhig machen – zumindest geht das mir so. Mit denen kann ich mir dann auch einen schönen Platz teilen und bin trotzdem entspannt und glücklich dort! Aber das sind tatsächlich die wenigsten, generell ziehe ich „Menschenleere“ wie du es so schön nennst auh vor.
    Danke fürs mitmachen 🙂
    Hannah | Spirit-of-Traveling.de

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