Blogparade ‚Eure schönsten‘ Orte: Daheim im Wald

Ironblogger Markus Scholz hat zur Blogparade ‚Eure schönsten Orte‘ aufgerufen. Spontan habe ich mein Fingerchen gehoben und gesagt, dass ich da mitmache. Und dann habe ich angefangen zu überlegen… und zu überlegen. Welche Orte soll ich nennen und was soll ich darüber schreiben?

Spontan fällt mir dieser eine ein – ein wirklich ganz wunderschöner Ort:

Der Wald daheim gleich hinterm Haus

Knapp 300 Meter muss ich an der Straße entlang gehen, dann bin ich im Wald. Natürlich könnte ich das auch schneller: Nur das Grundstück der Nachbarn und ein Feld zwischen unserem Gartenzaun trennen uns von den mächtigen Eichen und Buchen am Waldrand. Einmal über den Zaun, über deren Obstwiese (was uns Nachbarn erlaubt ist) und dann noch 100 Meter am Feld entlang… Der Wald liegt quasi direkt hinter dem Haus. Und das ist großartig.

300 Meter – das ist zu wenig, um bei einem Spaziergang eine erste Verschnaufpause einzulegen und sich auf die Bank zu setzen, die direkt am Waldrand aufgestellt wurde.
Und doch gibt es kaum einen Ort, den ich einladender zum verweilen finde als diesen. Einfach dasitzen, sich die Sonne ins Gesicht scheinen lassen, die Gedanken fliegen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen… einfach nur Dasein. Reicht schon.

Einfach da sein

Lange wird die Idylle nicht mehr bestehen – zumindest wird sie empfindlich gestört. Im Januar haben die Ausbauarbeiten des letzten fehlenden Teilstücks der A94 begonnen. Der Beton frisst sich immer tiefer in die Landschaft, kommt immer näher, veragenenen Sommer bin ich noch auf einen großen Erdhaufen am Ende der Autobahn gestiegen, um ins Land zu schauen. Jetzt wird auch dieser bald abgetragen werden. Die Bahn kommt näher und näher.

Sie kommt

Gemeint ist jene Isentalautobahn, um die Jahrzehnte gestritten wurde, und die die bayerische Staatsregierung aller Vernunft und Argumenten für die sinnvollere Streckenführung an der B12 zu wählen, zum Trotz durchgeboxt hat. Nun also wird sie gebaut, verschlingt ein Zigfaches an Geld und Landschaft im Vergleich zur Alternativroute. Und die Landesregierung kann stolz verkünden, dass man sich nicht noch einmal den Schneid habe abkaufen lassen wie beim Transrapid zum Flughafen, dessen dritte Landebahn mindestens ebenso fragwürdig ist wie politisch um jeden Preis von der CSU gewollt ist. Und was die will, wird gemacht – das ist in Bayern eben so. Wie formulierte doch so treffend der Lengdorfer Sänger und Kabarettist Julian Wittmann auf seiner ersten CD:
„Ois Kind, do bin i gern amoi im Wald draus gwehn, hob gespuit – a lauta Blädsinn gmacht, und tausend Tiere gsehn…. Und wie I Jahre später zum Woid zurückkimm noamoi drama wia a Kind…Der Woid is weg und mit ihm das Lebn, a Autobahn steht do…“

Aber es geht hier nicht ums Politisieren, es geht um einen der schönsten Orte, den ich wahlweise zu Fuß spazierend oder mit dem Mountainbike immer wieder durchstreife… so lange er noch da ist.

Murmeliges Bächlein hinterm Dorf

Oft habe ich die Kamera mit, manchmal „nur“ das Handy, aber selbst damit gelingen hin und wieder ganz gute Bilder. Einige wenige vom vergangenen Herbst habe ich hier zusammengestellt.

Es ist erstaunlich, wie ruhig es bisweilen in dem Wald ist – von den Geräuschen, die der Wald selbst macht, einmal abgesehen. Hin und wieder brummt ein Flugzeug am Himmel, der auf dem Weg zum Münchner Flughafen ist. Demnächst wird auch die Autobahn ihr Grundrauschen in den Wald spülen, aber noch ist es nicht so weit. Noch dominiert das Rauschen der Blätter das Klangbild. Vögel zwitschern, Holz knackt und knarzt.
Gelegentlich hört man das Kreischen von Motorsägen, denn der Wald wird natürlich bewirtschaftet. Aber das kommt nicht allzu oft vor. Spaziergänger, Hundeführer, Mountainbiker, Nordic Walker und Jogger sind zwar gelegentlich zu sehen, manchmal auch ein paar Reiter, aber es ist doch eher die Ausnahme. Dörfer gehen wenig spazieren und für die Städter ist es zu weit.
Die drängt es auch lieber in den Ebersberger Forst, der vor allem durch seine schnurgerade Wegelangeweile anödet.

„Indian Summer“

Völkerscharen naturhungriger Großstädter pilgern bisweilen bei schönem Wetter durch die Schneisen. Vielleicht ist es weniger der Wald als die Wirtschaften, die die Münchner mit Schweinsbraten oder Schwarzwälder Kirschtorte locken, vorher muss man sich allerdings ein wenig die Füße vertreten und die frische Luft in Gottes herrlicher Natur genießen. Dass es mit Natur nicht allzu weithin im Staatsforst ist, steht auf einem anderen Blatt. Das weiß der Städter aber nicht. Wie sollte er auch?
Mir ist das ganz recht, dass das bucklige, bewaldete Land am derzeitigen Autobahnende keine Cafe-, Wirtshaus- oder Biergartenstruktur für Ausflügler bildet und solche anlockt.

Aber es gibt eben diese eine Bank am Waldrand mit Blick auf unser Dorf. Unerträglich ist der Gedanke, wenn die Bank irgendwann einmal von Nordic-Walking-Stöcken-schwingenden, schnatternden und ausflügelnden Münchnerinnen in atmungsaktiver und schweißabsorbierender, pinkfarbener Funktionswäsche von Tchibo belegt wäre. Denn diese passt so gar nicht in unser im Dorf fein abgestimmtes Farbkonzept…

Platz nehmen, verweilen

 

Sollen doch bitte die aufgmaschelten Münchner sonntags in den Perlacher oder Ebersberger Forst gehen. Oder sie bleiben gleich im Englischen Garten wackeln.
Da is a schee, so schee…

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„Bleibts dahoam in Minga. Da is a schee…“

Morgen gibt es dann im Schwimmblog noch einen Beitrag zur gleichen Frage, noch ein schöner Ort – ganz in der Nähe.

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