Blogparade: ‚Die perfekten 48 Stunden in…‘ Hamburg

Vorab: Ich war schon mal in Hamburg, sogar schon öfter. Aber meist waren es geschäftliche Dinge, die mich in den Norden zogen, ein paar mal auch eine Erbschaftsangelegenheit. Was in Erinnerung blieb: Brühe und Stromlosigkeit am Flughafen und zauberhafte Mitreisende. Nicht viel allerdings von der Stadt selbst. Denn eigentlich waren es immer Rein-Raus-Termine, morgens hin und abends zurück.
Nicht so dieses Mal. Einer Einladung Hamburger Schildkrötenfreunde folgend habe ich im April dort einen Vortrag gehalten, ein Freitagabend-Termin. Was eine Gelegenheit, endlich mal einen Städtetrip mit meiner Frau anzuhängen, die volle touristische Dröhnung mitzumachen, einen Blog-Beitrag darüber zu schreiben und ihn im Rahmen der Blogparade „Die perfekten 48 Stunden in…“ zu veröffentlichen. Eingeladen hat dazu Ironblogger-Kollegin Alexandra Lattek, die die Blogparade über TravellersInsight.com ins Leben gerufen hat, dem Reiseblog des Münchner Flughafens. Und da kann man ja schlecht nein sagen.
Hier also 48 touristische Stunden in Hamburg:

 

Freitag: ab 14.00 Uhr

Reisen macht hungrig. Der erste Weg in der Hansestadt führt uns zwar ins Hotel, um uns des Gepäcks zu entledigen, aber kurz darauf machen wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem. Mit leerem Magen wird selbst die schönste Stadt unertäglich, weil gute Laune und Entspannung nur durch einen kräftigen Imbiss wiederherstellbar ist. In Bahnhofsnähe finden wir ein Restaurant, das mir zusagt, wir verdrücken Fleisch bzw. Fisch, danach lassen wir uns durch Sankt Georg treiben. Ein Eis auf die Hand – das erste in diesem Jahr. Noch mal kurz ins Hotel und dann abends zum Vortrag.
Der findet ganz in der Nähe der Elbphilharmonie und der Hafenwache statt, ein Gebäude, das in unzähligen Filmen und Serien bereits Außenkulisse war.
Nach dem Vortrag geht es per S- und U-Bahn zurück ins Hotel, ein Absacker an der Bar (oder zwei) und dann ist die notwendige Bettschwere erreicht.

 Samstag: bis 15.00 Uhr

Früh sind wir am Samstag auf den Beinen. Bevor das Frühstücksbuffet von den vielen Städtetouristen gestürmt wird und die Blauen über die Brötchen herfallen (an dem Wochenende spielt Herne-West gegen den HSV, die Stadt ist also voller Fans des unaussprechlichen Turnhallenverheins), sind wir damit durch und auf dem Weg, die Stadt zu erkunden.
Dieser Weg führt uns über den Hauptbahnhof zu den Landungsbrücken. Am Hauptbahnhof holen wir uns die Hamburg-Card, auf die es viele Vergünstigungen gibt und die Nutzung des ÖPNV kostenlos ist. Die Card ist günstiger als das Tagesticket, das Schnäppchen ist schon gemacht, noch bevor wir um 10.00 Uhr von den Landungsbrücken aus zur Hafenrundfahrt aufbrechen (mit Hamburg-Card ermäßigt) – ein Muss für alle Touris, wie wir welche sind.
Also schippern wir inmitten einer Großgruppe bettflüchtiger Rentnern durch die Speicherstadt. Der Schiffsführer hat offensichtlich einen Clown gefrühstückt, er garniert seine Erklärungen der Sehenswürdigkeiten mit allerlei wohl einstudierten und überflüssigen Scherzen, aber den alten Leuten gefällt’s.
Hamburg Speicherstadt

Mir wieder weniger. Dafür finde ich die frische Brise sehr angenehm. Die Rentner fröstelt’s. Sie bleiben drinnen, ihnen ist kalt, ich bin fast allein draußen und kann hemmungslos den Akku leer fotografieren, ohne dass mir dauernd jemand im Bild steht oder ich um die besten Plätze zum Fotografieren kämpfen muss.
Wir passieren ein ehemaliges Klo, jetzt ein Bistro, dann den Grasbrook, wo 1401 Klaus Störtebecker hingerichtet wurde.

Hamburg: Fleetschlösschen

Wir erreichen die Elbe. Die Witze des Skippers werden nicht besser. Aber die Motive auf dem Fluss werden es umso mehr.

Es geht quer durch den Hafen, ich könnte mehr als nur einen Akku leer fotografieren. Als wir die Elbphilharmonie passieren, kommen weitere Leute heraus. Das Fotografieren wird zunehmend anstrengender, das Gedränge um die besten Plätze nimmt zu. Die ersten alten Leutchen fangen an zu schubsen, andere wanken zurück nach drinnen. Es zieht halt.  Ich habe wieder mehr Platz. Schön so.

Wir passieren eines der größten Containerschiffe der Welt. Rund 32.000 Container kann es transportieren, informiert uns der Schiffsführer. Und in 48 Stunden ist es beladen. So lange wie wir durch die Stadt laufen braucht es, um gigantische Mengen Frachtgut auf das Schiff zu bringen. Die Dimensionen übersteigen ein wenig meine Vorstellungskraft. Gut, dass ich den Pott mit eigenen Augen sehe.
Weitere hundert Bilder entstehen, dann sind wir zurück an den Landunsgsbrücken. Der Akku ist leer, das Ladekabel im Hotel. Der Tag ist hinüber, dabei ist es gerade mal 11 Uhr durch.
Nachdem wir das Rundfahrtschiff verlassen haben und einem zweiten Frühstück (natürlich in einer der Touri-Buden an den Landungsbrücken), gehen wir zu Fuß durch die Speicherstadt zur Elbphilharmonie. Es ist witzlos, sich in der Schlange für die Aussichtsterrasse anzustellen. Stunden würden wir brauchen, um dort hinauf zu kommen. Und wir haben nur 48. Wertvolle Zeit würde verloren gehen. Zeit, in der im Hafen über 1.300 Container auf die Cosco Spain geladen werden könnten.
Wir schlendern durch die Hafen City zum neuen Unilevergebäude samt Langnese-Shop. Auch da unfassbare Schlangen. Menschen stehen für ein Eis an, das sie für den gleichen Preis in nahezu jedem Supermarkt und an jeder Tankstelle kaufen können. Skurril.
Wieder geht es am Grasbrook vorbei, dieses Mal zu Fuß, dann  geht es in die Innenstadt und zum Jungfernstieg. Es ist früher Nachmittag. Man bekommt kein Bein mehr an die Erde. Hamburg ist voll. Nicht wenige in königsblauer Fankluft.
Zeit, ins Hotel zurückzukehren und eine kleine Siesta zu machen… weil das ein so schöner hanseatischer Brauch ist.

Samstag: ab 15.00 Uhr

Eineinhalb Stunden müssen reichen, die Akkus aufladen, also die von den Handies und unsere eigenen, bevor wir zu Fuß quer durch Sankt Georg zur Außenalster gelangen. Kaffee-Zeit. Das Wetter ist traumhaft. Also draußen auf einem Plateau sitzen. Gestärkt geht es anschließend im Gänsemarsch, so voll ist es, an der Außenalster und der Innenalster zurück.
Hamburg Alster im Sonnenschein
Unser nächstes Ziel: Der Michel. Wenn wir schon nicht auf die Elbphilharmonie können, dann vielleicht auf den Kirchturm. Die Kirche selbst hat schon geschlossen, es ist eben erst April und da gelten trotz frühsommerlicher Temperaturen die Winteröffnungszeiten.
Der Turm ist aber noch geöffnet. Der Kassierer preist uns mehrfach an, wie großartig es dort oben ist und dass wir mit der gleichen Eintrittskarte nochmal wiederkommen können, wenn es dunkel ist. Hamburg bei Nacht und von oben. Das muss man einfach gesehen haben.
Immerhin kostet der Spaß pro Person 9,50 €, und da ist die Ermäßigung durch die Hamburg-Card bereits abgezogen. Das entscheidende Argument, auf den Turm zu steigen, ist aber, dass wir gar nicht steigen müssen. Nur zwei Etagen. Den Rest katapultiert uns ein Fahrstuhl in rasender Geschwindigkeit die 160 Meter nach oben. Ein Kirchturm mit Fahrstuhl, da könnten sich zahlreiche Gotteshäuser ruhig mal eine Scheibe abschneiden.
Die Aussicht über die Stadt ist wirklich überwältigend. Und zwar in alle Richtungen. Vermutlich sogar besser als von der Elbphilharmonie. Und eine Schlange oder dichtes Gedränge hat es hier auch nicht.

Osten:
Norden:

Süden:Westen:
Wir planen, nach dem Abendessen noch einmal auf den Michel hinaufzufahren – erst aber geht es ins Schanzenviertel. Restaurant reiht sich an Restaurant. Überall ist es voll. Wir finden trotzdem einen Platz – ein Tisch für zwei ist eben immer zu haben. Gutgelaunte HSV-Fans künden davon, dass das Bundesliga-Spiel zu Ende ist und Hamburg gewonnen hat.
Als wir zurück zum Michel kommen, ist es dunkel. Unter uns liegt der Dom – Hamburgs größtes Volksfest, das zu besuchen wir uns sparen. Wozu auch? Remmidemmi kann man auch im September in München auf der Wiesn haben. Und alles andere könnte im direkten Vergleich sowieso nur verlieren.
Vom Hafen her leuchtet und glitzert es – ich nötige der Kamera Äußerstes ab, wenigstens halbwegs akzeptable Bilder will ich mit nach Hause nehmen. Kaum ein Foto ist vorzeigbar. Dieses geht so halbwegs:
Es wird kühl über den Dächern der Stadt.
Zeit zu gehen.
Moment.
Hatte der Kassierer unten nicht von einem Heißgetränk gesprochen? Richtig. Er hatte uns den Nachtmichel so sehr ans Herz gelegt. Also steigen wir die stählerne Treppe in den Turm in die Türmerstube hinab. Es hat so gar nicht die Atmosphäre eines Kirchturms – eher wie die eines Schiffs oder einer Werkshalle. Alles sehr sonderbar.

Unvermittelt finden wir uns in einer Eventlocation wieder. Auf einer Leinwand läuft in einer Endlosschleife ein Videoclip über Hamburg und den Michel, aus Lautsprechern dröhnt James-Bond-Musik (Live and let die) in choral-gregorianischer Interpretation, noch sonderbarer. In der Ecke steht ein Heißgetränkeautomat, aus dem man wahlweise Kaffee, Tee, Schokolade oder Tomatensuppe samt Croutons ziehen kann. Das versprochene Heißgetränke eben.
Über uns die Kirchenglocken und unter uns das Kirchenschiff. Für Geburtstage oder Firmenfeiern kann man diesen Raum übrigens mieten. Es gibt auch eine Bar – das ist am sonderbarsten für ein Kirchengebäude.

Sonntag: bis 15.00 Uhr

Nach dem Frühstück im Hotel checken wir aus, deponieren unser Gepäck am Bahnhof und machen uns auf in den Tierpark Hagenbeck. Das Wetter ist einfach zu schön für ein Museum, also gehen wir Viecher kucken. Tausende Hamburger machen das auch – Zoo und Tropen-Aquarium sind gesteckt voll, nichts anderes erwarten wir. Trotzdem…
Viecher gehen immer. Fotos eher nicht.
Am frühen Nachmittag sind die 48 Stunden um, nehmen wir noch einen kleinen Imbiss. Dann geht es wieder heim gen Süden.
Viel fehlt – schon klar. Es war eben nur ein kurzer Eindruck. Nur 48 Stunden.
Aber Hamburg steht ja noch etwas länger. Wir kommen sicher noch mal hin…


 

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