An Tagen wie diesen…

An Tagen wie diesen steht meine schwarzgelbe BVB Tasse auf meinem Schreibtisch. Und nicht nur an Tagen wie diesen. Sie steht eigentlich immer da.
Angesichts des Bombenanschlags auf den Mannschaftsbus des BVB muss ich heute nicht extra  schreiben „Je suis Dortmund“ und noch weniger „Je suis Borussia“. Das wäre für mich auch nichts Ungewöhnliches, zwar ein Statement, aber eines, das ich sowieso permanent vor mir her trage. Regelmäßige Leser dieses Blogs wissen das.Nur der BVB

Trotzdem ist an diesem Tag einiges anders. Der BVB hat mir schon sehr viele sehr unterschiedliche Momente beschert. BVB-Fan zu sein, ist ein regelrechtes Wechselbad der Gefühle, es sind so unterschiedliche, und immer wieder neue.

Es gibt Momente,

…da stehen einem die Tränen in den Augen
Wenn man zum Beispiel hört, wenn 50.000 im Stadion oder mehr You’ll never walk alone singen.

…da ist man enttäuscht
Wenn zum Beispiel Spieler aus dem Kader – meist wegen Geld – zu anderen Vereinen wechseln.

…da ist man einfach nur unglaublich stolz, Teil dieses Vereins zu sein – und wenn auch ein noch so kleines
Wenn zum Beispiel die Mannschaft mit einem Refugees Welcome Transparent im Stadion steht oder die Fanabteilung angesichts eines Auswärtsspiels in Berlin den angereisten Zuschauern das Angebot macht, gemeinsam das Jüdische Museum zu besuchen.

…da möchte man schreien, kreischen toben
Wenn zum Beispiel in der Nachspielzeit gegen Malaga das Spiel gedreht und dann noch das entscheidende Tor fällt und der BVB in der Champions League bleibt.

…da ist man voller Hoffnung
Wenn zum Beispiel hört, wer alles für die kommende Saison neu verpflichtet werden konnte.BVB Tassen

…da kugelt man sich vor lachen
Wenn zum Beispiel Nobby Dickel und Boris Ruppert im BVB-Netradio Spiele kommentieren.

…da kann man nur noch den Kopf schütteln
Wenn man zum Beispiel beim Verlassen einer Arena von Fans des Gegners als Bewohner einer Kanakenstadt tituliert und einem nachgerufen wird, dass man früher solche wie mich einfach vergast hätte.BVB Fans

…da ist man richtig frustriert
Wenn zum Beispiel der BVB auf Tabellenplatz 18 überwintert.

…da fährt man mit der U-Bahn zu weit
Wenn man zum Beispiel unterwegs ist und man wie gebannt auf die Kicker-App starrt, die sich permanent aktualisiert und das Spiel wieder spitz-auf-knapp steht.

…da ist man genervt
Wenn zum Beispiel nicht nur im gegnerischen Station sondern auf Volksfesten in der tiefsten Hinterwelt im Bierzelt die besoffene Meute gröhlt: BVB Hurensöhne…

…da ist man fasziniert
Wenn man Bilder von der Choreo auf der Süd sieht.

…da ist man wütend auf andere „Fans“ im eigenen Lager
Wenn diese zum Beispiel Schlägereien anzetteln, gegnerische Fans angreifen und mit Steinen bewerfen.

…da möchte man sich vor lauter Nervenanspannung verkriechen
weil wieder der Ausgleich gefallen ist, weil die Mannschaft wieder ins Elfmeterschießen muss, weil es wieder mal knapp wird.BVB Gondel

…da möchte man einfach nur jubeln
w
eil die Schale endlich wieder zurück im Pott ist.

Seit gestern gibt es eine neue Gemütslage. Angesichts eines Bombenanschlags, der nichts anderes zum Ziel hatte, als Menschen zu töten, bin ich erschüttert.

Dann folgen auf Twitter unendlich viele Solidaritätsbekundungen und Genesungswünsche für den bei dem Anschlag verletzten Mark Bartra von all den anderen Vereinen von Leipzig bis Liverpool, von Barcelona bis Bayern München, von Reutlingen bis Rostock. Mit Absicht zitiere ich diese zwei


Die Clips der „Dortmund“ skandierenden Fans aus Monaco im Stadion und die vielen, vielen Dortmunder, die die Monegassen bei sich haben privat übernachten lassen, zeigen: You’ll never walk alone. So gehört das. Das ist Fußball. Für einen Moment sind all die Animositäten gegenüber den anderen Vereinen vergessen: Für einen Moment gilt: Wir halten treu und fest zusammen!

Meiner kleinen, unbedeutenden Meinung nach gibt es nur eine einzige Antwort auf den Terror: Die inoffizielle Stadionhymne noch lauter zu singen, noch inbrünstiger, noch überzeugender:

When you walk through the storm
Hold your head up high and dont be afraid of the dark
At the end of the storm theres a golden sky
And the sweet silver song of a lark

Walk on through the wind
Walk on through the rain
For your dreams be tossed and blown
Walk on, Walk on
With hope in your heart
And you’ll never walk alone
You’ll never walk alone

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