7 Cent für Harald

7 Cent – das ist wahrlich keine große Summe. Genauso viel erhält Harald als Wechselgeld von der Kassiererin zurück, als er an der Kasse beim Bäcker den gemeinsamen Wochenendeinkauf bezahlt.

7 Cent – damit kann man nicht wirklich etwas anfangen. Vielleicht eine Minute mit einer Prepaid-Karte in ein Festnetz telefonieren, je nachdem, welche Karte man in sein Mobiltelefon gesteckt hat. Oder man kann einen halben Tag eine Kühl-Gefrierkombination unter Strom setzen; oder etwa drei Stunden Fernsehen. Zumindest war das 2012 so. John Holzmann hat sogar ausgerechnet, dass er für 7 Cent am Tag eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio bekommen kann. Wie das geht, schreibt er hier in der Welt.Sieben Cent

Nun will Harald aber nicht ins Fitnessstudio. Aber vielleicht gibt es irgendwo einen Kiosk in der Nähe einer Schulbushaltestelle, bei dem er für 7 Cent ein Blatt Esspapier, ein einzelnes Weingummi oder etwas Ähnliches kaufen kann. So etwas gab es nämlich mal: Lang, lang vorbei ist die Zeit, da ich einzelne Weingummis oder Lakritzstücke gekauft habe. Das ging damals noch, da hatte die Bäckerei Schönefeld ein kleines Schubladenregal. In jeder Schublade lagen lose unterschiedliche Leckereien wie Weingummicolaflaschen, -schnuller, -teufelchen, Lakritzschnecken, Nappos usw.
Man drückte von der dem Kunden zugewandten Seite gegen die Schublade, schob sie der Verkäuferin damit entgegen und sagte, was man haben wolle. Sie packte alles in ein Papiertütchen und damit war das Wochentaschengeld schnell verfressen.

Nun ist Harald nicht einer, der sich von der Bäckersfrau ein einzelnen Weingummiteufel kaufen würde. Das darf der stets bemitleidenswerte Mann vermutlich auch gar nicht. Renate wird das hocheffizient zu verhindern wissen.
Da er nun aber seinen Geldbeutel schon wieder in der Tasche seiner beigefarbenen Popelinejacke verstaut hat, steht er mit den 7 Cent in der Handfläche da und überlegt einen Moment, was er mit den beiden Münzen machen soll.
Dann steckt er sie einfach lose in die Cordhosentasche.

„Was soll denn das?“ fährt Renate, die neben ihm steht, ihren Mann an. „Immer diese losen Münzen in der Hosentasche. Hast Du eigentlich eine Ahnung, wie nervig die sind?“
Harald sieht sie irritiert an.
„Am Ende landen die doch wieder alle in der Waschmaschine. Kannst Du den Unfug nicht einfach mal sein lassen?“
Peinlich berührt wendet sich die Bäckerin dem nächsten Kunden zu, derweil Renate auf eine Sammelbüchse für das Kinderhilfswerk hinweist, das auf der Verkaufstheke steht.
„Tu das Geld doch da rein“ ordnet sie an, aber die beiden Münzen sind längst in Haralds Tasche verschwunden. „Was willst Du schließlich auch mit den sieben Cent? Die können das viel besser gebrauchen.“cent
Aber Harald denkt gar nicht daran, das Geld aus der Tasche wieder herauszuholen.
Schließlich braucht er die sieben Cent. Dringend. Die kommen nämlich in seine Skatkasse. Aber das behält er für sich. Widerworte sind seine Sache nicht, und sie würden Renate auch nur unnötig anstacheln, gegen seine Skatrunde mit Gernot, Dietrich und Rudi zu wettern.

© Imaginis - Fotolia.com
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Einmal im Monat hat er abends Ausgang und darf sich mit seinen Kollegen zum Kartenspielen treffen. Und immer spielen sie um kleine Beträge. Da sind Kupfermünzen dringend notwendig. Für diesen Fall hat er sogar extra eine kleine ausrangierte Dose, in der er die 1-, 2- und 5-Cent-Münzen sammelt.
Mal ist es ein Spiel für fünf Cent für Dietrich, mal gewinnt Gernot acht Cent, mal zahlt Rudi dreizehn. Und dann wieder gewinnt Harald sieben Cent.
7 Cent.
Um größere Summen darf er nicht spielen. Selbst bei einem Grand Hand mit vieren und Schneider schwarz angesagt könnte Harald keine Reichtümer einfahren.

Das hat Renate ihm schon lange verboten.
„Da könntest du ja gleich um Haus und Hof spielen… und wer weiß, wie das endet?“

Ja… wer weiß.

 

 
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