Keiner will mein Hemd…

„Sie glauben gar nicht, was hier alles liegenbleibt. Da hätten wir viel zu tun, wenn wir darüber nachdenken würden, wie die Leute nach Hause gehen und gar nicht bemerken, was sie vergessen haben.“
Die freundliche Kassiererin lacht und schließt eine Kammer auf, in der die Fundstücke gesammelt werden. Und da hängt es: Mein blaues Hemd.

Ich bin nämlich so einer, der ab und an mal was vergisst. Ab und an ist dabei gelinde untertrieben, denn ich vergesse mit schöner Regelmäßigkeit Dinge, die ich mitnehmen wollte; oder ich vergesse Dinge, die ich irgendwo abgelegt und dann nicht wieder an mich genommen habe. Andere machen das offensichtlich auch. Was die so im Schwimmbad so vergessen, erlaubt ein kurzer Rundumblick in der Kammer: Vornehmlich Handtücher, Badegarderobe, Schwimmbrillen, Shampoo. Auf was die freundliche Kassiererin anspielt, was sonst noch so am Beckenrand und in den Umkleidekabinen liegen bleibt, will ich mir lieber gar nicht vorstellen. Vielleicht hat ja mal einer sein Gebiss vergessen…

Beredtes Zeugnis meiner Vergesslichkeit liefert mein Schwimmblog den im Zusammenhang mit dem Schwimmen lasse ich die meisten Sachen liegen oder nehme sie gar nicht erst mit. Mal bleibt die halbe Ausrüstung im Bad liegen, mal vergesse ich schon auf dem Hinweg, den Ermäßigungs-Einlasschip mitzunehmen und muss mir einen neuen kaufen, mal stehe ich an der Adria und habe das Handtuch in der Ferienwohnung vergessen. Und vom Schal schrieb ich ebenfalls bereits.
Zum Klassiker aber gehört, dass ich morgens gleich schwimmbadfertig anziehe, weil ich ohnehin gleich dahin fahren werde und dabei zu vergessen, ein wichtiges Textil für den Rückweg einzupacken. Das passiert mit gewisser Regelmäßigkeit, so dass die Ersatzbadehose in der Schwimmtasche regelmäßig immer dann zum Einsatz kommt, wenn ich mal wieder… na ja: Sie wissen schon. Dann verbringe ich eben den weiteren Tag in Badebuxe unter der Jeans. Ist ja auch egal.

Neuestes Objekt des Vergessens ist ein blaues Oberhemd. Und ja: Auch so etwas kann man in der Umkleidekabine hängen lassen, auch wenn es schwer vorstellbar ist, dass jemand hemdenlos nach Hause hetzt – und das im Winter. Weil ich eher selten Hemden trage, es an diesem Tag aber angemessen war, eines unter dem Pullover anzuziehen, bin ich halt mit Hemd unterwegs.
Nach dem Schwimmen und zwei Gängen ins Dampfbad quetsche ich mich in die Umkleidekabine.Plötzlich ein Schub. Das muss diese wallende Hitze sein, von der alle immer reden, vor allem die Frauen. Die Poren öffnen sich, der Schweiß tritt heraus, ich kann gar nicht schnell genug in meine Garderobe kommen. Das Hemd lasse ich aus. Im T-Shirt stürme ich aus der Kabine, greife im Gehen nach Jacke, Pullover und Schal (wie bescheuert: Ein Schal! – bei dem Wetter). All das will ich erst draußen anziehen. Da ist es kühler und luftiger. Denn wenn ich nicht sofort die Kabine verlasse, verglühe ich wie ein Asteroid beim Eintritt in die Erdatmosphäre.
Und schon ist es passiert – ich eile von dannen, das Hemd bleibt am Haken zurück. So schnell kann’s gehen.
Nachvollziehbar, oder?
Mir bleibt zwar schleierhaft, wie ein einzelner Schuh im Schwimmbad zurückbleiben kann, aber auch dafür wird es vermutlich eine einleuchtende Erklärung geben. Und ich hüte mich davor, meine Witze darüber zu machen.
Ich hab auch noch nicht ans Ende gesehen, vielleicht komme ich auch eines Tages in Socken heim. Aber dann weiß ich ja, wo die Schuhe sind.
Und die klaut bestimmt auch niemand. Jedenfalls würde das dann doch meine Phantasie übersteigen. Zwischen all den liegen gelassenen Handtüchern und Badehosen werde ich sie sicher wieder finden. Es käme auf einen Versuch an…


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1 Kommentar


  1. Oja, welcher Schwimmer kann davon kein Liedchen singen. Mal eben im Schwätzchen mit den Mitschwimmern vertieft, verbleibt das ein oder andere Trainings- oder Kleidungsstück am Beckenrand oder im Schrank zurück. Ich würde gern mal lauschen, was all diese liegen gebliebenen und von ihren Besitzern einfach zurück gelassenen Utensilien sich so in der Fundstückkammer austauschen. Aus diesen Geschichten könnte man sicher Bücher machen 😉
    Wie die Geschichte vom einsamen blauen Oberhemd, das es gewohnt ist getragen zu werden, oder sich um häuslichen Schrank neben all den anderen Hemden wohl zu fühlen. Oja, ein Klagelied.

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