Mausi geht’s nicht gut

Ich hab ja immer gesagt: „Mausi, rauch nicht so viel!“
Aber Mausi hört nicht, und das ist nicht klug.
„Irgendwann wird Dich das noch mal umhauen. Du verträgst ja nicht so viel!“
Aber Mausi weiß es besser, schlägt all die Warnungen in den Wind, und dann ist es eben passiert..

mausi

Jetzt liegt Mausi in der Gosse irgendwo in Grünwald vor den Toren Münchens, dort, wo die Schönen und die Geldigen ihre Nobelvillen haben. Und es geht ihr nicht gut. Ehrlich gesagt: Es geht ihr beschissener als beschissen.
Niemand kümmert sich um Mausi, seit Tagen nicht; weder die wohlhabenden Grünwalder noch ihr Hauspersonal, weder die Stadtreinigung noch die Passanten. Dabei stapfen täglich Heerscharen an Berufstätigen, die es morgens aus der Tram drückt, an Mausi vorbei. Wie die Lemminge trotten sie zu ihren Büros und nehmen nichts wahr von der Welt… und schon gar nicht von Mausi.
Wie könnten sie auch?
Die Ohren sind verstöpselt, die Augen sind starr auf das Handy gerichtet, die volle Konzentration gilt dem Thermo- oder Pappbecher mit dem aromatisierten Coffee to go. Bloß nichts überschwappen lassen. Das Gebräu (Tall mit einem Schuss Karamellaroma) war ja teuer genug. So laufen sie fast vor das nächste Auto.
Wenn die vorbei sind, kommen die Ausflüger: Schulklassen, Pfadfindergruppen, Senioren, Touristen. Sie alle wollen einen Hauch Hollywood spüren und pilgern zu den Bavaria Filmstudios. Vorbei an Mausi laufen coole Teenager mit betont gelangweiltem Gesichtsausdruck, hyperaktive Eltern, die schon jetzt aufgeregt ihren Nachwuchs mit ihrer permanenenten Fragerei auf die Nerven gehen und hektische Lehrer, die ihre Gruppen durchzählen. Alle beisammen? Fehlt einer?
Tausende Füße müssen es sein, die schon an Mausi vorbeigelaufen sind. Gesehen hat sie vermutlich niemand. Alle sind ja nur mit sich selbst und der Darstellung ihres Egos beschäftigt. Das erfordert allerhöchste Konzentration, man ist schließlich in Grünwald. Das verpflichtet.

Mausi interessiert das nicht. Mausi interessiert gar nichts mehr. Mausi hat es hinter sich.

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PS: Was das soll?

Auf Wikipedia  ist zu lesen: Die Fabel (lateinisch fabula, „Geschichte, Erzählung, Sage“) bezeichnet eine in Vers oder Prosa verfasste kürzere Erzählung mit belehrender Absicht, in der vor allem Tiere, aber auch Pflanzen und andere Dinge oder fabelhafte Mischwesen menschliche Eigenschaften besitzen (Personifikation) und auch menschlich handeln (Bildebene).

2 Kommentare


  1. Das ist ja der Hammer! Will sagen, mir gefallen die Beobachtung, die lakonischen Sprache und – unbedingt – das Foto dazu.

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