Gestern im Baumarkt: Die volle Dröhnung

Wenn Du das Gefühl hast, Du naschst zu viele Gummibärchen, dann kauf Dir einen Karton voller Tüten. Und dann iss so lange Gummibärchen, bis sie Dir aus den Ohren wieder raus kommen. Hast Du Dich einmal so richtig daran überfressen, dann war’s das. Du wirst für eine Ewigkeit kein Gummibärchen mehr anrühren.

Diesen Ratschlag kennt wohl jeder. Einmal an etwas komplett überfressen, und dann ist der Appetit darauf ein für alle Mal vorbei. Ich habe das nie gezielt ausprobiert, kann aber trotzdem aus eigener Erfahrung sagen, dass das funktionieren kann. Viele Jahre ist es her, dass ich während des Studiums für einen Kinobetreiber arbeitete. Es gehörte zum Job, viel vor Ort zu sein, also in den Kinos. Das war in der Zeit, in der Popcorn seinen Siegeszug durch die deutschen Kinos antrat. Viel wurde noch im Foyer gefertigt, der Duft des frischen Popcorns, der im Raum schwebte, sorgte für astronomische Abverkäufe. Wir kamen mit der Produktion kaum nach. Der Nachteil: Abends daheim rochen alle Klamotten und man selbst natürlich auch nach Popcornfett. Irgendwann war’s dann vorbei. Ich habe seitdem kein Popcorn mehr gegessen. Ich kann es einfach nicht mehr riechen und auch nicht mehr sehen…

Diese Form der Desensibilisierung versuche ich jetzt mit dem Weihnachtsdekorationszeugs. Überdosierung pur erhoffe ich, als ich Ende Oktober durch die Weihnachtsabteilung bummle. Die Abteilung steht zwar schon eine ganze Weile dort, genau da, wo den Sommer über Gartenliegen, -tische und -stühle feilgeboten werden, aber ich bringe es jetzt über mich, einen Fuß in dieses Winterwunderland zu setzen.
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Wenn ich mich jetzt immunisiere und frühzeitig damit anfange, dann komme ich vielleicht unbeschadtet durch die Adventszeit.

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Ich bin der Einzige, offensichtlich ist Weihnachtliches noch nicht auf den Einkaufszetteln der Kunden. Das verschafft mir nicht nur die Gelegenheit, ein paar Fotos zu machen, um auch Ihnen/Euch die volle Dröhnung zu geben. Das gibt mir auch die Gelegenheit, mich zu schütteln, zu gruseln und das ganze Angebot auf mich konzentriert wirken zu lassen.

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Es wirkt: Ich kann schon jetzt keinen Weihnachtsdekokram mehr sehen. Dabei hat der Advent noch nicht mal begonnen. Unser eigener Dekokram steht noch in Dutzenden an Kisten und Kartons auf dem Speicher. Aber ich bin schon jetzt sicher: Dieses Jahr wird die Deko im eigenen Haus deutlich reduzierter ausfallen. Sollte sich das ändern, dann geh ich einfach noch mal in den Baumarkt: Zum Nachkaufen. Wenn’s dann noch was gibt Wenn nicht, dann nicht. Dann hole ich eben die Plüschhasen und die ausgeblasenen und angemalten Eier hervor. Es ist ja nicht so, als wäre da nicht ein weiterer großer Karton auf dem Dachspeicher. Aber jetzt steht ja erst mal Weihnachten vor der Tür, oder auch nicht.

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Zumindest noch nicht.

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Ich ertappe mich dabei, dass ich am liebsten in der benachbarten Abteilung bei den Gartengeräten eine große Mistgabel oder etwas Gleichwertiges holen möchte und dann wie so ein Berserker in dieser Abteilung zu wüten. Ein Beil wäre auch nicht schlecht. Oder ein Vorschlaghammer. Meine Phantasie wird immer beschwingter. Es ist dringend an der Zeit zu gehen.

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Auf dem Weg zur Kasse hole ich schnell noch bei den Werkzeugen eine Kombizange. Die hat wenigstens ganz und gar nichts mit Weihnachten zu tun.

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5 Kommentare



  1. Gerne mache ich bei der Zerstörung der Weihnachtsecken mit. Auch mir sind sie ein Dorm im Auge und nehmen mir die Vorfreude auf Weihnachten. Wie schön war es doch früher, als man noch Ende November mit Ellenbogen durch die Weihnachtsgänge zog. Aber man hatte wenigstens diese (Vor-)Freude dabei.

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  2. Dazu kommt, ich wohne im Erzgebirge.
    Hier stellt man Licherbögen in die Fenster, was wirklich schön aussieht, und überall stehen bunt bemalte Räuchermänneln. Von dem Geruch, den sie – gelegentlich im Stundentakt – verbreiten, bekomme ich Kopfschmerzen, die einem intensiven Glühweinrausch (natürlich von Glühwein aus Papptüten am Weihnachtsmarkt) gleichkommen.

    Zum Glück, mache ich dies nur in geringen Ausmaß mit.;-)

    Ein schöner Artikel, ich danke.

    Liebe Grüße an dich.

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  3. Was für eine Dröhnung. Und das Ende Oktober. Ich wäre für die nächsten Jahre immunisiert, wenn das nicht eh schon der Fall wäre. Ich hätte jetzt bitte auch gerne eine Kombizange.

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