Ohne Renate wäre weniger Druck auf Harald

Da sind sie wieder:
Renate und Harald
Wie hab ich sie vermisst…
Um so mehr freue ich mich, dass mir Renate wieder einmal über den Weg läuft. Das heißt: Eigentlich läuft sie nicht. Sie schwimmt. Das stimmt mich jetzt nicht gerade positiv, denn ich schwimme auch, und mir reicht es, wenn ich bisweilen im Schwimmbad von Moderlieschen und Dienstagsarschlöchern belästigt werde. Da brauche ich nicht auch noch Renate.
Nun sollte man meinen, dass Menschen an Urlaubsorten entspannt sind. Dem aber ist nicht so.bkini-16-01
Renate ist bis aufs Äußerste gereizt. Warum auch immer. also macht sie Druck. Auf Harald.
Der Arme jedenfalls ist nicht zu beneiden.
Renate ist – nicht viel anders als die Venus – soeben aus dem Wasser gestiegen. Mehrere hundert Meter hat sie vorher dort zurückgelegt. Konzentriert, sportlich aber für ihre Verhältnisse wenig zielbewusst. Denn eigentlich ist sie vor dem Badesteg immer nur so hin und hergeschwommen. Das ist ihr gutes Recht, es muss ja nicht zur Herreninsel und zurück schwimmen…
Jetzt hat sie – etwa zeitgleich mit mir – das erfrischende Nass verlassen. Während ich mich am Ufer auf meinem Handtuch niederlasse, die Sonne genieße und mich von selbiger trockenen lasse, hat Renate sich in einen Bademantel geworfen.
Harald, der am Ufer auf einer Bank gewartet und auf ihre Anziehsachen und ihre Handtasche aufgepasst hat, hat ihr das Textil hingehalten.
Da ist er ganz Gentleman. So konnte sie bequem hineinschlüpfen.Jetzt hält er ihre Tasche, die sie ihm in die Hand gedrückt hat, und wartet geduldig, während sich Renate umständlich unter dem Bademantel ihres Badeanzug entledigt.
Allerdings fehlt es ihr an einer gewissen Standfestigkeit, das ist vielleicht ihrem Alter geschuldet, denn diese Ausgabe von Renate ist um einiges älter als die anderen, über die ich bisher berichtet habe. Vielleicht liegt es aber auch an der kolossalen Verausgabung im Wasser. Wer kann das wissen?
Während also Harald unter Todesverachtung noch immer Renates Tasche hält und so tut, als sei er gar nicht da, wankt und schwankt seine Gattin in ihrem Bademantel bedrohlich.
„Jetzt steh halt nicht so rum“, herrscht sie ihn plötzlich an.
Brav tritt der unendlich geduldige Gatte heran und hilft seiner Frau, indem er ihr Stütze und Stab zugleich ist.
Um nicht umzufallen, hält Renate sich an ihrem Mann fest. Der Badeanzug gleitet endlich an ihren Beinen herunter und landet – wie zu erwarten war – auf dem Betonboden.
„Harald, jetzt steht halt mal ein wenig stabiler!“paar

Der Gute wackelt, er hält den Druck seiner Frau kaum aus. Und das meine ich in diesem Zusammenhang sogar wörtlich. Noch immer hat er ihre Tasche am Unterarm. Denn wenn Renate sagt, dass er sie nicht aus den Augen lassen soll, dann macht er das. Selbst in diesem Moment legt er sie nicht auf die Bank, die keine zwei Meter entfernt steht und er sie auch dort gut im Blick hätte.
Nicht, dass irgendwer in nächster Nähe wäre, aber vor Taschendieben muss man sich in Acht nehmen. Das haben sie extra gesagt.
Tapfer reicht Harald Renate ihre Wäsche an, die sie nun ebenso umständlich unter dem Badeanzug anzieht.
Kaum ist sie damit fertig, folgt die nächste Anweisung: „Geh schon mal den Badeanzug auswaschen“, „, ordnet Renate an, etwas, was jedem Wäschefetischisten vermutlich die Tränen der Dankbarkeit in die Augen treiben würde – aber wer zählt sich schon zu dieser Gruppe?
„Und dann räum doch schon mal das Zeug zusammen! Ich zieh mich derweil zu Ende an“ – Fehlt nur, dass sie nicht noch hinzu fügt, dass er ja nicht so nutzlos hier rumzusatehen braucht.
Harald wäre nicht Harald, wenn er das nicht tun würde. Ich bewundere ihn für seine Geduld, bedauere aber seine Resignation und schaue ihm nach, wie er sich langsam Richtung Umkleiden, Schließfächern und WC trollt.
Warum hat er den Kampf um Gleichberechtigung gegen seine Frau aufgegeben? Und wann?
Das muss Jahrzehnte her sein. Hätte er ihr nicht einfach sagen können:
„Warum benutzt Du nicht einfach die Umkleidekabinen, wie alle anderen auch, da ist doch das Waschbecken direkt daneben?“
Aber das sagt er nicht. Stattdessen trollt er sich schweigend.
Langsam, schwerfällig – unter der Last zentnerschweren Drucks.
Ich schaue ihm nach.
Da gellt ein Schrei über die Wiese. Spitz, schrill, laut.
„Harald – ist denn das zu fassen?“
Die wenigen noch verbliebenen anderen Badegäste schauen irritiert auf.
Renate.
Wer sonst?
„Lass gefälligst meine Handtasche hier. Und nimm den Badeanzug mit…“
Druck aufbauen – das kann sie.

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